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Beitrag: Bee.Fair: Warum eine App den Genuss von Sojaschnitzeln und Co belohnt

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18. Mai 2020

Bee.Fair: Warum eine App den Genuss von Sojaschnitzeln und Co belohnt

Falafelbällchen, Tofuburger und Sojajoghurt: Diese Speisen liegen im Trend und reduzieren den Treibhausgas (THG)-Ausstoß. Bee.Fair, eine Projektgruppe des Think Labs, eine Kooperation der Stiftung der Deutschen Wirtschaft und der innogy Stiftung, möchte deshalb Kunden mit einer App den Kauf von fleischlosen Alternativen schmackhaft machen. Wie das Modell funktioniert  – und wie es einen Ansporn geben kann, sich auch mal abseits der Fleischtheke zu bedienen, erklärt Stefanie Harwart von Bee.Fair im Gespräch. 

Frau Harwart, mit einem Bonussystem werden die App-Nutzer für den Kauf von Fleischimitaten belohnt, wie sehen diese Boni aus?
Harwart: Da haben wir uns verschiedene Modelle überlegt, die wir jetzt abfragen. Es geht darum, herauszufinden, ob wir überhaupt und mit welchen Belohnungsmodellen wir auf Resonanz stoßen. Das kann zum Beispiel beim Einkauf eines alternativen Tierprodukts eine Gutschrift auf das eigene Konto sein oder ein Einkaufsgutschein beim Hersteller oder dem Laden sein, in dem ich das Produkt kaufe. Es könnte aber auch die Möglichkeit geben, Bonuspunkte wie das Payback-System zu nutzen oder ein nachhaltiges Projekt zu unterstützen. 

Wer ist die Zielgruppe? Waren unter den Testpersonen viele Vegetarier oder auch überzeugte Fleischesser?
Wir wollen eine gemischte Zielgruppe, das heißt wir definieren sie nicht als Veganer oder Vegetarier, sondern wir wollen die „normale” Bevölkerung erreichen. Bei unseren Umfragen sprechen wir Menschen unter 20 Jahren an bis hin zu 80-Jährigen. 

Wie ist die Gruppe auf die Idee gekommen?
Wir haben uns erst auf dem Hackathon des Think Labs im Herbst 2019 kennengelernt. Unsere Idee knüpft an die CO2-Steuer der Regierung an. Mit dem Gesetz will der Bund den Verkauf von Treibhausgas (THG)-intensiven Lebensmitteln wie zum Beispiel Tierprodukte reduzieren. Unsere Projektidee hingegen will Anreize für den Einkauf von CO2- und Treibhausgas-armen Produkten schaffen. Dabei haben uns die Coaches vom Think Lab unterstützt. Sie haben deutlich gemacht, dass es wichtig wäre, den Konsum von Fleischprodukten zu reduzieren. Denn die Massentierhaltung hat die größten Auswirkungen auf die THG-Emissionen in der Lebensmittelproduktion. Damit hätten wir eine große Hebelwirkung hinsichtlich des Klimaschutzes.

„Wir wollen eine gemischte Zielgruppe, das heißt wir definieren sie nicht als Veganer oder Vegetarier, sondern wir wollen die „normale” Bevölkerung erreichen. “, sagt Stefanie Harwart. Foto Credits: Stefanie Harwart

 

Warum haben Sie sich auf den Punkt Treibhausgas-Emissionen konzentriert und nicht etwa auf die Produktionsbedingungen?
Wir wollen uns im ersten Schritt darauf konzentrieren, dass sich der Fleischkonsum verringert, da hier relativ schnell ein signifikanter, THG-senkender Effekt zu sehen wäre. Wenn wir über Nachhaltigkeit sprechen, dann fragen sich viele: Wie müssen wir einkaufen, dass sich da auch wirklich effektiv etwas ändert? Um effektiv die Treibhausgas-Emissionen zu verringern, wäre es ein guter erster Schritt, weniger Fleisch zu kaufen. Nachhaltigkeit an sich ist ein sehr großes Feld, das die Bereiche Ökologie, soziale Bedingungen und Ökonomie einschließt und birgt ein großes Spannungsfeld. Es ist schwer, einen umfassenden Ansatzpunkt zu finden. Aber klar ist: Wenn unsere Gesellschaft jetzt weniger Fleisch isst, würden wir relativ schnell einen signifikanten Effekt sehen und die Emissionen senken.

