„Energie fürs Quartier“
Vorbildlich für die Gestaltung der lokalen Energiewende

Es war ein Versuch mit offenem Ausgang, den es in dieser komplexen Form bislang noch nicht gegeben hatte. Der Grundgedanke: Der Erfolg der Energiewende hängt nicht nur von technischen Prozessen, sondern besonders auch von der Akzeptanz vor Ort ab. Dabei können soziale Innovator*innen, die ihre Ideen für eine nachhaltige Zukunft in ihrem Quartier umsetzen wollen, eine zentrale Rolle spielen. Ob und wie dies nicht nur in gut situierten Milieus mit liberal-ökologischer Weltsicht, sondern auch im städtischen Umfeld des Ruhrgebiets mit seiner heterogenen Bevölkerungsstruktur gelingen kann, war die Ausgangsfrage von „Energie fürs Quartier“ (EfQ), dem Förderprojekt von dynamis mit Unterstützung der Stiftung Mercator.

Vertrauensvoll fördern zahlt sich aus

Ende 2017 setzten sich acht Teams im Rahmen einer Ausschreibung mit ihren Konzepten für soziale Innovationen zur Energiewende im Quartier durch. Die lokal orientierten Projekte umfassen eine Schüler*innen-Rad-Werkstatt, ein Installationsprojekt namens „Geschenkte Energie“, eine Fahrradflotte, die Experimentieransätze „Sonne2Go“ und „Upcycling-Labor“, die Arbeit eines Mehrgenerationenhauses sowie das „Fachgeschäft für Stadtwandel“ und ein Klimaquartier. Über 18 Monate wurden die Teams darin unterstützt, ihre Ideen von einer nachhaltigen Zukunft im eigenen Stadtquartier umzusetzen. Neben einer finanziellen Förderung von 20.000 Euro zählten ein individuelles Mentoring-Programm, Netzwerkangebote und eine zentrale Projektkoordination dazu. Im Sommer 2019 lief die Förderung aus. Das Fazit: Alle Teams hielten nicht nur mit großem Engagement durch und entwickelten zum Teil weiterführende Konzepte und teamübergreifende Ansätze, sondern verfolgen ihre Ideen auch weiterhin.

Beispielhaft – drei von acht Erfolgsgeschichten

So bringt das „Fachgeschäft für Stadtwandel“ in Essen-Holsterhausen die Themen emissionsfreie Nahmobilität und Upcycling gemeinsam mit den Bewohner*innen seines Stadtteils voran. Zu den Angeboten des offen zugänglichen Ladenlokals zählen das Essener Lastenrad ELA, ein Solarmodul zur kostenlosen Ausleihe, preiswerte Second-Hand-Kleidung sowie diverse Beratungen.

Das Team „Sonne2Go“ aus Bochum machte Workshop-Teilnehmer*innen mittels USB-Insel-Ladestation zu eigenen Energieproduzenten. Mobile, halbstatische oder statische Solarmodelle wurden ebenso entwickelt wie Produkte, mit denen PV-Modulen und aussortierten Akkus zu weiteren Lebenszyklen verholfen wird.

Das „KlimaQuartier Broich“ verfolgte die Idee, Photovoltaikanlagen auf den Dächern von Gewerbe- und Industriegebäuden in Broich zu errichten und damit lokale Privathaushalte zu versorgen. Bereits Anfang 2019 konnte ein Broicher Unternehmen für die Installation einer Solaranlage gewonnen werden, die für 50 Haushalte im Quartier Strom liefern wird.

Nur drei Beispiele von acht erfolgreichen Projektteams.

Impulse geben, Mittel investieren – gesellschaftliche Werte schöpfen

Alle Teilnehmer*innen betonten im Rückblick, dass die Stiftungsförderung den Anstoß gegeben habe, Ideen umzusetzen, die sie schon länger gehabt hätten. Die fachliche Unterstützung, der teamübergreifende rege Austausch und die Kooperation mit Bildungseinrichtungen hätten nicht nur informiert, sondern auch motiviert. So habe sich das Netzwerk kontinuierlich zu einer großen Community erweitert. Dabei faszinierte die Teilnehmer*innen besonders die soziale Energie, Menschen im eigenen Quartier zusammenzubringen. Die Ideen würden auch nach anderthalb Jahren nicht weniger werden. Das freut Projektleiterin Svenja Feuster: „Letztlich ist eine solche Förderung ein initialer Impuls und eine Unterstützung. Aber dafür, was dies dann an Kreisen zieht, sind die Teams zuständig.“

Vom Versuch zum Erfolgskonzept

Das Experiment ist geglückt: Dank EfQ sind neue lokale Initiativen entstanden, die sich nun quer durch die Region vernetzen. „Niederschwellige Förderung – also ohne superkomplizierte Antragsverfahren – plus finanzieller Vertrauensvorschuss funktioniert“, resümiert Dr. Stephan Muschick.. Auch der bewusst offene Ansatz habe die engagierte Umsetzung wertvoller Ideen bewirkt. Das Quartier habe sich darüber hinaus als ein guter Rahmen für erfolgreiche Projekte erwiesen – und die Vielfalt des Ruhrgebiets als ein sehr guter Nährboden für Bottom-up-Projekte. Gemeinnützige Projekte schafften neue Impulse für eine zusammenwachsende Stadtgesellschaft in kultureller Vielfalt.

Um wirklich jeden zu erreichen, sind Orte wichtig, an denen sich alle Milieus begegnen, zum Beispiel Schulen oder eigens geschaffene Anlaufpunkte. Auf Dauer kann ein noch so motiviertes ehrenamtliches Engagement allein nicht der Weg zu mehr lokalem Klimaschutz sein. Das ist ein Fulltime-Job und erfordert eine systematische und solide finanzierte nachhaltige Transformation.

Die Website „Energie fürs Quartier“ (EfQ)
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