„Energie und Gesellschaft: Fusion oder Spaltung?“
Ringvorlesung mit der Uni Witten/Herdecke im WS 2019/2020

Portrait

Wie stehen eigentlich Wissenschaftler*innen zu den Herausforderungen der Energiewende und den aktuellen Fragen der Transformation unserer Gesellschaft? Um diese Fragen zu beantworten und einen Eindruck von der Bandbreite der Debatte zu vermitteln, hat die innogy Stiftung gemeinsam mit der Universität Witten/Herdecke im Wintersemester 2019/2020 die Ringvorlesung „Energie und Gesellschaft: Fusion oder Spaltung?” initiiert.

Begrenzte Ressourcen – unbegrenzte Energieabhängigkeit

Eröffnet wurde die Veranstaltungsreihe durch Prof. Dr. Dirk Baecker, Dekan der Fakultät für Kulturtheorie und Management. In seinem Einführungsvortrag „Energievergessene Wissenschaft“ untersuchte er, was unsere extreme Energieabhängigkeit für die Welt, die Gesellschaft, das industrielle Wachstum und letztlich jeden Einzelnen bedeutet.„Unser Dasein wäre ohne Energie unmöglich. Wir merken noch nicht einmal, wie abhängig wir von ihr sind, weil sie (…) überall so problemlos zur Verfügung steht.“ Die Erkenntnis dieser enormen Bedeutung des Energieverbrauches in allen Bereichen gelte es zu schärfen und adäquate Recycling-Modelle zum Schutz unserer Erde zu entwickeln. Aufgrund der begrenzten Energiereserven seien zudem gemeinschaftliche Projekte zu fördern, die den Energieverbrauch senken, ohne auf Innovation und qualitatives Wachstum zu verzichten.

Im Zweifel für die Wissenschaft

Effiziente Wege, Klimaleugner*innen entgegenzutreten, zählte Baecker ebenfalls zu den drängenden Herausforderungen. Diesen fiele es mit der breiten Unterstützung von Lobbyist*innen nicht schwer, Zweifel an der Wissenschaft zu säen, zumal ständiges (selbst)kritisches Hinterfragen schließlich auch der wissenschaftliche Weg zur Erkenntnis sei. Dennoch: „Die Wissenschaft ist die einzige Institution, die den Zustand unseres Planeten verlässlich untersuchen kann, eben weil sie sich laufend selbst korrigiert. (…) Aber wir sind auch auf die Kunst angewiesen. Denn sie konfrontiert uns mit uns selbst und unserer Neigung, den Kopf in den Sand zu stecken.“

Die Transformation annehmen und gestalten

Das Zusammenspiel zwischen Energiesystem und allen Teilen der Gesellschaft beschäftigte auch die weiteren Referent*innen der Ringvorlesung. Konkret: Inwiefern sind Menschen in unterschiedlichen sozialen Kontexten nicht nur von der Energiewende betroffen, sondern wie können sie diese selbst gestalten und von ihr profitieren? Unter dem Titel „Inklusion statt Partizipation?

Der lange Weg zu einem Gemeinschaftswerk Energiewende“ erläuterte Dr. René Mono von der 100 prozent erneuerbar stiftung, Berlin, was Stiftungen tun können, um die Energiewende zu fördern. In diesem Zusammenhang ging er der Frage nach, mit welchen Partnern dieses Gemeinschaftswerk zu denken und zu schaffen sei, wer bereits daran beteiligt sei und wer noch gewonnen werden müsste. Daniela Berglehn untersuchte mit Stipendiat*innen der innogy Stiftung, welche Rolle die „Energie in den Künsten“ spielt und wie Künstler*innen das Thema Energiewende veranschaulichen. Was können nicht nur die Künste, sondern jeder und jede tun, um dieses Thema fassbarer zu machen? Prof. Dr. Dr. Ortwin Renn vom Potsdamer Institut für Transformative Nachhaltigkeitsforschung beschrieb in seinem Vortrag „Die Angst vor dem Risiko: Umgang mit Unsicherheit in postfaktischen Zeiten“, inwiefern wachsende Zukunftsängste die Diskussion um die Energiewende begleiten. Besteht überhaupt eine Chance, aus der Abhängigkeit der Industriegesellschaft von der Ausbeutung fossiler Energien auszusteigen? Prof. Renn unterschied Ängste und Fakten voneinander und stellte Überlegungen an, wie jede und jeder Einzelne wie auch die gesamte Gesellschaft einen besseren Umgang mit dieser Unsicherheit entwickeln können.

Von der Theorie zur Praxis – das Richtige auch tun

Die Fortsetzung der Ringvorlesung war für den Sommer 2020 fest geplant, wird sich aber aufgrund der Corona-Krise verschieben. Im zweiten Veranstaltungssemester 2020 wird sie über den akademischen Rahmen hinaus in die Stadt gehen. Damit die wissenschaftlichen Ideen und Erkenntnisse nicht abstrakte Theorie bleiben, sondern mitten in der Gesellschaft an Lebensnähe und Dringlichkeit gewinnen.

Wege aus dem Dilemma der Energieabhängigkeit führen nur im gesellschaftlichen Schulterschluss. Damit aus wissenschaftlicher Erkenntnis Veränderung entsteht, bedarf es deren konkreter Umsetzung im täglichen Leben. Dazu will die Ringvorlesung beitragen.

Interview zur Ringvorlesung „Energie und Gesellschaft: Fusion oder Spaltung?“ mit Prof. Dr. Dirk Baecker auf der Website der innogy Stiftung Information zur Ringvorlesung auf der Website der Universität Witten/Herdecke
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