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Skulptur Projekte Münster 2017

Aram Bartholl entzündete ein „Datenfeuer“

In einem ungewöhnlich großzügigen Realisierungsrhythmus von zehn Jahren finden in Münster die „Skulptur Projekte“ statt. 2017 war es endlich wieder soweit: Renommierte Künstler schufen Werke für und mit der Öffentlichkeit. Besonders spannend fanden wir vergangenes Jahr drei Installationen des Konzeptkünstlers Aram Bartholl. Darin spielte die Kraft des Feuers eine zentrale Rolle.

Leben ohne Strom

Nie zuvor war unser Alltag so sehr geprägt von permanent verfügbarer elektrischer Energie: Die meisten benutzen täglich (mehrere) Computer, kaum ein Smartphone-Akku hält länger als einen Tag ohne Nachladen, ein Großteil der Verwaltung ist digital organisiert. Die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen. Ein plötzlicher und umfassender Wegfall von Stromquellen würde also einen radikalen Umbruch bedeuten. Wie ein solches Leben aussehen könnte, zeigte Konzeptkünstler Aram Bartholl bei der internationalen Großausstellung Skulptur Projekte in Münster.

Konzeptkünstler Aram Bartholl im Halbdunkel vor einer seiner Installationen.

Vom 10. Juni bis 1. Oktober 2017 präsentierte Bartholl – unterstützt durch die innogy Stiftung – an drei verschiedenen Orten im öffentlichen Raum das Zusammenspiel von elaborierter Technologie und der elementaren Energie des Feuers: Hightech trifft Steinzeit.

Verbindendes Element der drei Installationen war die sogenannte Thermovoltaik, das Prinzip, Wärme in elektrische Energie umzuwandeln. Beim ersten Kunstprojekt entzündete Bartholl ein großes Lagerfeuer auf einer Wiese. Die Besucher sollten es am Laufen halten, um so mittels speziell konstruierter Aufladestöcke ihre Handyakkus mit Strom zu versorgen – der zuvor aus der Hitze des Feuers gewonnen worden ist.

Aram Bartholl bringt Licht ins Dunkel

Die zweite Skulptur bestand aus einem kleinen Grill, der einen thermoelektrischen Generator enthielt. Dieser lieferte durch das Anheizen Energie für einen angeschlossenen Intranet-Router. Darüber erhielten Passanten die Möglichkeit, sich in eine Offline-Datenbank einzuloggen, auf der sie diverse Dokumente fanden – etwa Anleitungen zum Überleben im digitalen Zeitalter. So entstand quasi ein „Datenfeuer“.

Bei der dritten Arbeit handelte es sich um spezielle Kronleuchter. Sie hingen von der Decke eines Fußgängertunnels und waren mit thermoelektrischen Leselampen bestückt. Der Clou: Betrieben wurden sie ausschließlich von darunter brennenden Teelichtern. Auch hier war also das Feuer die Quelle, die Licht (respektive Energie) ins Dunkel brachte.

Weitere Informationen zu den Skulptur Projekten finden Sie in unserem Blog.