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10. Dezember 2019

Think Lab: Ideenschmiede für die Energiewende

Das Think Lab 2.0 – Transformation gestalten, eine gemeinsame Initiative der innogy Stiftung und der Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw), ist ein Erfolgsprojekt. Während aus einigen früher geförderten Konzepten etablierte Vereine und durchschlagende Bestseller wurden, sucht Projektleiter Jörg Hülshörster bereits nach den nächsten großen Ideen für die Energiewende – diesmal jedoch via Hackathon. Was es damit auf sich hat und warum das Format so gut bei den Teilnehmern ankommt, erzählt er im Interview.

Hackathons finden heute in allen möglichen Formen statt – aber wofür steht der Begriff eigentlich genau?
Jörg Hülshörster: Ursprünglich stammt der Begriff aus der Programmierer-Szene. In einem vorgegeben Veranstaltungszeitraum, meist ein bis drei Tage, entwickeln verschiedene Teams nützliche, kreative oder unterhaltsame Softwareprodukte – oder allgemein gesprochen: Sie suchen nach Lösungen für bestimmte Probleme. Dabei kommt es vor allem auf Zusammenarbeit und Flexibilität an. Bei unserem Hackathon hatten die Teams die Aufgabe, Lösungsansätze für die Umsetzung der Energiewende zu entwickeln.

Und das funktioniert?
Sehr gut, dabei kannten unsere Teilnehmenden sich größtenteils nicht, bevor sie zum Hackathon kamen. Trotzdem haben sie sich schnell in unterschiedliche Gruppen von drei bis neun Leuten zusammengefunden und ihre Ideen ausgetauscht – je nach Interessen. Von Freitag bis Sonntag haben sie ihre Projektvorschläge gemeinsam ausgearbeitet und anschließend präsentiert. Ich war wirklich erstaunt, wie weit manche Ideen bereits in dieser kurzen Zeit gereift waren.

Think Lab-Alumni als Experten für den Projekt-Nachwuchs

Dann war das Hackathon-Format ein Erfolg?
Es hat meine Erwartungen übertroffen. Wir waren zunächst noch skeptisch, da wir den Hackathon ja zum ersten Mal veranstaltet haben. Neben den Teams waren vier Coaches sowie vier Experten dabei, je einer für Klimawandel, E-Mobilität, Bildung und Ethik. Besonders gefreut hat uns, dass die Rollen der Experten von vier Think Lab-Alumni übernommen wurden. 

Das sind also Leute, die hier schon länger eine Rolle spielen?
Ja, zum Beispiel war Christian Serrer als Experte für Klimawandel dabei. Er hat gemeinsam mit David Nelles den Bestseller „Kleine Gase – große Wirkung“ geschrieben. Serrer erzählte beim Hackathon, dass das Buch, dessen Umsetzung durch das Think Lab gefördert wurde, in Deutschland inzwischen zu den meistverkauften Titeln zum Thema Klimawandel gehöre. Neben dem Studium ist er erfolgreich als Redner zum Thema Klimawandel unterwegs. Er hat den Teilnehmern wertvolle Impulse gegeben und seine Erfahrungen aus dem Alltag mit ihnen geteilt. Ein weiterer Alumnus, der als Experte fungierte, arbeitet inzwischen bei EnBW im Bereich Elektromobilität, eine andere ist Lehrerin. Sie konnte vor allem bei den Bildungsprojekten hilfreichen Input aus ihrer Perspektive als Unterrichtende liefern. Der Vierte im Bunde ist Philosoph. Das rundete die Mischung perfekt ab, denn er hat viele kluge Fragen gestellt, wodurch die Teams ihre Konzepte aus einer anderen Perspektive betrachten konnten und überdenken mussten. 

Wie kam das neue Konzept bei den Teilnehmenden an?
Das Feedback war sehr gut. Die Gruppen haben sehr offen, wertschätzend und zugleich konzentriert an ihren Themen gearbeitet. Abends musste man sie quasi aus den Gruppenräumen schleifen! Die hätten sonst noch die ganze Nacht weiter gemacht, so vertieft waren sie in ihre Themen. Wir hatten eine tolle Bandbreite an Teilnehmern von Abiturienten über Studierende bis hin zu zwei Startup-Gründern Anfang 40 – trotz der Altersunterschiede haben alle großartig zusammengearbeitet.

Im Januar fällt die Entscheidung

Welche Themen haben die jungen Leute dieses Jahr beschäftigt?
Sie haben ein weites Spektrum abgedeckt – da gab es Projekte zu Bildung, Regionalentwicklung oder Konzepte für neue Apps. Eine Gruppe Abiturienten hat an einer Idee gearbeitet, wie das Thema Nachhaltigkeit in den Lehrplänen der Schulen Gehör findet. Ihnen selbst kam das in ihrer Schulzeit deutlich zu kurz, in vielen Fächern und Unterrichtseinheiten tauchte es gar nicht erst auf. Deshalb wollen sie es jetzt für nachkommende Klassen besser machen.

Werden alle beim Hackathon vorgestellten Projekte vom Think Lab gefördert?
Die einzelnen Teams sollen bis 11. Dezember eine dreiseitige Projektskizze ausarbeiten. Diese wird von uns bewertet; eine Auswahl von sechs bis sieben Projekten erhält dann eine Förderung durch das Think Lab. Welche das sein werden, teilen wir den Teams im Januar mit. Bei einigen der Projekte bietet sich an, sie mit anderen ehemaligen geförderten Teams in Verbindung zu bringen. So können sie voneinander profitieren und sich vernetzen. Eine Gruppe des Hackathons überlegt zum Beispiel Kleinkraftwindanlagen in Kamerun zu bauen – das erinnert an eines unserer ersten Think Lab-Projekte von Jörn Schaube. Aus seiner Idee, Photovoltaikanlagen in Kenia, Benin und Tansania zu bauen, ist inzwischen der Verein Brücken bauen mit der Sonne e.V. hervorgegangen. Ein großartiges Vorbild! 

Nachdem der Hackathon nun Premiere hatte: Wie lautet das abschließende Feedback der Teilnehmer?
Das war durchweg positiv. Die Teilnehmenden waren begeistert, dass sie so schnell mit Menschen zusammenkommen, die ähnliche Interessen teilen und Ziele verfolgen – und dann gemeinsam das Konzept für eine ganz neue Idee entwickeln, das war für alle eine tolle persönliche Erfahrung! Mich hat es sehr gerührt, als eine Teilnehmerin aufstand und meinte: Ich habe in den zweieinhalb Tagen so viel über mich selbst gelernt und hätte nie gedacht, dass man in so kurzer Zeit so viel auf die Beine stellen kann.

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Kategorien: Bildung und Soziale Innovation
Schlagwörter: Stiftung der Deutschen Wirtschaft und Think Lab


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