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21. April 2020

„Art will save us: Ein virtueller Performance-Club”

Geschlossene Theater, Museen und Kinos: In der Corona-Krise bleibt die Kultur auf der Strecke. Doch gerade in Zeiten von Kontaktverboten und Ausgangsbeschränkungen lechzen die Menschen nach Kunst und Kultur. Viele greifen in der Selbstisolation vor allem auf Filme, Musik und Bücher zurück. Doch für die rund 70 000 Künstler der freien Kunstszene bedeutet Corona auch ausgefallene Gagen und finanzielle Not. Um die Kunstschaffenden in dieser ungewissen Zeit zu unterstützen, hat ROSY DX, ein Studio für digitale Transformation, mit Unterstützung der innogy Stiftung die Initiative „Art will save us” ins Leben gerufen. Das Ziel: Eine Plattform für Live-Performances.

Mit sanfter Stimme gibt der Performer Esben Holk Anweisungen für die kollektive „Jennifer Aniston Superfans Digital Tarot Landscape-Performance™ ”. Schriftzüge blinken in Neon im Hintergrund, während Tarotkarten mit typisch-surrealen Bildern der US-Schauspielerin Jennifer Aniston eingeblendet werden. Der erste Eindruck: Eine Digital-Performance, die mit popkulturellen Bezügen und dem kollektiven, kulturellen Gedächtnis spielt.

Eine andere Live-Performances mit dem Titel „The private is political” zeigt die Künstlerin Cynthia Montier. In ihrer Live-Darbietung widmet sich die junge Frau dem Leben in Isolation. Der Bildschirm ist in dieser Performance gesplittet: Eine Hälfte zeigt die Französin in ihrer weißen Küche sitzend, wie sie auf ihrem Smartphone hin und her wischt. Die andere Hälfte zeigt die Inhalte, die sie auf ihrem Smartphone verfolgt – erotische Filmszenen, Memes, private Nachrichten. Die Live-Aufnahmen erinnern an unser eigenes Leben und haben zugleich ein voyeuristisches Element, was neugierig macht. Künstler isoliert und doch zum Greifen nah – das bieten die Live-Performances.

„Von Netzkunst, Aktionskunst bis hin zu Performancekunst ist alles zu sehen”

Im „virtuellen Performance-Club” gebe es von Netzkunst, Aktionskunst bis hin zu Performances alles, sagt Jasmin Grimm, eine der Initiatorinnen von „Art will save us”. Grimm hat selbst, Festivals wie etwa den Meta Marathon mit konzipiert. Es gehe der Initiative jetzt zum einen darum, während der Isolation einen Raum für Digitale Kunst und Performance zu schaffen, sagt sie. Denn diesen gab es bisher auch vor Corona eher selten. Zum anderen gehe es der Initiative darum, die freien Kunstschaffenden der Plattform in der Krise zu fördern. Denn die ausfallenden Auftritte und somit fehlende Gagen treffe die 70 000 freien Kunstschaffenden in Deutschland besonders hart. Bereits vor der Corona-Krise hätten diese unter prekären Verhältnissen gearbeitet. Die Ausfälle durch die Pandemie würden diese Not noch verstärken. 

Für einige der teilnehmenden Künstler und Künstlerinnen ist die Darbietung via Live-Stream der erste Auftritt im World Wide Web. Damit ist die Plattform sowohl für Zuschauer als auch für die Darsteller ein Experiment. 

Der virtuelle Performance Club als Bühnenmodell der Zukunft

Ob sich das Livestream-Format auch nach der Corona-Krise als zusätzliche Einnahmequelle für Performance- und Digital-Kunstschaffende etabliert, bleibt zunächst offen. Fest steht aber schon jetzt: Die Live-Performances bieten viele interessante Denkanstöße. Vielleicht könnte der Livestream ein Bühnenmodell der Zukunft sein. Wer neugierig geworden ist: Am 23.4. um 20:30 Uhr lesen unsere VISIT-Stipendiaten Stefan Panhans und Andrea Winkler auf der Plattform aus Panhans ersten Roman „We Just Left Shore” vor.

 

Bisher waren auf „Art will save us” zu sehen:
OmsK Social Club, Thomas Mailänder, Nadja Buttendorf, Cibelle Cavalli Bastos, Marco Donnarumma, Valentina Karga, Esben Holk, Brad Downey, Vesela Stanoeva & Christian Bröer, Katharina Haverich, Mathieu Tremblin, Cynthia Montier, Mirce Velarde-Liljehult, Paul Frick & Yves Haltner, Christian Zöllner (The Constitute), Nadja Schöllhammer 

 

 

Header:

Cynthia Mothiers Performance „The Private is political“

Foto Credits: Cynthia Mothier 

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Kategorien: Kultur
Schlagwörter: Corona, Kultur, und kulturelle Bildung


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