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„Territorien” für die Region: Das „Ruhr Ding” 2019 verteilt 22 Kunstprojekte auf vier Städte

Eine bunt-gemischte Tüte voll zeitgenössischer Kunst haben die Urbanen Künste Ruhr und ihre künstlerische Leiterin Britta Peters für den Frühsommer vorbereitet: Das neu entwickelte, städteübergreifende und von der innogy Stiftung geförderte Ausstellungsformat nennt sich „Ruhr Ding“ und versammelt insgesamt 22 künstlerische Positionen in vier Ruhrgebietsstädten. Ziel des Projekts ist es, mit den Mitteln der Kunst zur öffentlichen Diskussion über urbane, soziale und politische Lebensbedingungen beizutragen – speziell in der Diskussion um zunehmende Ausprägungen von Globalisierung und transnationaler Abgrenzung. Wir geben an dieser Stelle einen Überblick und zeigen Hintergründe auf, die ein tiefes Eintauchen in das facettenreiche Ausstellungs-Portfolio erlauben.

Das „Ruhr Ding”: Ein Thema, viele Gestaltungsansätze

Das „Ruhr Ding“ bringt ganz unterschiedliche Kunstformen von Fotografie über Langzeit-Performances und Installationen bis hin zur Malerei in den urbanen Raum und macht sie kostenlos für jeden zugänglich. Vom 4.5. bis 30.6. realisieren die Urbanen Künste Ruhr in den vier Ruhrgebietsstädten Dortmund, Bochum, Essen und Oberhausen ihre neuesten Exponate an ganz unterschiedlichen Orten. Ausgehend vom Ruhrgebiet als einer von territorialen Fragestellungen geprägten Region im engeren Sinne und den Begleiterscheinungen einer zunehmenden Globalisierung wie Migration und Nationalismus im weiteren Sinne, beschäftigt sich die Ausstellung mit dem Verhältnis von Identität und Territorien.

Kunst in Wechselwirkung mit dem Raum definiert „Grenzen” neu

Die 22 Kunstprojekte entstehen als Neuproduktionen im Hinblick auf die thematische Fragestellung, ohne sie direkt zu illustrieren. Viele Projekte entwickeln sich mit den Orten: Sie werden durch ihre Umgebung geformt, genauso wie sie einen neuen Blick auf den Raum ermöglichen, in dem sie verwirklicht werden. Den eingeladenen KünstlerInnen und beteiligten KooperationspartnerInnen ist gemeinsam, dass sie ein eigenes Interesse, einen eigenen Umgang mit künstlerischen Mitteln und eine eigene Sicht auf (nationale) Ein- und Ausschlüsse, auf private und öffentliche Grenzziehungen mit sich bringen. Der Begriff „Territorien” dient dabei als Brille, die Beziehungen zwischen Orten und Projekten herstellt und den Blick für die Verhandelbarkeit unserer ästhetischen, sozialen und politischen Kultur schärft.

„Lassen sich kulturelle Identitäten wirklich nach Regionen abstecken? Wer bestimmt, wer dazugehört und wer ausgeschlossen wird? Und wie manifestieren sich solche Prozesse in der Gesellschaft?

Vor dem Hintergrund erstarkender identitärer Bewegungen, Rechtsextremismus und Abschottungstendenzen europäischer Staaten stellen die beteiligten Künstler und Kollektive beim „Ruhr Ding“ die Frage nach territorialer Grenzziehung neu – und mit ihr die sich anschließende Frage nach Identität. Lassen sich kulturelle Identitäten wirklich nach Regionen abstecken? Wer bestimmt, wer dazugehört und wer ausgeschlossen wird? Und wie manifestieren sich solche Prozesse in der Gesellschaft? Mit ganz unterschiedlichen Herangehensweisen nähern sich die Künstler diesem komplexen Thema an.

Sam Hopkins beim „Ruhr Ding”

Unter anderem mit von der Partie: VISIT-Stipendiat Sam Hopkins, der dem „Ruhr Ding” seinen ganz eigenen Stempel aufdrückt: Auf einem Parkplatz neben dem ehemaligen Hoesch-Verwaltungsgebäude in Dortmund will der aus Nairobi stammende und in Köln lebende Künstler eine Wohnwagen-Installation mit dem Titel „Die Dauercamperin“ aufbauen. Hier sollen Heimatland-Erfahrungen mit seiner jetzigen Lebenswelt in Deutschland verknüpft werden. In dem von ihm geschaffenen „Trailer Park“ können sich Besucher ein Hörspiel anhören, das von einer Parallelgesellschaft erzählt.

„Irrlichter-Touren“ zu den Ausstellungsorten

Das Ruhr Ding wird von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm begleitet. Mit den „Irrlichter-Touren”, die wir als Stiftung fördern, haben Besucher regelmäßig die Möglichkeit an Gruppen-Führungen zu den verschiedenen Ausstellungsorten teilzunehmen. Der Gedanke dahinter: Um sich in einer Stadt nicht zurechtzufinden, braucht es nicht viel. Sich aber in einer Stadt ganz bewusst zu verirren, wie man sich in einem Wald verirrt, braucht Schulung. Darüber hinaus dienen die „Irrlichter-Touren” als zentrales Vermittlungselement, da sie die Reflexion zum Thema „Mobilität“ mit dem Ziel verbinden, vielfältigen gesellschaftlichen Gruppen einen niederschwelligen Zugang zur Kunst zu ermöglichen.

Ganz im Sinne dieses Zitats von Walter Benjamin laden wir als Stiftung gemeinsam mit Urbanen Künste Ruhr dazu ein, im städtischen Raum unter Anleitung und mit Vorsatz vom Weg abzukommen. Bei den geführten „Irrlichter-Touren“ können sich Teilnehmer auf Unvorhergesehenes einlassen und dabei lernen, die eigene Umgebung neu zu betrachten. Die Annäherung an die Kunst soll über die Einbeziehung der Umgebung, in der sie sich befindet, erfolgen. Es werden Touren zu Fuß oder per Rad in den einzelnen Städten angeboten sowie städteübergreifende Touren mit Rad und ÖPNV. Damit greift das Kunstvermittlungsprogramm auf nachhaltige Mobilitätsformen bei der Erschließung der Kunststandorte zurück und trifft so einen Nerv der aktuellen Debatte um den Strukturwandel im Ruhrgebiet. Ziel ist es, die damit verbundenen Herausforderungen an die herrschende Infrastruktur und das Mobilitätsverhalten der Menschen aufzugreifen und in den Fokus zu rücken.

Alle Termine und weitere Infos zu sämtlichen Standorten werden auf der Webseite der Urbanen Künste Ruhr veröffentlicht.