Manifesta 12:
Kreislauf der Energie – Kreislauf des Lebens?

Alle zwei Jahre findet die Manifesta statt. Schauplatz der weltweit einzigen Biennale, die immer an unterschiedlichen Orten zu Gast ist, war im Juni 2018 die sizilianische Hauptstadt Palermo. Mit Michael Wang und Stefano Cagol waren 2018 zwei Künstler dabei, die von der innogy Stiftung unterstützt werden.

Im botanischen Garten von Palermo präsentierte der amerikanische Künstler Michael Wang seine Installation „The Drowned World“ („Die ertränkte Welt“). Das Werk wurde nach einer Novelle von J. G. Ballard benannt, die die apokalyptische Zukunftsfantasie einer nach dem Klimawandel unbewohnbaren Erde beschreibt. Es bestand aus zwei Elementen: „Zum Ursprung der Kohle“ stellte einen Wald aus der Karbonzeit dar, der vor über 300 Millionen Jahren die Grundlage für die Entstehung der Kohle bildete, die wir heute noch zur Energiegewinnung nutzen.

Der Wald verdeutlicht also den Kreislauf der Energie, die von den Pflanzen einst aus der Luft genommen und über die Verbrennung der Kohle wieder an die Luft abgegeben wird.

In „Die Ersten werden die Letzten sein“ zeigte eine Art Salzwasser-Pool, dass in dieser durch industrielle Prozesse generierten unwirtlichen Umwelt nur die ältesten Lebensformen der Welt existieren können: Mikroben, die sich von Industriemüll ernähren. Eine kritische Reflexion des Kreislaufs des Lebens und des Wechselspiels zwischen Natur und Technologie, das mit den beschriebenen Energietransformationen die Herausforderungen durch die Industrialisierung thematisierte.

Mit „The Body of Energy (of the Mind)“ war Stefano Cagol bereits 2015 Stipendiat unseres Künstler*innen-Förderprogramms VISIT. Die innogy Stiftung unterstützte ihn auch bei der Weiterentwicklung seiner Arbeit, die er in einer Performance auf der Piazza Magione während der Manifesta-Eröffnung präsentierte. Thema seiner Performances und Ausstellungen ist der Energie- bzw. Wärmeaustausch zwischen Menschen und ihrer Umgebung, den er mit einer Infrarotkamera dokumentiert, verfremdet und als Symbol für eine Art auratisches Netzwerk verstanden wissen will.

Ende November 2018 diskutierten dann Kunstexperte Kasper König, Hedwig Fijen, die Direktorin der Manifesta, sowie Künstler und Kurator Markus Ambach im Düsseldorfer Stadtmuseum über das Thema „Was macht Kunst mit der Stadt?“. Düsseldorf und Palermo sind Partnerstädte und beide Städte versuchen sich mithilfe der Kunst zu wandeln. König, der bereits 2014 die Manifesta 10 in Sankt Petersburg kuratiert hatte, lobte das Konzept der Manifesta 2018 ausdrücklich: „Palermo ist großartig und ideal für junge Leute – sehr aufgeklärt, sehr politisch.

Sehr klug fand ich, dass es thematisch viel um urbanistische Fragen ging.“ Er plädierte für einen längeren Atem bei der Beurteilung der Wirkung von Kunstprojekten. Ein produktiver Diskurs könne darüber hinaus nur dann stattfinden, wenn man den Künstlern einen großzügigen Handlungs- und Interpretationsspielraum böte und keine Gefälligkeitskunst zu Stadtwerbezwecken erwarte. Kunst habe die Fähigkeit, Leidenschaften zu kanalisieren, die auch spezielle, ungewöhnliche Ausprägungen jenseits des Mainstreams annehmen könnten. „Daher sollten wir Kunst nicht ausschließlich als das verstehen, was auf Auktionen hohe Summen erzielt.“ Generell müsse man intelligente Strategien entwickeln, die dem Publikum den Zugang so leicht wie möglich machten, aber auch Widersprüche aufdeckten. Nur so würde künftig der wichtige Dialog in der Kultur besser funktionieren.

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