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Beitrag: #CoronaHilfe in Essen: 600 Engagierte von heute auf morgen

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10. April 2020

#CoronaHilfe in Essen: 600 Engagierte von heute auf morgen

Es ist eine ungewöhnliche Zeit, in der wir uns befinden. Das Coronavirus breitet sich nach wie vor auf der ganzen Welt aus – auch in Deutschland. In solchen Momenten gilt mehr denn je: zusammenhalten! Aus diesem Grund unterstützt die innogy Stiftung das Projekt „#Coronahilfe in Essen“. Was es damit auf sich hat und wieso manchen Menschen das Hilfeannehmen so schwerfällt, lesen Sie in unserem neuen Blogbeitrag.

„Mitte März rief uns der Oberbürgermeister an“, erzählt Hendrik Rathmann, Pressesprecher des eigenständigen Vereins Ehrenamt Agentur Essen e.V. „Er bat uns, in die Organisation einer stadtweiten Nachbarschaftshilfe federführend einzusteigen. Dies war sozusagen die Initialzündung loszulegen.“ Und so schuf das Team der Ehrenamt Agentur innerhalb weniger Tage eine Plattform, um Helfer und Hilfesuchenden zu vernetzen. Insgesamt kümmert sich ein Team von fünf Kolleginnen um die Zuteilung. Sie achten dabei besonders darauf, dass jeder Helfer so zum Einsatz kommt, dass die zu Unterstützenden aus seiner unmittelbaren Umgebung kommen – Nachbarschaftshilfe eben.

Wer gehört zur Risikogruppe?

In der kurzen Zeit haben sich bereits mehr als 600 Essener aus allen möglichen Stadtteilen gemeldet und Hilfe angeboten. „Über mangelnde Unterstützung können wir uns glücklicherweise nicht beklagen“, sagt Rathmann hörbar begeistert. Eine andere Sache macht dem gebürtigen Essener jedoch Sorgen: „Die Menschen wissen zwar inzwischen, dass es die Nachbarschaftshilfe gibt. Aber viele scheinen sich noch nicht zu trauen, sie in Anspruch zu nehmen.“ Um das zu ändern, hat die Ehrenamt Agentur mithilfe der Essener Apotheker-Genossenschaft rund 200 Poster und 9.000 Flyer in den ortsansässigen Apotheken verteilt. Denn dort kommt die Zielgruppe vorbei, oder besser gesagt: die Risikogruppe. 

Neben Menschen ab 65 Jahren gehören dazu auch Personen, bei denen es bereits Vorerkrankungen gibt, etwa Herzkreislaufstörungen, Diabetes, Atemwegserkrankungen oder ein geschwächtes Immunsystem. Sie alle gilt es derzeit besonders zu schützen. Die Nachbarschaftshilfe kümmert sich deshalb beispielsweise um Einkäufe, geht mit dem Hund Gassi, holt wichtige Medikamente aus der Apotheke oder ist auch einfach mal für ein aufmerksames Telefongespräch zur Stelle. Denn viele Menschen sind in dieser Zeit isoliert und daher oftmals einsam – eine freundliche Zuwendung kann hier Wunder wirken. Mit Video-Tutorials zeigt die Ehrenamt Agentur engagierten Essenern, worauf es bei der Nachbarschaftshilfe in Corona-Zeiten ankommt.

Zwischen Überraschung und Tränen

Knapp 80 „Nachbarschafts-Paare“ hat die Ehrenamt Agentur bisher vermittelt. Wer die Hilfe annimmt, meldet sich anschließend häufig nochmal bei den Vermittlern. „Ein junger Mann mit chronischer Erkrankung hat bei uns angerufen und sich sehr emotional für die Hilfe bedankt“, erinnert sich Hendrik Rathmann. „Wie die Kollegin hinterher erzählte, flossen sogar Tränen. Das sind Momente, die uns besonders nahegehen.“ Was ebenfalls berührt: Rentner, die von der problemlosen und vor allem sicheren Hilfe überrascht sind – allerdings zunächst auch mitunter skeptisch. „Zur Zeit sind ja leider auch viele Enkeltrickbetrüger unterwegs“, begründet Rathmann die Vorsicht älterer Menschen, das Hilfsangebot in Anspruch zu nehmen. 

#CoronaHilfe in Essen

#CoronaHilfe in Essen: Mit Postern und Flyern macht die Ehrenamt Agentur auf die Aktion aufmerksam

Doch das sei nicht der einzige Grund, weshalb sich bisher noch nicht so viele an die Nachbarschaftshilfe gewendet hätten. Rathmann vermutet: „Viele Betroffene schätzen sich selbst gar nicht als Risikopatient ein, wollen Autonomie behalten oder schämen sich sogar, Hilfe von außen anzunehmen.“ Rathmann und sein Team von der Ehrenamt Agentur Essen wollen das ändern. Mit einer differenzierteren Ansprache hoffen sie, Mitglieder der Risikogruppen zu erreichen und zu überzeugen. Eine Kollegin von Rathmann brachte es auf den Punkt. Das Motto: mit vereinter Kraft dem Hilfeannehmen das Stigma nehmen. 

Eine Initiative mit Zukunft

Die Nachbarschaftshilfe wird es voraussichtlich bis Ende des Jahres geben – und vielleicht bildet sich darüber hinaus auch eine langfristige und nachhaltige Plattform der Solidarität. Die „#CoronaHilfe in Essen“ hat beispielsweise schon Anwohner aus der gleichen Straße zusammengebracht: Nachbarschaftshilfe im wahrsten Sinne des Wortes. 

Als Stiftung sind wir dankbar für das große Engagement und die Solidarität in unserer Stadt. In diesen Zeiten geht es zwar um Social Distancing, aber gleichzeitig auch um Nähe und füreinander da sein. Um dem den bestmöglichsten Rahmen zu geben, fördern wir die „#CoronaHilfe in Essen“ mit 20.000 Euro. Danke für Ihr unerschütterliches Engagement!

Lesen Sie demnächst bei uns im Blog, wie wir auch Kunstschaffenden in dieser schweren Zeit beiseitestehen. 

 

Fotos/Grafiken: Hendrik Rathmann, Ehrenamt Agentur Essen e. V.

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Kategorien: Allgemein und Soziale Innovation
Schlagwörter: Engagement und Soziales Engagement


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