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Mythos Großstadtnacht: KAI 10 bringt Licht ins Dunkel

Was passiert in Städten im Schutz der Dunkelheit? Welche Möglichkeiten bietet der nächtliche, urbane Raum dem Vergnügungssuchenden? Die Schau „Im Licht der Nacht – Die Nacht schläft nie” folgt den nächtlichen Akteuren und Akteurinnen auf ihren Streifzügen durch die Stadt und beschäftigt sich mit dem Mythos „Großstadtnacht”. Die Gruppenausstellung in der Kunstinstitution KAI 10 | Arthena Foundation in Düsseldorf läuft vom 25.10.2019 – 9.2.2020 und wird von der innogy Stiftung gefördert.

Das Halbdunkel als Raum der unbegrenzten Möglichkeiten

Für viele Menschen stellt das Nachtleben einen Moment der Verheißung und Ausschweifungen dar. Diskotheken und Bars laden ein, sich von den Verpflichtungen des Alltags zu lösen und treiben zu lassen. Mit anderen Worten: die Nacht zum Tag zu machen. Dazu trug vor allem die Elektrifizierung der Großstadt bei, die dem Leben neue Räume öffnete. Die Ausstellung „Im Licht der Nacht – Die Stadt schläft nie” widmet sich ab dem 25. Oktober diesem Thema und beleuchtet dabei auch die gesellschaftlichen Auswirkungen von technischen Modernisierungsprozessen. 

Welchen Einfluss hat das künstliche Licht auf das Nachtleben und wie wirkt sich das auf die Zivilgesellschaft aus? Als Brutstätte für künstlerische Inspirationen bringen die Soirees, wie abendliche Veranstaltungen im 19. Jahrhundert hießen, avantgardistische Impulse hervor. Deren Protagonisten experimentieren, (er-)leben Unerlaubtes und sehen das Halbdunkel als Raum der unbegrenzten Möglichkeiten. Darüber hinaus entstehen, damals wie heute, Ideen für soziale und politische Umbrüche im Dämmerlicht des urbanen Raums. Starre Regeln, Normen und Tabus, die bei Tageslicht gelten, verlieren dabei ihre scharfen Konturen. So wird das Halbdunkel der Nacht sowohl zum Sinnbild für das Private, als auch zu einem Motor gesellschaftlicher Prozesse – in sozialer als auch politischer Hinsicht. Mit der Erfindung des elektrischen Lichts offenbarte sich aber erstmals auch, was in der Finsternis verborgen war: Denn es ermöglicht nicht nur Neues, sondern beleuchtet auch die nächtlichen Aktivitäten und hält sie damit in kontrollierbaren Grenzen.

Faszination „Nacht”

In der bildenden Kunst finden sich zahlreiche Anspielungen auf das Abenteuer der Großstadtnacht. Im Rahmen der Schau zeigen zeitgenössische und historische Werke die Faszination der Menschen für die nächtliche Großstadt, deren besondere Atmosphäre in Wechselwirkung mit der künstlichen Beleuchtung entsteht.

Die Transparentbilder aus der Sammlung des Filmemachers Werner Nekes aus dem 19. Jahrhundert illustrieren dieses Phänomen besonders deutlich. Sie veranschaulichen eben jenen Einfluss des künstlichen Lichts auf das städtische Leben. „Der Flaneur in der Nacht” steht im Diskurs der Kunstgeschichte und der Philosophie sinnbildlich für den Menschen der Moderne, der den städtischen Raum und seine alternativen Lebenswelten und den Untergrund erkundet. 

Darüber hinaus widmen sich Werke der bildenden Künstlerinnen und Künstler Andreas Bunte, Matthias Lahme, Ann Lislegaard, Claus Richter, Alona Rodeh, Norbert Schwontkowski, Tobias Zielony sowie der Gruppe FORT den den zahlreichen Hoffnungen, Phantasien und Projektionen, die mit dem Leben in der Großstadtnacht in Verbindung stehen. Von einer Imitation des Berliner Techno-Clubs Berghain im Inneren des Museums bis hin zum Portrait eines Hard-Rock-Fans mit einem T-Shirt der Band Iron Maiden – KAI 10 | Arthena Foundation veranschaulicht mit einigen Beispielen aus dem kollektiven, kulturellen Speicher die Faszination für die schillernde Nacht. Besucherinnen und Besucher sehen sich mit der Frage konfrontiert: Welche Auswirkungen haben Modernisierungsprozesse auf unsere Kultur? Und wie stark identifizieren wir uns mit ihnen?

Das Ausstellungshaus KAI 10 | Arthena Foundation hat ein Thema gewählt, mit dem nicht nur Kunstkenner etwas anfangen können, sondern auch Nachtschwärmer. Wer schon immer einmal wissen wollte, wie technologischer Fortschritt und gesellschaftlicher Wandel zusammenhängen oder wie es hinter den Türen des Berghain aussieht, sollte sich diese Ausstellung im Kalender vermerken. 

Die Ausstellung ist eine Kooperation von KAI 10 | Arthena Foundation und dem Museum Marta Herford. Letzteres widmet sich unter dem Titel „Vom Leben im Halbdunkel“ zeitgleich der nebulösen Atmosphäre in einer entgrenzten Nacht.

Titelfoto: Claus Richter, Solid Golden Age VIII (“Tonight”), 2012, Courtesy: the artist and Clages, Köln