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22. Juli 2020

So gelingt das Lernen der Zukunft

„Die Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern bietet neue Werkzeuge, um gute Bildung zu fördern“, meint Dr. Margret Lohmann von der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ über die fortschreitende Digitalisierung des Unterrichts. Im Rahmen des „Digital Lab 2.0” entstehen aktuell mit Unterstützung der innogy Stiftung digitale Lerntools, die gemeinsam mit Lehrerinnen und Lehrern für ihren Unterricht zur Energiebildung in der Grundschule entwickelt werden. Wie das Lernen von morgen in der Schule zum Alltag werden kann, erzählt die Bereichsleiterin für Inhalte und Fortbildungen im Gespräch.

 Frau Dr. Lohmann, inwiefern hatte die Corona-Krise einen Einfluss auf das Digital Lab 2.0? Mussten Sitzungen entfallen oder verschoben werden? Oder fanden sie stattdessen online statt?
Wir hatten einfach Glück: Die große Präsentationsveranstaltung mit den Beteiligten im Projekt fand im Februar statt. Dort haben wir aus mehreren Produktideen diejenigen ausgewählt, die wir jetzt realisieren. Aktuell arbeiten unsere Projektmitarbeiterinnen mit Unterstützung der Lehrkräfte an der technischen Umsetzung der Prototypen. Das geht alles sehr gut auf digitalen Kanälen. Das Produkt, das digitale Lerntool, soll Anfang nächsten Jahres fertig werden.

Inwiefern betreffen die Einschränkungen der Pandemie das „Haus der kleinen Forscher“ als Fortbildungsinitiative?
Unsere Stiftung ist von der Corona-Krise massiv betroffen, denn wir sind Deutschlands größte Fortbildungsinitiative in der frühen Bildung im Bereich der MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik: Unsere Trainerinnen und Trainer führen bundesweit in über zweihundert Netzwerken Fortbildungen für pädagogische Fach- und Lehrkräfte in Kita, Hort und Grundschule durch. Alle Präsenzveranstaltungen mussten im Lockdown abgesagt werden. Mittlerweile sind wir in einer Phase angekommen, wo wir neue Chancen entdecken – zum Beispiel durch die Kombination von Präsenz- und Online-Lernen.

Aus der Perspektive Ihrer teilnehmenden Lehrerinnen und Lehrer: Hat die Corona-Krise schon jetzt zur Digitalisierung der Schulen nachhaltig beigetragen oder muss man die Maßnahmen eher als kurzfristige Zwischenlösungen betrachten, die nach dem Ende der Pandemie wieder entfallen?
Bei vielen Fach- und Lehrkräften ist der Tenor einheitlich: Für sie hat mit der Corona-Krise eine Zäsur in der Bildung stattgefunden. Das zeigt sich darin, dass viele von ihnen jetzt viel unbefangener mit den digitalen Medien umgehen. Wir haben es auf unserer Lernplattform ganz direkt erlebt: Anfang März waren hier rund 6.000 Nutzende registriert – aktuell sind es über 33.000 Menschen. Sie haben die Plattform für die eigene Fortbildung und zum Austausch genutzt. Somit hat sie einen großen Mehrwert für diese Zielgruppe. Unterdessen haben wir unser Angebot ausgebaut und wollen die Möglichkeiten der Kommunikation und Information erweitern, um die Pädagoginnen und Pädagogen für das entdeckende und forschende Lernen zu begeistern.

Sollten wir die Corona-Krise also als positive Chance für die stärkere Digitalisierung der Schulen nutzen?
Die Corona-Krise an sich ist aufgrund der schwerwiegenden Folgen in allen gesellschaftlichen Bereichen überhaupt nicht positiv zu bewerten. Die Digitalisierung hingegen hat durch sie einen starken Schub bekommen und wir konnten als Bildungsinitiative neue Erfahrungen sammeln und haben selbst sehr viel gelernt in den letzten Monaten. Wir werden an diese Potenziale anknüpfen, um durch Fortbildung der Lehrkräfte auch die Schule als Lernort zu profilieren, wo digitale Tools künftig zum Unterrichtsalltag gehören.

