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13. September 2019

„Beim Klimaschutz müssen wir jetzt handeln, statt weiter auf Innovationen zu warten“

Interview mit Stephan Muschick vor der Ruhrtriennale 2019 und dem Klimaschutz-Panel „There is no Planet B“

Die „Fridays for Future“-Bewegung gibt es seit mehr als einem Jahr – überall wird über Nachhaltigkeit und Erderwärmung diskutiert, doch die Klimaziele für 2020 erreichen wir wohl trotzdem nicht. Um die vielleicht größte Herausforderung der Weltgesellschaft geht es auch auf der Ruhrtriennale im „Third Space“. Am 15. September moderiert Stephan Muschick im von uns geförderten „Salon für Klima und Gerechtigkeit“ die Diskussion mit dem Titel „There is no Planet B“. Zuvor haben wir mit Stephan Muschick die alles entscheidende Frage diskutiert: Wie können wir das Ruder noch rumreißen?

Herr Muschick, was müssen wir als Gesellschaft tun, um unseren Planeten noch zu retten?
MUSCHICK: Zunächst müssen wir die Frage klären: Wir als Gesellschaft – wer ist das? Das ist jeder und jede Einzelne. Und da gibt es unendlich viele Möglichkeiten, etwas zu tun. Das fängt beim Stromverbrauch an, geht über das persönliche Mobilität und endet bei der Ernährung. Allerdings sollte auch der Staat die richtigen Rahmenbedingungen setzen.

An was denken Sie dabei?
Eine wirkungsvolle Bepreisung von klimaschädlichen Emissionen mit Lenkungswirkung muss zum Beispiel schnell her, da sind sich alle einig. Aber wir brauchen noch viel mehr: weitere Investitionen, mehr Verständigung auf europäischer Ebene und darüber hinaus – vielleicht auch neue Gesetze. Wichtig ist, dass sich die Menschen angesprochen fühlen und zum Mitmachen animiert werden.

Stephan Muschick ist Geschäftsführer der innogy Stiftung für Energie und Gesellschaft

Greta Thunberg gilt als „Galionsfigur der Klimaschutzbewegung“, was können wir von ihr lernen? Und warum brauchte es ein junges Mädchen, um die Menschheit für das Thema zu sensibilisieren, wenn doch Wissenschaftler schon seit Jahrzehnten auf das Problem hinweisen und Alarm schlagen?
Offenbar haben Wissenschaft und Politik es nicht geschafft, in ihren Systemen und auf ihren Kanälen einen ausreichenden Handlungsdruck erzeugen – gerade mit Blick auf die künftigen Generationen. Hier Alarm zu schlagen, ist ein großer Verdienst der „Fridays for Future“-Bewegung. Das Thema Klimaschutz steht nun dort, wo es stehen muss, nämlich ganz oben auf der Agenda. Nun gilt es zu handeln.

Olaf Scholz hat diese Woche den Haushalt 2020 vorgestellt und kommt auf eine schwarze Null – das Klimaschutzgesetz ist dabei aber nicht eingeplant. Das soll aus einem extra Förderfonds finanziert werden, dessen Summe ist allerdings viel zu niedrig für die geplanten Ausgaben von 30 Milliarden Euro. Können wir uns den Klimaschutz überhaupt leisten?
Ich möchte da die Bundeskanzlerin aus ihre Rede am vergangenen Mittwoch (Anmerk. d. Red.: Rede von Mittwoch, 11. September 2019) zitieren: „Klimaschutz kostet, aber Nicht-Handeln kostet noch viel mehr.“ Jetzt geht es um die besten und effizientesten Lösungen – finanziell, technologisch und gesellschaftlich. Aus meiner Sicht ist Klimaschutz eine große Chance, um die Gesellschaft in eine positive Richtung weiter zu entwickeln.

Wenn schon internationale Politik und große NGOs scheitern – wer kann uns hier noch helfen? Stiftungen?
Naja, wir sollten die Rolle von Stiftungen nicht überbewerten. Aber sie sind schon ein wichtiger, dem Gemeinwohl verpflichteter Akteur. Stiftungen können unterschiedliche Meinungen zusammenführen, Brücken bauen – und sie können an Lösungen arbeiten, die nicht nur die Technik, sondern auch die Menschen im Blick haben.

„Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, etwas zu tun – für jede und jeden von uns”

Warum ist die Ruhrtriennale ein guter Ort, um diese Diskussion zu führen?
Die Programmatik der Ruhrtriennale, „Zwischenzeit“, beschreibt die derzeitige Lage sehr gut. Wir müssen uns von altem Denken verabschieden, aber das Neue nimmt erst langsam Gestalt an. Vor diesem Hintergrund ist der „Third Space“, das diesjährige Festivalzentrum, ein wunderbarer Ort, um einander zuzuhören und Themen jenseits der üblichen Schemata zu diskutieren.

Was glauben Sie, reißen wir das Ruder noch rechtzeitig rum?
Die Zeit drängt, so viel ist klar. Aber die Menschheit ist nicht nur eine anpassungsfähige, sondern auch eine erfinderische Spezies. Dazu dürfen wir aber nicht auf Innovationen warten. Wenn wir umsetzen, was heute schon möglich ist, ist schon eine Menge gewonnen.

Ein Blick nach vorne: Welche Klimaschutz-Diskussion würden Sie gerne auf der Ruhrtriennale 2029 führen?
Ich bin sicher: Wir werden auch 2029 über Klimaschutz diskutieren. Über was genau, weiß ich nicht. Wichtig wäre mir aber, dass wir sagen können: Die Ziele, die wir uns für 2030 gesteckt haben, sind erreicht. Dann geht es weiter. Ein Verfehlen der Klimaschutzziele, wie das für 2020 der Fall sein wird, darf nicht noch einmal vorkommen.

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Kategorien: Bildung und Soziale Innovation
Schlagwörter: Klimaschutz, Stephan Muschick, und zukunft


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