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10. März 2020

VISIT: Wenn Kunst im Büro ausgestellt wird

Was verbindet eine Glasskulptur und einen Offshore-Windpark auf Helgoland? Für die Künstlerin Céline Berger ist es die Schnittstelle zwischen künstlerischen und unternehmerischen Arbeitsprozessen. Im Rahmen des VISIT Artist-in-Residence-Programm hat die Kunstschaffende die Angestellten von zwei Abteilungen der innogy SE in ihrem Alltag begleitet. Das Ziel: zwei unternehmensinterne Ausstellungen über den Berufsalltag der Mitarbeiter. Die letzte davon, „Ein ganz schlechter Zeitpunkt“, fand in der Konzernzentrale in Essen statt. Was dabei herauskam und wie die Mitarbeiter auf ihre Arbeit reagiert haben, erzählt sie im Interview.

Frau Berger, warum beschäftigen Sie sich in ihrer Arbeit mit der Schnittstelle zwischen Arbeitsprozessen in Unternehmen und in der Kunst?  

Céline Berger:
Ich bin gelernte Ingenieurin und habe mehr als zehn Jahre in verschiedenen Unternehmen gearbeitet. Mein Beruf hat mir Spaß gemacht, aber ich hatte auch schon immer eine große Affinität zur Kunst. 2008 ist das Unternehmen, für das ich gearbeitet habe, in Insolvenz gegangen. Seitdem bin ich künstlerisch tätig. Mit diesem Hintergrund interessiert mich alles, was an dieser Schnittstelle passiert.

Welche innogy-Mitarbeiter haben Sie bei der Arbeit begleitet und wie hat das Ihre Arbeit beeinflusst?
Im Rahmen des VISIT-Artist-in-Residency Programms habe ich in zwei Abteilungen je zwei bis drei Wochen verbracht und deren Mitarbeiter begleitet. Das war einerseits das Team des Offshore-Windparks Nordsee Ost auf Helgoland, das sich um die Instandhaltung des Windparks kümmert. Die andere Abteilung, bei der ich reinschnuppern durfte, war die Abteilung NWoW@HR in Essen, die sich mit der Einführung neuer Arbeitsmethoden beschäftigt. Ich habe für jeden Arbeitsbereich eine Ausstellung konzipiert, die sich in dessen Berufsalltag integriert und ihn gleichzeitig thematisiert. 

Für Helgoland habe ich zum Beispiel eine Betriebsanleitung für die Verwendung von Ironie in der täglichen Kommunikation entwickelt. In ihrem Berufsalltag hatten die Mitarbeiter miteinander einen liebenswerten, ironischen Umgang. Für mich kann die Verwendung von Ironie aber auch gefährlich sein. Deshalb habe ich diese neue Betriebsanleitung geschrieben, die ich in die bereits existierende Betriebsanweisung für die Arbeit im Offshore Windpark eingebettet habe. Mit dieser künstlerischen Arbeit habe ich etwas produziert, das sehr nah an ihrer Arbeitswelt ist, aber einen anderen Blickwinkel bietet. Diese von mir angefertigte Betriebsanweisung war übrigens auch in der Konzernzentrale in Essen in den Aufzügen zu sehen.

Am Ende des VISIT-Stipendiums haben Sie Ihre künstlerischen Arbeiten in der Konzernzentrale in Essen präsentiert. Wie war das Abschlussgespräch mit den Mitarbeitern? Was halten sie von Ihrer Arbeit?
Was ich am meisten an dieser Projektarbeit geschätzt habe, war, dass ich mit den Menschen sprechen konnte, die für mich eine künstlerische Inspiration waren. Es gab zum Beispiel eine Diskussion über den Film „Keine Arbeitsromantik“, den ich über die NWoW@HR gemacht habe. Manche Mitarbeiter waren zum Beispiel überrascht, dass die Abteilung so ruhig wirkte. Während es bei NWoW@HR äußerst viel Aktivität gab, habe ich in meiner Arbeit Bilder aus leeren Meetingräumen, leise Bewegungen gezeigt, und sie mit Zitaten von Mitarbeitern kombiniert. Ich wollte, dass die Zitate sehr sorgfältig in den Räumen schweben, denn nur so kann der Betrachter den Inhalt der Zitate auf sich wirken lassen. Das war für die Angestellten sehr ungewohnt, da es in diesen Räumen normalerweise sehr laut ist.

Wie haben die Mitarbeiter von Helgoland auf Ihre Ergebnisse reagiert?
Ich habe auf Helgoland mehrere Kunstobjekte geschaffen. Die Skulptur „Team (Soll/Ist)“  besteht beispielsweise aus zwei Teilen. Die erste, „Team/Soll“, habe ich aus Original Rohrhaken angefertigt, die die Mitarbeiter normalerweise verwenden, um sich beim Aufstieg am Windrad zu sichern. Drei dieser Rohrhaken habe ich ineinander verkeilt. Das andere Objekt, „Team(Ist)“, ist eine Kopie des Originals aus Glas, handwerklich hergestellt. Ich habe dieses Teil der Skulptur „Offshore“, auf der Transformerstation des Windparks ausgestellt. Zunächst haben die Mitarbeiter nicht so richtig verstanden, warum das Kunstwerk an diesem Ort ausgestellt wurde. Denn es war nur für sie zu sehen, sie hingegen wollten es einem breiteren Publikum zeigen. Diese Arbeit hat die Mitarbeiter des Windparks am meisten fasziniert, weil so viel handwerkliches Können darin steckt. Zugleich ist das Objekt faszinierend schön und abstrakt. Eine weitere Kopie habe ich in der Zentrale der innogy SE in Essen gezeigt – in der Telefonkabine neben der Kantine.

Welches Fazit ziehen Sie aus der Zusammenarbeit?
Mir war es wichtig, dass die Ausstellung nicht irgendwo in einer Galerie oder einem Museum stattfand, da die Besucher*innen das Werk im weißen Ausstellungsraum oft anders wahrnehmen. Hinzu kommt, dass es für mich eine interessante Herausforderung war, meine künstlerischen Arbeiten im Kontext eines Unternehmens auszustellen. Die Räume sind viel komplexer, und es gibt sehr viele Einschränkungen. Durch dieses Projekt konnte ich meine Werke den Menschen zeigen, an die ich sie adressiert habe. Das ist eine unglaubliche Sache.

Außerdem war es spannend nach zehn Jahren wieder in ein Unternehmen  zu gehen und mit den Mitarbeitern den Alltag zu erleben. Für mich war die Möglichkeit in diese Welt als Künstlerin einzutauchen, und nicht als Mitarbeiterin, eine unglaubliche Erfahrung. Das war für mich sozusagen ein Wendepunkt – so schließt sich der Kreis.

 

 

Header:

Foto Credits: Roland Baege

Ausstellungsbilder:

Foto Credits: Hannes Woidisch

 


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Kategorien: Allgemein und Kultur
Schlagwörter: Artist-in-Residence-Programm, innogy SE, und Kunst


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