Was muss passieren, damit das nachhaltig gelingt? Und wo müsste man ansetzen?
Der Bildungsbericht 2020 hat ja gut aufgelistet, woran es bei der Digitalisierung der Bildung heute noch hakt. So ist Deutschland im Vergleich mit anderen europäischen Staaten unterdurchschnittlich aufgestellt. Das würde man von einem hochentwickelten Land nicht unbedingt erwarten.

Die Ursachen sind vielfältig: Ein Faktor ist die mangelnde technische Ausstattung mit mobilen Endgeräten und die mangelnde Verfügbarkeit von Internetverbindung und Breitbandkabel. Wenn etwa die Internetverbindung schlecht ist und alle Kinder einer Grundschulklasse gleichzeitig internetbasiert lernen sollen, dann ist das nicht machbar.

Zudem stellt der DigitalPakt Schule 2019 – 2024 den Schulen und Bildungsinitiativen zwar fünf Milliarden Euro des Bundes und weitere 500 Millionen Euro der Länder für die Investition in die digitale Infrastruktur der Schulen bereit. Aber der geplante Aufbau steht erst am Anfang.

Wo sehen Sie heute den größten Handlungsbedarf an deutschen Schulen im Kontext der Digitalisierung?
Die Digitalisierung der Schule gelingt nur, wenn sie mit der Qualifizierung der Pädagoginnen und Pädagogen einhergeht. Die Stärkung ihrer Kompetenz, mit digitalen Medien guten Unterricht zu machen, ist für uns als Stiftung eine wichtige Aufgabe. In Deutschland wird dies Lehrkräften bisher noch zu wenig ermöglicht – das muss sich ändern. Wir als Haus der kleinen Forscher sehen uns als Initiative, die hierbei mitwirken will. Nicht zuletzt ist das von der innogy Stiftung geförderte „Digital Lab 2.0“ eine neue Möglichkeit, den eigenen Grundschulunterricht mit hochwertigen digitalen Anwendungen weiterzuentwickeln.

Welche Erfahrungen haben Sie mit anderen Projekten für digitale Bildung gemacht?
Im letzten Jahr haben wir begonnen, Grundschullehrkräfte mit einem Blended Learning Format zu MINT-Themen für den Unterricht fortzubilden. Hier sind Präsenz- und Online-Lernen eng miteinander verschränkt. Das bietet Vorteile, weil man so Phasen des Wissenserwerbs, der Umsetzung des Gelernten in der Praxis und der anschließenden Reflexion verknüpfen kann. Die Teilnehmenden können sich im Selbststudium online mit Lernmaterialien vorbereiten. In der Präsenzveranstaltung vor Ort finden dann der Austausch und die persönliche Begegnung statt. Das Feedback der teilnehmenden Lehrkräfte ist sehr gut und bestärkt uns darin, hier weiter zu machen.

Ein weiteres Beispiel sind unsere Lernangebote für Grundschülerinnen und –Schüler: Die Kinderwebseite „Meine-Forscherwelt“ wurde während des Corona-Lockdowns sehr gut genutzt. Hier finden Kinder Lernspiele zu MINT-Themen, wie zum Beispiel Mathematik und Informatik, die auch von Lehrern oder Erziehungsberechtigte Möglichkeiten im Homeschooling eingesetzt werden. Gleiches gilt für die „WimmelApp“ und die „Digitale Schnitzeljagd“ , die ebenfalls mit Unterstützung der innogy Stiftung entstanden sind. Die Beispiele zeigen, dass die Digitalisierung kein Selbstzweck ist, sondern neue Werkzeuge für gute Bildung bietet.

 

 

Foto Credits:

Header: Catrin Wolf

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Kategorien: Allgemein und Bildung
Schlagwörter: Bildung, Digitalisierung und Schulen


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