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8. Mai 2020

„Art will save us”: Ein Archiv für die Rolle der Kunst während der Corona-Krise

Keine Kultur mehr in Zeiten von Corona? Weit gefehlt! Wegen der Corona-Pandemie haben sich Teile des kulturellen Lebens ins Internet verlagert. Die Live-Plattform „Art will save us”, initiiert von Rosy DX, ist eine von zahlreichen Initiativen. Mit letzten Live-Performances aus Kalifornien und Uganda geht das Projekt, das von der innogy Stiftung gefördert wurde, nun zu Ende. Die Initiatoren ziehen Bilanz. 

Sinuskurven auf dunklem Hintergrund schwingen auf und ab, begleitet von sphärischer elektronischer Musik. Die Digital-Performance „Self-liquefy” des Künstler-Duos Vesela Stanoeva und Christian Bröer lädt den Website-Besucher ein, sich auf das Geschehen einzulassen und das Gefühl von Raum und Zeit hinter sich zu lassen. In ihrer Digital-Live-Performance „Self-liquefy” stellen sie sich die Frage: „Was, wenn die Welt nicht wie prophezeit dem Untergang geweiht ist?”

Nach vier erfolgreichen Wochen geht das Projekt „Art will save us” zu Ende. Mit 23 Live-Acts haben die Initiatoren des virtuellen Performance-Clubs Rosy DX Künstlern und Kulturhungrigen geholfen, die Zeit des Corona-Shutdowns zu überbrücken und Kultur ins Netz zu tragen. 

Die Bandbreite an Live-Performances war groß, und die Initiatoren ließen den Kunstschaffenden viel Gestaltungsspielraum. Die Künstler bekamen lediglich Empfehlungen für ihre Live-Darbietungen. „Das hat eine radikale Art von Kunst hervorgebracht, eine Kunst, frei von Erwartungen“, sagt Jasmin Grimm, von Rosy DX. Diese Freiheit hätten viele Künstler begeistert angenommen.

Auch die letzte Performerin, Pinar Yoldaş, wählte einen innovativen Ansatz, der sich mit Bio-Engineering und digitalen Technologien beschäftigt. Bei ihrer Darbietung nutzte sie ein Live-Tutorial für das 3D-Modellieren von Brüsten. Welcher Gedanke dahinter steckt? Das Tutorial hinterfragt den biologischen Geschlechterbegriff und lädt den Zuschauer ein, sich auf neue Körperkonstruktionen einzulassen.

Die Zuschauer konnten den Verlauf der Performances aktiv mitsteuern

„Art will save us” habe Künstlern die Gelegenheit geboten, neue Ansätze auszuprobieren, die es auf der Bühne bisher noch nicht gegeben habe, sagt Grimm. Durch die Live-Schaltung konnten die Zuschauer den Verlauf der Performances auch aktiver mitsteuern, als bei einer konventionellen Performance, erzählt die Initiatorin.

Manchmal gab es Probleme wegen der Guidelines von Youtube. So mussten manche Performances, bei denen sich die Künstler nackt zeigten, neu gestartet werden oder auf anderen Plattformen fortgesetzt werden. Denn oft ordneten die Algorithmen die Darbietungen fälschlicherweise in die Kategorie Pornografie ein.

Eine virtuelle Community mit „Family-Feeling”

Dennoch kann sich das Ergebnis des Projekts sehen lassen. Denn das Angebot fand sowohl bei den Organisatoren als auch beim Publikum großen Anklang. Das lag laut Jasmin Grimm unter anderem auch daran, dass die Performances kurzfristig entstanden sind. So änderten manche Kunstschaffende ihr Konzept sogar wenige Stunden vor der Live-Darbietung. 

Zudem konnten die Plattform-Besucher einen ungefilterten Blick in die Wohnräume der Künstler erhaschen. Neben der Vielfalt des Angebots sorgte auch die virtuelle Nahbarkeit der Künstler und der anderen Website-Besucher dafür, dass sich ein „Family-Feeling” mit einem Stammpublikum entwickelte, wie Grimm sagt. Aber es gab auch viele Besucher, die sich die Aufnahmen der Performances im Nachhinein angesehen haben. Grimm sieht gerade in dieser Freiheit das Potential der Initiative. Zudem betrachte sie die Plattform als ein „Archiv für die Rolle von Kunst während der Corona-Krise”, sagt sie. Denn für sie sei es die Rolle der Kreativen, eine kritische Position in der Krise einzunehmen. 

Am 15. Mai beginnt „Art will save us” eine Kooperation mit dem französischen Performance-Festival „INACT”. Wer neugierig geworden ist, kann bald einen Blick auf die Performances werfen. Hier geht’s zur Plattform: 

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Zu Beginn des Projekts gab es einen Spendenaufruf für die Live-Künstler. Im Laufe der Zeit hatten die Initiatoren davon wieder Abstand genommen, weil sie keinen Wettbewerb mit anderen Initiativen auslösen wollten. Sollten Sie dennoch den ein oder anderen Kunstschaffenden unterstützen wollen, können Sie aber auch nachträglich spenden. Genaue Infos gibt es hier: info@artwillsaveus.club

 

Foto Credits:

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Vesela Stanoeva und Christian Bröer

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Kategorien: Kultur
Schlagwörter: Corona-Krise, Kunst, und Performance


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