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5. Dezember 2019

Hoffnungsschimmer der Clubkultur

Ein zum Mythos gewordenes Gerücht wird nach jahrelangem Warten in die Realität umgesetzt – der „Tresor.West“ findet Einzug in Dortmund-Hörde. Bevor der Club seine offizielle Eröffnung feiert, gab das Konferenzteam Musik und Maschine (MUMA) um Schirmherr Dimitri Hegemann der hiesigen Szene einen Ausblick auf ihr Anliegen: „Wie steht es um elektronische Musik und Nachtkultur im Ruhrgebiet?“ 

Dass sich dieser vereinfachten Formel viele Fragen anschließen, hat das MUMA am 22. und 23. November 2019 gezeigt. In Panels, Foren, Workshops und Impulsvorträgen verhandelten die geladenen Referenten und Referentinnen diverse Assoziationen: von der Geschichte der Nachtkultur im Ruhrgebiet bis hin zu Themen rund um Verbandsgründung, Mobilität, Vergnügungssteuer und Sperrstunde. Ein zentraler Gedanke der Konferenz: Allianzbildung. 

Vor der Kulisse der imposanten Industrielandschaft führt der Weg des „Tresor.West“ durch die Dunkelheit hinein in eine eigene Welt, die Abgeschiedenheit, Exzess und Extraversion verspricht und ermöglicht. Techno dröhnt und durchdringt jedes Material, setzt immer auch ein großes Feingefühl bei der Ortswahl voraus. Gerade deshalb sieht der Künstler und ehemalige VISIT-Stipendiat Lucas Buschfeld in Techno das einzig wahre Gesamtkunstwerk. 

Lichtsäulen bahnen sich ihren Weg durch den Raum

Gelungener hätte diese Verbindung kaum ausfallen können. Denn im Rahmen der MUMA-Konferenz wurde auch seine neue Lichtkunstarbeit „Tubes“ im Club „Tresor.West“ in Dortmund eröffnet. Buschfeld empfindet das Genre Techno als eine Architektur. Es ist die Art, wie diese Musik entwickelt und produziert wird: Alles ist in Bewegung, zum Samplen und Weiterentwickeln konzipiert. Mit der Unterstützung der innogy Stiftung für Energie und Gesellschaft entstand in den flankierenden Alkoven der Clubgänge ein Raum für die lichtkünstlerischen Experimente Buschfelds. Der Zugang zu den Alkoven ist durch dicke Gitterstäbe verwehrt. Diese Situation greift der gebürtige Kölner auf und übersetzt sie in das Medium Licht. Der Raum erfährt eine neue Strukturierung durch Säulen aus Laser-Licht, die sich durch die Reflektionen im Nebel verflüchtigen, verschiedenfarbig erscheinen und gleichzeitig sowohl sichtbar als auch unsichtbar sind – bedingt durch die Perspektive. Entgegen der natürlichen Eigenschaften von Licht streuen diese Säulen nicht, sondern bahnen sich ihren Weg gebündelt durch den Raum. Noch am Eröffnungstag sinniert Lucas Buschfeld darüber, mit der Produktion in Serie zu gehen, denn diese Lichtsäulen ermöglichen eine vollkommen neue Weise, Räume zu teilen, zu ordnen und zu strukturieren. Ebenso wie Musik ist auch Licht ein Balance-Akt zwischen immaterieller Substanz und flüchtiger Erscheinung, individuell wahrgenommen. 

Abzuwarten bleibt nun, welche Folgen die Aktivitäten der MUMA-Konferenz auslösen werden und ob sich mit dem „Tresor.West“ möglicherweise ein fester „Allianzpartner“ etabliert, der langfristig Experimente wie diese ermöglicht – und einen Ort entstehen lässt, der wagt und davon nur gewinnen kann. Kurzum: eine Umgebung entstehen lässt, in der die Grenzen zwischen Hoch- und Subkultur verschwimmen. 

Ein Gastbeitrag von Marcus Boxler. Offiziell eröffnet der Club übrigens am 20. Dezember 2019. 

Foto Credit Installation: Lucas Buschfeld
Foto Credit MuMa Logo: Musik und Maschine (MUMA)

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Kategorien: Kultur


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