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28. April 2020

Energieakademie 2020: Wie gelingt der Spagat zwischen Daten- und Klimaschutz?

Was haben Energiewende und Digitalisierung gemeinsam? Beide sind rasant auf dem Vormarsch – und in Kombination bieten sie viele Vorteile bei der lückenlosen Energieversorgung im Grünstromsektor. Doch wie gut sind diese beiden Megatrends tatsächlich vereinbar und wo gibt es Konflikte? Unter dem Titel „Energiewende und Digitalisierung: Klimaschutz rauf, Datenschutz runter?“ fand vom 8. bis 13. März die „8. Akademie für Energie & Akzeptanz“ statt. Die Kooperation der innogy Stiftung und dem Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik (WZGE) simuliert seit 2012 mit Studierenden und Promovierenden aus ganz Deutschland einen Stakeholderdialog über Energiethemen, diesmal im Berliner BASECAMP. Dabei zeichnet sich eine deutliche Tendenz ab: je komplexer die Materie, desto höher das Niveau der Debatten.

Anders als die letzten Jahre fand der diesjährige Dialog unter besonderen Bedingungen statt. Denn aufgrund der Coronakrise, die zu diesem Zeitpunkt ihren Anfang nahm, reisten nur 16 statt 20 Teilnehmer zur Energieakademie an. „Dennoch tat diese Veränderung der Dynamik der Veranstaltung keinen Abbruch“, sagt Sabine Wellnitz, Projektleiterin der Akademie für Energie und Akzeptanz. Lediglich der simulierte Dialog fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Vorbereitungen darauf fanden zusammen mit Experten der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, des deutschen Digitalverbands Bitkom, Germanwatch, einem Verein zur Information und Mobilisierung der Zivilgesellschaft, und dem Energieversorger Westnetz statt. 

Ein Kompromiss zwischen Daten- und Klimaschutz ist möglich

Im Fokus des Stakeholderdialogs: Wie gelingt eine lückenlose Versorgung mit erneuerbaren Energien, wenn dafür das Teilen von Daten erforderlich ist? Im Dialog ging es für die Teilnehmenden darum, verschiedene Interessengruppen zu vertreten, nämlich Verbraucherschützer, Energieversorger und eine Bürgergruppe. Mit ihren jeweiligen fachlichen Argumenten sollten sie dann die Jury überzeugen. Obwohl der Spagat zwischen Daten- und Klimaschutz nicht leicht zu bewältigen war, fanden alle Teilnehmer gegen Ende einen Kompromiss: eine Energiegrundversorgung für alle, ohne die Freigabe von Daten; zusätzlich soll es für Wegbereiter des neuen Energieversorgungsmodells datenbasierte Tarife geben. Außerdem einigten sich alle Gruppen darauf, für diese Lösung einzustehen. Auch wenn es für die Jury nicht einfach war, weil alle Akteure gute Argumente lieferten, gab es einen knappen Gewinner: die Bürgergruppe.

„Die Komplexität der Diskussionen nimmt zu“

Für Sabine Wellnitz, die Projektleiterin von Energie & Akzeptanz, zeigen die Energieakademien in den letzten Jahren eine zunehmende „Komplexität der Themen“ und „ein hohes Level der Diskussion“. Einen Grund dafür sieht sie im allgemein stark zunehmenden Interesse an der Energiewende. Diese Entwicklung hat auch Einfluss auf die Dialoge der Energieakademien. Ging es in den Anfangsjahren der Energieakademie ab 2012 um eher grundlegende Themen wie Netzausbau, Investitionen und Preise, stünde jetzt die digitale Transformation des Energiesektors und dessen gesellschaftliche Auswirkungen im Vordergrund. 

Ferner betont Wellnitz, dass es aktuell einen höheren Konsens über die gemeinsamen Ziele der Energiewende gebe. So müssten nicht mehr grundsätzliche Gespräche darüber geführt werden, ob es sie überhaupt brauche. „Das hat sich dieses Jahr auch ganz stark im Dialog der Simulation gezeigt“, meint die Projektleiterin. „Die Akteure hatten eine wesentlich größere Bereitschaft, aufeinander zuzugehen, Kompromisse auszuhandeln und auch differenziertere Lösungen zu finden.“ Zudem sei zu beobachten, dass sich das interdisziplinäre Teilnehmerfeld durch ein immer breiteres Vorwissen und Engagement auszeichne.

„Die Energiewende ist im Bewusstsein unserer Gesellschaft angekommen“

Zusammenfassend zeigt die Energieakademie 2020: Junge Menschen diskutieren mit dem Input von Experten realistische Szenarien praxisnah und zugleich auf hohem fachlichen Niveau. Außerdem zeigt die Entwicklung der Energieakademie, dass die Energiewende zunehmend im Bewusstsein unserer Gesellschaft verankert ist – und das befürworten viele. Inwiefern der Konflikt zwischen Datenschutz und Energiewende zukünftig im Sinne aller glückend gelöst wird, ist allerdings noch nicht klar. Fest steht: Diese Frage stellt uns vor neue Herausforderungen. Und es bleibt spannend, welche Ideen die nächsten Jahre im Fokus stehen. 

 

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Foto Credits: Jörg Farys

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Kategorien: Allgemein, Bildung und Soziale Innovation
Schlagwörter: Datenschutz, Energiewende und Klimaschutz


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