„Energie fürs Quartier“
Voneinander lernen: Energiewende von unten

Die Energiewende ist kein rein technischer Prozess, sondern auch eine Frage der sozialen Teilhabe. „Vor allem wissen wir so gut wie nichts über die Menschen und über den sozialen Kontext, in dem er oder sie sich mehr oder weniger energiewendefreundlich verhält“, so Stephan Muschick. Um die Hintergründe intensiver zu beleuchten und besser zu verstehen, wurde im vergangenen Jahr gemeinsam von dynamis und der Stiftung Mercator das Förderprojekt „Energie fürs Quartier – soziale Nachhaltigkeit Ruhr“ (EfQ) ins Leben gerufen.

Gefördert werden mit EfQ soziale Innovator*innen, die ihre eigene Vorstellung von einer nachhaltigen Zukunft in ihrem Stadtviertel (Quartier) umsetzen wollen. Ende 2017 setzten sich im Rahmen eines Ideenwettbewerbs acht Teams durch. Die lokal orientierten Projekte umfassen eine Schüler*innen-Rad-Werkstatt, ein Installationsprojekt namens „Geschenkte Energie“, eine Fahrradflotte, die Arbeit eines Mehrgenerationenhauses, die Workshop-Ansätze „Sonne2Go“ und „Upcycling-Labor“ sowie das „Fachgeschäft für Stadtwandel“ und das „Klimaquartier Broich“. Eine detailliertere Vorstellung der einzelnen Projektideen und ihrer jeweiligen Entwicklung findet sich auf www.energiefuersquartier.ruhr.

Wie kann’s klappen? Mentoring und Netzwerk
Die Teams werden über 18 Monate mit 20.000 Euro gefördert und mit Mentoring- und Netzwerkangeboten unterstützt. Die Themen reichen von Projektmanagement und Kommunikation über Methoden-Workshops bis hin zu Crowdfunding und Förderung. Dabei stellte sich im Feedback-Prozess mit den Teams heraus, dass ein gezieltes, teamspezifisches Mentoring durch die Referent*innen effizienter ist als reine Gruppenveranstaltungen. Trotz thematischer Schnittmengen divergieren die einzelnen Fragestellungen und Wissensstände. Um den gewinnbringenden Austausch untereinander auch weiterhin zu ermöglichen, finden daher auch 2019 gemeinsame Formate statt.

Teamübergreifend zeigte sich, dass die vielfältigen persönlichen Hintergründe (Schüler*innen, Rentner*innen, Studierende, junge Eltern …), private wie auch berufliche Verpflichtungen und das zumeist ehrenamtliche Engagement nicht immer leicht zu vereinbaren sind. Trotz unterschiedlichster Herausforderungen bei der Realisierung der Ideen sind alle Teams auf einem guten, kreativen und hoch engagierten Weg. Dabei erfreuen sich die Projekte breiten Zuspruches und großen Interesses auf unterschiedlichen Ebenen.

Wie geht’s weiter? Weitermachen, weitersagen
Zum Teil entwickelten sich aus den Ursprungsideen auch weiterführende Konzepte oder teamübergreifende Ansätze. Stellvertretend für alle Teams wollen wir hier einen näheren Blick auf das „Klimaquartier Broich“ werfen: Unter dem Motto „Die Energiewende betrifft jedermann“ wendet sich das Projekt an die 320 lokalen Geschäftsleute und Unternehmer im Mülheimer Stadtteil Broich, um sie in Sachen Energieeffizienz zu informieren und „klimafit“ zu machen. Nachdem ein Baumarkt aus der Region als Partner gewonnen werden konnte, der mit einer PV-Anlage auf dem eigenen Dach 20 Prozent seines Strombedarfes selbst erzeugt, signalisierten weitere Unternehmen Interesse. Mittlerweile ist der ursprüngliche Ansatz einer reinen Kommunikationskampagne weiterentwickelt worden. Derzeit laufen Gespräche mit kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) sowie weiteren Partnern zur Umsetzung lokaler Stromerzeugung. Mittels langfristiger Verträge kann vom Quartier fürs Quartier Strom erzeugt werden. Mehr zu „BroichStrom“ und dem Thema „Power Purchase Agreement“ finden Sie auf dynamis-online.de.

Projektseite Energie fürs Quartier Blog der Energieagentur NRW
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