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25. März 2020

Fünf Fragen an Antje Boetius: Glück in Zeiten des Klimawandels?

Die Winter werden milder, die Meere immer wärmer – was für manche zunächst harmlos klingt, sind bereits verheerende Anzeichen des Klimawandels. Zukunftsprognosen warnen vor einem Anstieg des Meeresspiegels, der nicht nur an den weit entfernten Küsten Bangladeschs zu einem Problem werden könnte, sondern auch hierzulande, etwa auf Sylt. Können wir angesichts solcher Bedrohungen überhaupt noch über (persönliches) Glück reden? Wir haben darüber mit der Bremer Meeresbiologin Prof. Dr. Antje Boetius gesprochen, die die Auswirkungen der Klimakrise seit vielen Jahren intensiv erforscht. Hier erklärt sie, wo sie Glück bei ihrer Arbeit empfindet und wie sich die Energiewende aktiv mitgestalten lässt.

Frau Professor Boetius, was bedeutet Glück für Sie in Zeiten des Klimawandels?
Glück ist ein schönes Wort aus dem Mittelniederdeutschen und bedeutet, etwas „geht gut aus“. In Zeiten des Klimawandels bedeutet ein „guter Ausgang“, dass wir es schaffen, weltweit die Emissionen von CO₂ so zu reduzieren, dass wir der Erwärmung Einhalt gebieten. Es braucht dazu aber viel mehr als Glück – es braucht einen Plan für ein anderes Energiesystem, anderes Verhalten, andere Infrastrukturen. 

Wie sieht für Sie als Mitglied der „Scientists for Future“-Bewegung ein solches aktives Mitgestalten der Energiewende aus?
Aktives Mitgestalten beginnt mit Erkenntnis und Haltung, mit Kommunikation. Ich finde es wichtig, dass wir Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der jungen Generation helfen, Fragen zu ihren Zukunftschancen zu beantworten. Zudem können wir sie mit Faktenwissen unterstützen, wenn es darum geht, Forderungen zu stellen. Aber eigentlich sehe ich mein Handeln gar nicht so sehr einem Label wie „Scientists for Future“ oder einer bestimmten Altersgruppe zugeordnet. Es ist einfach notwendig, dass wir wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage der Zukunftsgestaltung teilen und in einen Dialog mit der Gesellschaft treten. Dazu gehört auch, die Politik zu beraten – und aufzuzeigen, wenn wir unsere Ziele nicht erreichen. 

Also spielen Wissenschaftler eine wichtige gesellschaftliche Rolle in der Klimakrise …
Schon seit 1965 warnt die Wissenschaft die Politik davor, dass die CO₂-Emissionen aus der Nutzung fossiler Brennstoffe die Erde aufheizen, was negative Folgen für die Menschheit und die Natur hat. Daher ist es unsere grundsätzlich Aufgabe als Wissenschaftler, Forschungsergebnisse in die Gesellschaft zu tragen und sich auch dem Dialog zu stellen. Zudem sollten wir global für die Anerkennung von Fakten und wissenschaftlichem Wissen kämpfen. 

Können Sie als Meeresforscherin angesichts des voranschreitenden Klimawandels überhaupt noch Glück empfinden?
Der Ozean muss schon viel der Last tragen: Er absorbiert mehr als 90 Prozent der Erwärmung und über ein Viertel des CO₂-Ausstoßes aus der Atmosphäre. Zugleich beschert mir das Meer aber immer wieder fantastische Glücksgefühle, wenn ich auf Forschungsexpedition in den weitgehend unbekannten Raum der Tiefsee abtauchen und dort Entdeckungen machen darf. Und auch wenn ich am Strand stehe und den weiten Blick habe.

Was müssen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft leisten, um die Klimaziele bis 2050 zu erfüllen?
Am weitesten kämen wir mit einem internationalen Abkommen, das den schnellen Kohleausstieg sichert und einer klug abgestimmten CO₂-Bepreisung. Dazu müssten regenerative Energien hochgefahren werden und gleichzeitig auch die Energieeffizienz. Außerdem bin ich überzeugt: Der Kern vieler Probleme liegt darin, dass wir sämtliche Kosten für Umweltschäden externalisiert haben. Darum müssen wir die Kosten für Umwelt- und Ressourcennutzung nachvollziehbar bepreisen und ehrlich kommunizieren. Die Subventionen für umweltschädliche Prozesse hingegen sollten abgebaut werden. Es lassen sich Klima- wie auch Naturschutz und das Gemeinwohl verknüpfen, wenn wir dazu Maßnahmen ergreifen, dass nicht weiter die Ärmsten, die Kinder, weltweit anteilig die größte Last der Umweltschäden tragen werden.


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Foto Credit Titelbild: Alfred-Wegener-Institut, Achim Multhaupt/laif

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Kategorien: Allgemein und Bildung
Schlagwörter: Energiewende, Klimaschutz und klimawandel


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