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Beitrag: Emotional AI – wie durch Kunst und Technik unsere Emotionen sichtbar werden

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22. Oktober 2019

Emotional AI – wie durch Kunst und Technik unsere Emotionen sichtbar werden

Was unterscheidet Menschen von Maschinen? Zweifellos das Empfinden von Emotionen. Wie Kunst und Technik dies abbilden können, zeigt die Künstlerin Claudia Robles-Angel vom 26.10. bis 14.11. in der Kunst-Station Sankt Peter. In ihrer performativen Installation „REFLEXION – In Sync / Out of Sync-“, die von der innogy Stiftung gefördert wird, steht die Interaktion zwischen zwei Besuchern im Fokus. Wie das Ich und der/die Andere miteinander sowie dem Raum und den Algorithmen in Beziehungen stehen, erklärt die Kunstschaffende im Interview.

Frau Robles-Angel, Künstliche Intelligenz, kurz KI, gewinnt zunehmend an Bedeutung – nicht nur in der Technik, sondern auch in der Kunst. Inzwischen malen Algorithmen sogar schon Gemälde. Wie stehen Sie zur Rolle von KI in der Kunst?

Claudia Robles-Angel: In meiner Kunst arbeite ich mit Algorithmen und Computern, aber noch nicht mit künstlicher Intelligenz. Mich interessiert eher die affektive Computertechnologie, auch Emotional AI genannt – das ist ein Unterbereich der künstlichen Intelligenz. Die zentralen Fragen sind hier: Wie können wir einem Computer menschliche Emotionen beibringen und wie kann er damit interagieren?  

Warum arbeiten Sie mit audiovisueller Kunst? Was ist für Sie das Besondere an dieser Kunstform?

Das Reizvolle ist die Verbindung zwischen visuellen und akustischen Reizen. Ich komme ursprünglich aus der Bildenden Kunst und habe zusätzlich elektronische Musik studiert. Audiovisuelle Kunst verbindet diese beiden Kunstrichtungen und ermöglicht die Interaktion. Wenn wir etwas wahrnehmen, sind Hören und Sehen elementar. Audiovisuelle Kunst zeigt das besonders gut. Ich würde aber auch gerne noch mehr Sinne ansprechen und mit ihnen arbeiten. 

In drei Sätzen: Was ist das zentrale Anliegen Ihrer künstlerischen Arbeit?

Viele Prozesse in uns laufen subtil ab; wir nehmen beispielsweise unseren Herzschlag nicht wahr, aber auch viele Geräusche und Bilder sind uns nicht bewusst. Meine Kunst spielt mit solchen Momenten. 

Wie ist das Werk „REFLEXION – In Sync / Out of Sync-“ entstanden?

Ich habe mich in den letzten 10 Jahren mit der Messung von emotionalen Zuständen beschäftigt und in meiner letzten Arbeit dazu eine künstlerische Forschung unternommen, die sich mit der folgenden Frage beschäftigt: Wie beeinflusst das Publikum die Emotionen des Performers? 

Und was ist die Antwort? 

In meiner Installation agieren jeweils zwei Performer gleichzeitig – und damit interagieren sie sowohl miteinander, als auch mit der Umgebung. Ich beobachte die Interaktion zwischen zwei Personen regelmäßig in verschiedenen Konstellationen. Wie nehmen wir uns selbst wahr? Und wie nehmen wir den anderen wahr? Wie reagieren die Herzschläge von zwei Menschen aufeinander? Und wie entsteht daraus Empathie?

Künstlerin Claudia Robles-Angel, Foto Credits: Javier A. Garavaglia

 

Wie stellen Sie den Zusammenhang zwischen Licht, Klang, Architektur und menschlichen Emotionen in Ihrem Werk her? 

 Die Performance findet in einer Kirche statt und ist so auf den Raum abgestimmt, dass Akustik, Licht und Umgebung in ganz bestimmter Weise aufeinander wirken. Ich habe Algorithmen programmiert, die die Klang- und Lichtsituation im Raum bestimmen. Mit einem Pulssensor messe ich die intrinsischen Regungen der interagierenden Performer, beziehungsweise der Besucher. Die Algorithmen reagieren auf letztere und übersetzen sie in Klang und Licht, also in eine audiovisuelle Form. Somit spiegeln sie die inneren körperlichen Zustände der Beteiligten in einer audiovisuellen Weise wieder. Dabei beeinflusst letztere wiederum die Teilnehmer und ihre Reaktionen. 

Welche Erfahrungen haben Sie mit solchen interaktiven Projekten, speziell im Hinblick auf Reaktionen beim Publikum?

Ich arbeite bereits seit vielen Jahren in interaktiven audiovisuellen Settings mit biomedizinischen Signalen. Seit 2018 beschäftige ich mich mit der Interaktion zwischen Publikum und Performer. Dabei ist eine neue Installation entstanden, bei der die Teilnehmer den gegenseitigen Output beeinflussen können. Mein neues Projekt beschäftigt sich auch intensiv damit. Neu ist dieses Mal, dass auch zwei Menschen aus dem Publikum aktiv korrellieren können. Mir geht es vor allem darum, was diese beiden live miteinander erleben: Wie entsteht Empathie? Wie nehme ich mich selbst sowie den anderen wahr? Und wie beeinflusse ich mein Gegenüber?

 Sie suchen auch nach neuen Lösungen für die Nutzung von Energie im menschlichen Körper. Was erwarten Sie sich davon?

Ich würde gerne die Energie im menschlichen Körper, wie z.B aus dem Blutkreislauf nutzen, um zum Beispiel mobile, technische Geräte anzutreiben. Bei zahlreichen Recherchen habe ich herausgefunden, dass diese Energie zu niedrig ist, um eine Batterie aufzuladen. Es gibt zwar schon Experimente für die Nutzung von kinetischer Energie im Körper oder von Körperwärme, allerdings befinden wir uns hier noch in der Testphase. Dass hier bereits intensiv geforscht wird,  bestätigt jedoch meine feste Überzeugung, dass es künftig möglich sein wird, unsere körpereigene Energie irgendwann in solcher Weise zu nutzen. Diese nachhaltige Energie (Clean Energy) wäre natürlich auch aus ökologischem Blickwinkel sehr vorteilhaft.

 Welche Rolle wird KI künftig in der Kunst spielen? Werden Künstler vielleicht irgendwann überflüssig, wenn Algorithmen diese Arbeit übernehmen?

Ich glaube, Kunstschaffende werden nie überflüssig sein. Für mich ist KI eher ein Tool, das ich als Künstlerin nutzen kann. Wir können Computer mit Informationen füttern und sie können danach selbst Entscheidungen treffen. Aber mir geht es vielmehr darum, dass hinter digitaler Kunst ein Künstler steckt, der der Maschine das Ausgangskonzept beibringt.

 

REFLEXION – In Sync / Out of Sync-

26.10.2019: Vernissage mit Performance, 17 Uhr

27.10.2019: Einführung, 14:15 Uhr

Laufende Ausstellung bis zum 14.11.2019, mittwochs bis sonntags von 15 bis 18 Uhr

Kunst-Station Sankt Peter 

Jabachstr. 1

50676 Köln

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Foto Credits:

Claudia Robles-Angel

 

 

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Kategorien: Allgemein, Bildung, Kultur, und Soziale Innovation
Schlagwörter: Emotional AI, Kunst, Multimediale Kunst, und Technik


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