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4. August 2020

The Weather Project: Eine künstlerische Begegnung von Natur und Technik

Kunst findet meist im Museum statt, seltener mitten in der Natur. Die Installation „The Weather Project“ von Markus Jeschaunig befindet sich jedoch schwimmend auf dem  Waldsee, einem Ökosystem mitten in Berlin. Seit 2018 erzeugt das von der innogy Stiftung geförderte Werk vor dem Ausstellungshaus „Haus am Waldsee“ einen künstlichen Nebel. Jeschaunig will damit auch auf den Klimawandel aufmerksam machen – mehr über die Hintergründe verrät unser neuester Blogbeitrag.

Dichte Nebelschwaden umgeben den Waldsee in Berlin-Zehlendorf. Was von weitem wie ein Naturphänomen wirkt, ist das Erzeugnis einer schwimmenden Edelstahl-Skulptur des Künstlers Markus Jeschaunig. Seit 2018 befindet sich seine Arbeit „The Weather Project“ im Skulpturengarten des Haus am Waldsee, ein Ausstellungshaus am gleichnamigen See. Von Dienstag bis Sonntag von 11 Uhr bis 18 Uhr erzeugt die Konstruktion aus fünf Sprühdüsen einen künstlichen Nebel und sorgt so für eine geheimnisvolle Atmosphäre. „Die Installation sieht nie gleich aus. Denn die Nebeldecke variiert je nach Tages-und Jahreszeit, da die Luftfeuchtigkeit um den See auf das Szenario einwirkt”, erläutert Markus Jeschaunig sein Werk. Der sich stetig verändernde Prozess an der Schnittstelle zwischen Kunst, Technik und Natur rege zudem zur meditativen Betrachtung an, fügt der Künstler hinzu. Der künstliche Nebel soll laut Jeschaunig einem kleinen „Wirbelsturm“ auf dem Waldsee ähneln. Der Künstler möchte damit auch die Ambivalenz der Natur aufzeigen. Denn „sie ist beeindruckend und bedrohlich zugleich“, erklärt er. 

„Ich möchte auf die Folgen des Raubbaus an der Erde und deren Folgen für das Klima verweisen“

„The Weather Project“ ist nicht sein erstes Werk, das auf Naturphänomenen basiert. Als „Agent in the biosphere“, wie der Künstler seine künstlerische Praxis selbst bezeichnet, verbindet er seit jeher Natur und Technik durch seine Kunst, auch um „auf die Folgen des Raubbaus an der Erde und die Folgen für das Klima zu verweisen“, so der Künstler. Als Teil des Breathe Earth Collective, einem Think and Do Tank, konzipiert er seit 2015 gemeinsam mit Designern und Landschaftsarchitekten Installationen für den städtischen Raum. So entwickelte das Kollektiv zum Beispiel einen künstlich erzeugten Wassersprühnebel, den sogenannten „Cool Spot“  für die Stadt Wien, um „Hitzeinseln“ des urbanen Raums abzuschwächen. Diese entstehen durch starke Verkehrsemissionen und zu wenig Grünflächen im städtischen Raum. 

„Es ist wichtig Ökosysteme in der Stadt zu erhalten“

Bei „The Weather Project“ geht es Markus Jeschaunig darum, aufzuzeigen, wie wichtig es ist, Ökosysteme in der Stadt zu erhalten. Denn der Waldsee, der ursprünglich als Regensammelbecken genutzt wurde, leidet in den letzten Jahren unter den starken Regenfluten. Diese sind unter anderem dem Klimawandel und der Versiegelung der Böden im Stadtraum geschuldet. Die Folge: Die Wasserqualität des Sees hat sich verschlechtert und einige Baumarten um den Waldsee sind bereits abgestorben. Damit der Sprühnebel der Installation die Besucher des Waldsees durch dessen schlechte Wasserqualität gesundheitlich nicht gefährdet, muss diese sogar extern gelegenes Trinkwasser abpumpen. Dennoch zeigt sich: In einem größeren Rahmen kann der kühlende Effekt solcher Kunstinstallationen zur Kühlung der Städte beitragen.

Innerhalb Berlins stellt der Waldsee ein wichtiges innerstädtisches Biotop dar. Droht er eines Tages zu kippen, bedeutet das für die Einwohner der Hauptstadt einen herben Verlust. Denn obwohl der See nur vom Grundstück des Ausstellungshauses aus öffentlich zugänglich ist, stellt er für viele Berliner ein beliebtes Ausflugsziel dar. Denn egal ob Joggen oder andere Freizeitaktivitäten, das Areal um den See übt eine Faszination auf seine Besucher aus. Dazu dürften mittlerweile wahrscheinlich auch die dichten und geheimnisvollen Nebelschwaden von „The Weather Project“ beitragen.

 

Foto Credits:

Header: Tobias Bader

Haus am Waldsee

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Kategorien: Kultur
Schlagwörter: Berlin, klimawandel und Kunst


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