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26. März 2020

„Pain Points“ oder „Glück? Heute?“

Noch vor wenigen Wochen, als wir begannen, eine Reihe aus Podcasts, Blogbeiträgen und einer Veranstaltung zu konzipieren, schien die Welt eine andere zu sein. Ohne Corona-Virus, ohne die krassen Folgen einer weltumspannenden Pandemie mit unerträglich vielen Toten, Einschränkungen des öffentlichen und sozialen Lebens und noch nicht absehbaren wirtschaftlichen Folgen.

Als wir unsere Reihe konzipierten, lautete die Frage, ob – und falls ja, wie – man in Zeiten des Klimawandels glücklich sein kann. Als wir mit unseren Partnern und Mitdiskutanten zu sprechen begannen, war uns klar: Es gibt nichts zu beschönigen. Angesichts einer sich bereits anbahnenden Klimakrise, die unser aller Leben in den kommenden Jahren und Jahrzehnten fundamental beeinflussen würde. Angesichts zahlreicher offener gesellschaftlicher Fragen, die uns in hitzigen Debatten über technokratische oder rein finanziell getriebene Lösungsansätze für die Klimakrise unter den Nägeln brannten. Aber auch angesichts einer weiter steigenden Unzufriedenheit mit der Umsetzung der Energiewende in Deutschland und einem weiteren Auseinanderdriften zwischen politischem Handeln und den Wahrnehmungen und Wünschen der Menschen. Mitte April wird hierzu mehr zu lesen sein: Dann veröffentlicht dynamis – die Kooperation zwischen dem Potsdamer Forschungsinstitut IASS,  der 100 prozent erneuerbar stiftung und unserer Stiftung – das aktuelle „Soziale Nachhaltigkeitsbarometer der Energiewende“, das diese Befunde enthält und einordnet.

Und nun: tempi passati? Ist es, in Anlehnung an Bertolt Brecht, in Zeiten von Corona ein „Verbrechen“, über Glück und Schmerz in Zeiten des Klimawandels zu reden? Wir meinen: Nein! Im Gegenteil. Wer über den Kampf gegen das Virus spricht, darf über die Bewältigung der Klimakrise nicht schweigen. Vielleicht nicht ganz so platt, wie es mancher Kommentator in den vergangenen Tagen versucht hat, nach dem Motto: Wir sehen, der Staat kann handeln, wenn er denn will, und was in der Corona-Krise recht ist, soll jetzt bitteschön auch in Sachen Klimaschutz billig sein.

Einen viel differenzierteren Weg weist zum Auftakt unserer Reihe der Wissenschaftsjournalist Christian Schwägerl. Nach dessen Verständnis ist das „Anthropozän“, das erdgeschichtliche Zeitalter also, in dem wir alle seit dem Beginn der Industrialisierung leben, ein Denk- und Analyserahmen sowohl für die Corona- als auch für die Klimakrise. Der Mensch hat mit seinem Handeln nicht nur unverwischbare Spuren auf der Erde hinterlassen. Er ist, und ohne diese Einsicht wird es keine Zukunft auf unserem Planeten für ihn geben, auch Teil der Natur. Nur wer dies versteht, kommt zu wirklich nachhaltigen Lösungen. Niemand soll zurück auf die Bäume – und niemand wird sich auf Monate oder Jahre in Quarantäne begeben können. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Darum ist das Ringen um ökologisch nachhaltige Lösungen immer auch eines um soziale Vorstellungen, Modelle, Werte und Lösungen. Wer über die aktuellen Krisen redet, darf über die Frage nach einem ökologisch und sozial nachhaltigen Wachstum und einer gerechten Verteilung von Chancen und Wohlstand nicht schweigen. Und auch nicht über die Frage, wie Menschen ihre Vorstellungen von Engagement und Gemeinschaft in ein ermüdendes demokratisches System einbringen können.

Das sind die Pain Points dieser und der kommenden Tage. Darüber haben wir mit Christian Schwägerl, Marina Weisband, Ursula Weidenfeld und René Mono – allesamt ausgewiesene Experten auf ihren Gebieten – gesprochen und gestritten. Das Resultat stellen wir ab der kommenden Woche auf unserer Website sowie unserem Spotify-Kanal für Sie bereit. Und es geht weiter: Im April diskutieren  wir mit Jutta Allmendinger und Hannah Lübbert. Wir haben uns entschieden, die ursprünglich für die Berliner Stiftungswoche zum Thema „Glück heute?!“ geplante Veranstaltung nicht abzusagen, sondern am 22. April 2020 als Online-Format durchzuführen. Die Informationen zum Zugang dazu finden Sie demnächst ebenfalls hier.

Und last but not least sind wir überzeugt, dass uns auch nach dieser Corona-Welle die Frage beschäftigen wird, welche Rolle wir, die Menschen, und zwar in unserem sozialen Kontext, für die Lösung der großen Menschheitsaufgaben wie der Klimakrise spielen werden. Aus der aktuellen Situation können wir nur lernen.

Ein Beitrag von Stephan Muschick, Geschäftsführer der innogy Stiftung für Energie und Gesellschaft.

 

Header-Foto: Markus Spiske

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Kategorien: Allgemein


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