„Erzählte Energie“

Einwanderungsgeschichte(n) zwischen Kohle und Windrad

Die Wanderausstellung „Energie in Bewegung“ betrachtet im Rahmen des Projektes „Erzählte Energie“ die Energiewende aus einer ebenso neuen wie naheliegenden Perspektive. Sie porträtiert den historischen Wandel im Ruhrgebiet von der Nachkriegszeit bis heute anhand der Familiengeschichten von „Gastarbeitern“ im Bergbau und ihren Nachkommen, die im Bereich der erneuerbaren Energien arbeiten. In persönlichen Schicksalen wird mittels Fotografien, Interviewprotokollen, Video- und Audioinstallationen der Weg von der fossilen Energie zu den erneuerbaren Energien in den letzten 50 Jahren lebendig und begreifbar.

Es bleibt in der Familie – die Energiewende als Generationsgeschichte
Projektleiterin Dr. Karin Yeşilada, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Germanistische Fachdidaktik an der Ruhr-Universität Bochum, und

Fotografin Emine Ercihan wollten neben der Dokumentation der Lebensgeschichten besonders zeigen, wie sich die Energiewende innerhalb der eingewanderten Familien vollzog und vollzieht: Auf der einen Seite sind da die Älteren, die ehemaligen „Kumpel“, die sich zwar für das Thema interessieren, zugleich aber das Ende der Bergbau-Ära bedauern und die Folgen des Strukturwandels fürchten gelernt und zu spüren bekommen haben. Auf der anderen Seite sind die Jungen, die sich engagiert für Veränderungen zum Klimaschutz einsetzen und in diesem Metier beruflich tätig sind. „In den Gesprächen haben wir festgestellt, dass die Jungen statt Überzeugungs- eher grundlegende Aufklärungsarbeit betreiben. Der älteren Generation fehlt bisher das Wissen über die Energiewende“, so Karin Yeşilada.

Geschichten mit viel Identifikationskraft
Seit Juni 2019 gastiert die Ausstellung in öffentlichen Räumen, Schulen und Berufskollegs. Neben Studierenden finden sich besonders viele Schüler*innen aus dem Ruhrgebiet in den geschilderten Schicksalen wieder. Insofern stößt die Thematik „Einwanderung und Energiewende“ auf großes Interesse.

Energiewende – auch eine persönliche Angelegenheit
Den Macherinnen ist es gelungen, ein wichtiges Stück Energiegeschichte zu erzählen. „Wir wollen mit diesem neuen Narrativ der Energiewende

verdeutlichen, dass die zweifache Modernisierung Deutschlands durch Einwanderung und Energiewende auch in der nächsten Generation weitergetragen wird“, erklärt Dr. Yeşilada. Darüber hinaus wird anhand der anschaulich geschilderten Einzelschicksale eindrucksvoll deutlich, welche hohe Bedeutung neben der technischen Umsetzung und dem politischen Willen die persönliche Biografie für das Gelingen der Energiewende spielt.

Die Ausstellung „Erzählte Energie“ auf der Website der innogy Stiftung
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