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29. Juni 2020

„Meine Arbeiten fordern den Betrachter heraus, sich mit seiner Vorstellungskraft auseinander zu setzen“

Was haben Malerei und Virtual Reality gemeinsam? Für die Künstlerin Kathi Schulz viel mehr, als man beim ersten Blick meinen könnte. Die innogy Stiftung unterstützt das Projekt Creative_Places“ im Rahmen des „Places_VR Festivals”, in dem die Malerin vom 16. bis 23.08. temporär mit fünf anderen Kunstschaffenden in einer VR-Künstler-WG wohnt. Das Ziel: Eine gemeinsame Ausstellung, die die Möglichkeiten der Virtual Reality für die Kunst auslotet. Worin sich Malerei und Virtuality Reality ähneln, erzählt die Kunstschaffende im Interview.

 

Wie sind Sie auf die Ausschreibung der Virtual-Reality-WG gestoßen?
Kathi Schulz: Ich habe an einer Kunstakademie studiert, an der traditionelle Malerei gelehrt wurde. Da ich mich mehr mit der VR-Community austauschen wollte, habe ich bewusst nach Open Calls im Bereich VR gesucht. Denn mir geht es darum, einen erweiterten Malerei-Begriff zu schaffen, der nicht nur an ein Medium gebunden ist. 

Welche Berührungspunkte haben Ihre Werke mit Virtual Reality bzw. Augmented-Reality?
Als ich das erste Mal mit VR-Technik gearbeitet habe, habe ich gemerkt, dass diese von mir eine ähnliche Herangehensweise wie die Malerei fordert. In meinen Werken konzentriere ich mich darauf, ein Gefühl beziehungsweise eine Atmosphäre zu erzeugen. Beim Malen entsteht ein Dialog zwischen der Leinwand und mir, der sehr direkt ist. Diese Unmittelbarkeit versuche ich dann in den virtuellen Raum zu übertragen.

Wie überschneiden sich Kunst und Technologie in Ihren Werken?
In meinen Arbeiten geht es um abstrakte Formensprache, Komposition, sogenannte Stilelemente, und ein mystisches Raum- und Zeit-Konzept. Es gibt bei meinen Werken keine richtige oder falsche Interpretation. Meine Arbeiten fordern den Betrachter heraus, sich mit seiner Vorstellungskraft, den eigenen Erinnerungen und Erfahrungen auseinander zu setzen. So haben meine Werke einen Erzählstrang, der alle Elemente im Bild zueinander in Beziehung setzt, aber eine Information fehlt immer. Das fehlende Detail muss sich der Betrachter selbst vorstellen und wird somit immer wieder auf sich selbst zurückgeworfen.

Welche Rolle spielen in Ihren Werken neben Virtual-Reality die Vorstellung und Wahrnehmung des Betrachters?
In meinen malerischen Werken geht es stark um die Wahrnehmung und die Interpretation von Realität. Ich spiele bei meinen abstrakten Arbeiten immer mit der Wahrnehmung des Betrachters. Ich lasse Vorstellungsräume offen und alles schwankt zwischen Wahrheit und Annahme. In vielen VR-Werken liegt der Fokus leider nur auf der Technik und die Kunst wird instrumentalisiert. 

In meiner VR-Arbeit hingegen geht es um die Entkörperlichung. Was passiert mit unserem Körper, wenn wir von der realen in die virtuelle Welt gehen? Wie wichtig sind unser Körper und unsere Gedanken bei der Identifikation mit uns selbst? Die Entkörperlichung ist eine Schwachstelle des VR-Mediums. Ich versuche in meiner VR-Arbeit, spezielle Charaktereigenschaften des Mediums über die eigene Körpererfahrung aufzuzeigen. 

Was erwarten Sie sich von der Zusammenarbeit mit den anderen Künstlern, die teils aus anderen Sparten kommen?
Ich freue mich darauf zu sehen, wie die anderen Kunstschaffenden aus den verschiedenen Sparten arbeiten. Denn ich finde es ziemlich spannend, wie sie die Technik für sich nutzen. Das zeigt mir neue Möglichkeiten und es beeinflusst meine eigene Arbeitsweise.

Was erwarten Sie sich vom Publikum bei der Ausstellung?
Ich glaube, bei einem VR-Festival gibt es viele Menschen, die sich für die künstlerischen Möglichkeiten der VR-Technik interessieren, und sich damit auseinanderzusetzen. Daher wünsche ich mir bei der Ausstellung den Austausch mit diesen Menschen.

 

Foto Credits:

Header, Video und Bildergalerie: Kathi Schulz

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Kategorien: Kultur
Schlagwörter: Kunst, Malerei und Virtual Reality


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