Gibt es noch weitere ökologische Vorteile beim Reduzieren oder Verzicht auf Fleisch?
Auf jeden Fall. Bei der Massentierhaltung zum Beispiel geht es den Tieren nicht gut. Diese Bedingungen würden sich ändern, wenn sich der Einkauf von Fleisch reduzieren würde. Auch die Nutzung großer Flächen für den Anbau von Futtermitteln muss sich ändern. Wenn weniger Futter für Tiere angepflanzt würde, dann hätten wir mehr Kapazitäten und auch mehr Fläche für den menschlichen Nahrungsmittelbedarf. Das ist in Bezug auf die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung wichtig.

Haben Sie schon die Testphase für die App gestartet?
Wir haben noch keine App. Wir haben zunächst mit einer Online-Umfrage unter Konsumenten zwischen 20 und 80 Jahren begonnen, um folgendes herauszufinden: Wie nachhaltig leben Sie? Könnten Sie sich überhaupt eine finanzielle Belohnung in Form eines Gutscheins für den nächsten Einkauf vorstellen? Oder ist es eher wichtig besondere Informationen über das Produkt zu bekommen? 

Wir haben uns diese Fragen überlegt, weil es Menschen gibt, die gerne etwas tun wollen, aber nicht genug Zeit haben oder nicht wissen, was sie machen sollen. Aus diesen Erkenntnissen heraus wollen wir eine App konzipieren, die nachhaltigen Konsum belohnt. Fest steht aber jetzt schon, dass sie gratis sein soll.

Welches Fazit ziehen Sie aus den ersten Befragungen?
60 Prozent der Befragten sehen in einer fleischlosen Ernährung einen Zukunftstrend. Beim Einkauf lassen sich zudem mehr als 60 Prozent von Freunden und Familie inspirieren und weniger durch Trends. Hier können wir mit unserer App ansetzen.

Im Rahmen Ihres Projekts planen Sie eine Kooperation zwischen Lebensmittelproduzenten und -anbietern. Ist diese schon im Aufbau? Und wie soll sie aussehen?
Die Kooperation hat noch nicht begonnen, weil wir die Umfrage zunächst abschließen wollen. Wir wollen sowohl Produzenten von sogenannten alternativen Produkten ansprechen, als auch Lebensmittelanbieter. Wenn wir ein Geschäftsmodell daraus machen wollen, dann sollten diese Nahrungsmittel zusammen mit Produktinformationen in unserer App auftauchen. 

Dafür müssen wir auch den nachhaltigen Vorteil dieser Produkte zeigen: Was ist an diesen Erzeugnissen nachhaltig? Wie nachhaltig sind sie in Bezug auf das Klima? Was verändert sich, wenn der Käufer dieses Produkt kauft? Aus welchen Inhaltsstoffen besteht das Fleischimitat? Denn wir haben in unseren Umfragen festgestellt, dass viele Menschen nicht so viel über die alternativen Fleischprodukte wissen. Zudem denken manche auch, dass sie jetzt zwar eine fleischlose Alternative gekauft haben – dafür aber umso mehr Plastik. Denn viele dieser Fleischersatzprodukte sind in Plastik eingeschweißt. Diese zusätzliche Verpackung hätten die Kunden bei einem Einkauf in einer Fleischerei nicht. Es gibt also viele Wege, um diese Information transparent zu gestalten.

Als App-Entwickler würden wir eine Provision bekommen, wenn jemand dieses Produkt kauft. Wie das genau aussieht – eine Scanmöglichkeit an der Kasse oder auf dem Produkt – werden wir in den nächsten Wochen testen.  

 

Foto Credits:

Header:

Zu sehen sind: Stefanie Harwart, Thaïs Bendixen, Hanna Schweizer, Caroline Mathis, Henning Schröder, Bryan Perez, Ayusch Khajuria

Credits von: Inga Kjer für sdw

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kategorien: Allgemein und Soziale Innovation
Schlagwörter: Klimaneutral, klimawandel und Ökologie


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