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Beitrag: Virtual Reality Experience Design: So funktioniert dreidimensionales Storytelling

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14. Juli 2020

Virtual Reality Experience Design: So funktioniert dreidimensionales Storytelling

„Die Diversität der Erfahrungen, die man in der Virtual Reality machen kann, ist so mannigfaltig wie die Menschen, die sie erleben.”, so Lena Biresch, Virtual Reality Experience Designerin, über die Wirkung von Virtual Reality. Zusammen mit anderen Kunstschaffenden arbeitet und wohnt die Künstlerin vom 16.8 bis 23.8. in der Virtual Reality-Künstler-WG des von der innogy Stiftung geförderten Projekts „Creative_Places“ im Rahmen des „Places_VR Festivals 2020” in Gelsenkirchen. Das Ziel: Eine gemeinsame Ausstellung, in der die Möglichkeiten der Virtual Reality verortet werden. Warum VR der Kunst viele Möglichkeiten bietet, erzählt die zukünftige Bewohnerin der Tech-WG im Gespräch.

Sie sind Theaterregisseurin und Virtual Reality Experience Designerin. Wie kam es dazu?
Lena Biresch: Ich habe früher Theaterstücke geschrieben und inszeniert. Ab 2016 habe ich mich mit dem großen Hype immer mehr für Virtual Reality interessiert. Weil ich aber nicht programmieren konnte, bin ich künstlerisch schnell an meine Grenzen gestoßen, so dass ich 2018 eine Ausbildung zur Spieleprogrammiererin begonnen habe. Während der Ausbildung habe ich erst begriffen, dass Schauspiel auch ein Spiel ist, das aber der Schau dient und wenig interaktiv ist. Heute verstehe ich den Programmiercode wie Regieanweisungen, also wie das Script für ein Theaterstück. Der Unterschied ist, dass ich diese Anweisungen nicht an Schauspieler, sondern an Non-Player-Character, Objekte oder natürlich an den Player selbst richte. In dieser Hinsicht hatte ich einen ganz anderen Zugang als meine Ausbildungskollegen. Deren Ansätze aus der Gaming-Szene haben mich dann zusätzlich inspiriert.

Welche weiteren Unterschiede sehen Sie zum Theater? Wie kann man sich ein Werk von Ihnen vorstellen?
Im Gegensatz zum Theater ist die Kulisse in der Virtual Reality dreidimensional und das Geschehen ist interaktiv. Der Zuschauer wird selbst zum Hauptdarsteller, zum First Person Player und kann sich frei bewegen. Denn die vierte Wand, wie wir sie aus dem Theater kennen, fällt weg, ebenso wie die institutionellen Zuschauerplätze. Damit ergeben sich ganz andere Bedingungen für das Erzählen von Geschichten.

Wie funktioniert dreidimensionales Storytelling?
Durch die Interaktivität und die freie Beweglichkeit in der 360° Kulisse ergeben sich unfassbar viele Erzählmöglichkeiten und noch viel mehr mögliche daraus resultierende Erfahrungen, die aus jeweils ganz individuellen Wahrnehmungen entspringen. Wenn ich Geschichten im dreidimensionalen Raum erzählen möchte, muss ich zum Beispiel die Aufmerksamkeit des Zuschauers gezielt lenken: Wenn im Westen eine für den Plot relevante Aktion stattfindet, der Spieler aber gerade gen Osten schaut, muss ich dafür sorgen, dass er sich nach Westen dreht. Das kann ich zum Beispiel durch ein Soundsignal machen. Ebenso bietet es sich an, die Chronologie der Geschichte aufzubrechen und sie nicht linear zu erzählen. So können verschiedene Dinge in unterschiedlicher und loser Reihenfolge passieren und trotzdem als Ganzes rezipiert werden.

Lena Biresch, Theaterregisseurin & Virtual Reality Experience Designerin

 

Und wie funktioniert die Präsentation der VR-Werke?
Bei der Ausstellung von Virtual Reality ist es sinnvoll, auch ungeübte Zuschauer abzuholen und zu begleiten. Denn als VR Designerin ist mir nicht immer gleich bewusst, wie der Teilnehmer das Spiel wahrnimmt. Die Diversität der Erfahrungen, die man in der VR machen kann, ist so mannigfaltig wie die Menschen, die sie erleben. Ich habe zum Beispiel ein paar Szenen zu „Alice im Wunderland” konzipiert. Eine Freundin von mir ist während der Szene, als Alice in den Kaninchenbau fällt, tatsächlich gestürzt, weil alles so realistisch auf sie gewirkt hat. Es ist sehr schwer einzuschätzen, was man dem Einzelnen zumuten kann, vor allem wenn man selbst tagtäglich mit diesem Medium hantiert und daran gewöhnt ist. Deshalb schätze ich es, einen sicheren Raum für das Publikum schaffen, indem jemand die Teilnehmer technisch durch die virtuelle Experience begleitet und ihnen zugleich den realen Rücken frei hält.

Was erwarten Sie sich von der Zusammenarbeit mit den anderen Künstlern, die teils aus anderen Sparten kommen?
Die VR-Szene in Deutschland ist relativ klein und die Künstler aus diesem Bereich kommen aus ganz unterschiedlichen Sparten. Ich sehe die Zusammenarbeit als Chance, andere künstlerische Ansätze kennenzulernen und sich so gegenseitig zu bereichern, was schließlich in der Ausstellung fruchten wird.

Sie meinten, die VR-Szene sei relativ klein. Kennen Sie die anderen Kunstschaffenden bereits?
Den Dramaturgen Ilja Mirsky kannte ich schon vorher aus Hamburg, alle anderen habe ich noch nie in der Realität getroffen. Verantwortliche des Places_VR Festivals haben aber neulich ein Treffen auf der Virtual Reality-Plattform „Altspace VR“ organisiert, bei dem sich alle sechs Künstler zumindest in Form ihrer Avatare schon kennenlernen konnten. Ein solch virtueller Ort ist wirklich noch etwas ganz Besonderes: Man setzt sich seine VR-Brille von einem beliebigen Standort aus auf und kann anderen Menschen so körperlich, wie es die jeweilige Brille hergibt, begegnen. Es war ein sehr heißer Tag und Sabrina Chmielewski aus dem Headquarter des Festivals hatte als “Icebreaker” eine Schneeballschlacht organisiert. Trotzdem ich den anderen noch niemals begegnet war, hatte ich das Gefühl, dass wir in der Virtual Reality bereits echte Beziehungen geknüpft haben.

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Kategorien: Kultur
Schlagwörter: creative, Künstlerin, lena biresch, places, Storytelling, theater und Virtual Reality


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