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10. Juli 2019

Volle Energie? Aber mit Verantwortung! – Interview mit Open Source Congress-Speaker Stephan Muschick

Förderung von Bildung und Kultur? Aber nachhaltig! Innovationen? Gerne, aber dann vom Menschen her gedacht! Stephan Muschick, Geschäftsführer der innogy Stiftung, ist überzeugt, dass wir die Zukunft nicht allein den enormen Möglichkeiten der Technik und Daten überlassen sollten. Was wir brauchen, meint er, ist ein Dialog darüber, was unser Menschsein ausmacht, und soziale Innovationen, um Technik und Daten für unser Leben zu nutzen. Als Panel-Speaker beim diesjährigen Open Source Congress bringt er am Freitag, 12.07. um 13 Uhr, die Stiftungsperspektive auf das Festival-Podium. Im Interview spricht er unter anderem über sein Bestreben, das gesamtgesellschaftliche Verständnis für Innovationsthemen zu erhöhen und dazu beizutragen, das Energieversorgungssystem der Zukunft nachhaltig zu gestalten.

Herr Muschick, Ihr Statement zum Open Source Congress läuft darauf hinaus, dass wir neue Wege finden müssen, Technik, Daten & Innovation für unsere soziale Gesellschaft und den Menschen zu nutzen. Geht der Trend derzeit in eine andere Richtung – und bleibt die gesellschaftliche Relevanz dabei auf der Strecke?

STEPHAN MUSCHICK: Ich glaube, es gibt eine große Lücke zwischen dem, was im Hinblick auf die Energiewende und Mobilität technologisch möglich ist, und dem, was die Menschen am Ende des Tages tatsächlich nutzen. Es gibt natürlich immer technikaffine Vorreiter und Communities. Wir müssen aber auch die Frage beantworten, wie neue Technologien zu einem besseren Leben für den Großteil der Gesellschaft beitragen können.
Wenn wir beispielsweise an Elektromobilität denken, hängt die Nutzung noch immer maßgeblich von den finanziellen Ressourcen des Einzelnen ab. Wie wir das Thema aber in die Großstädte oder raus aufs Land bringen können – zum Beispiel mit einem vernünftigen, öffentlichen Verkehrsnetz – ist noch offen. Darüber nachzudenken und herauszufinden, welche Technologien bei der Bevölkerung Anklang finden, ist dabei vielleicht der wichtigste Schritt. 

„Bei der Elektromobilität hängt die Nutzung noch immer maßgeblich von den finanziellen Ressourcen des Einzelnen ab“

Sehen wir denn heute schon einen wünschenswerten Prozess im Umschulen von Arbeitnehmern in Bereichen, die künftig voll technologisiert sind? Oder sind wir im Inbegriff immer mehr Menschen abzuhängen? 

In vielen Bereichen, von der Produktion bis zu Querschnittsfunktionen, machen digitale Technologien tendenziell menschliche Routinetätigkeiten überflüssig. Ich glaube auch, dass man nichts gegen diesen Trend ausrichten kann. Schließlich rationalisieren Unternehmen wo sie nur können, um ihre Effizienz zu steigern. Umso wichtiger sind heute kreative Prozesse, Möglichkeiten kreativer Wertschöpfung und wie wir sie durch unser Bildungssystem fördern können – mit dem Ziel, wirklich komplexe Herausforderungen in der Arbeitswelt und Gesellschaft zu bewältigen. Digitalen Technologien in Bereichen wie HR und Rechnungswesen hinterherzuhecheln, ist der falsche Weg – denn da würden wir verlieren. Stattdessen sollten wir definieren, wo wir den Menschen brauchen und ihn für höhere Aufgaben qualifizieren.

Können Sie sich Patentlösungen vorstellen, die nicht nur Digital Natives, sondern auch ältere Generationen mitgehen können? Und wie schaffen wir eine nachhaltige Vernetzung von Generationen und Gesellschaft? 

Nein, Patentlösungen gibt es aus meiner Sicht nicht. Digitale Technologien nicht nur zur Selbstoptimierung einzusetzen, sondern auch zur Stärkung von Communities, ist aber ein ganz wichtiger Punkt. Man sollte hier kreativ werden und überlegen, wie sich ein Quartier oder ein Wohnblock technologisch aufrüsten lässt – zum Beispiel, um die Interaktion zwischen den Menschen zu fördern.
In diesem Kontext beschäftigt mich auch das Thema Virtual Reality. Bislang wird sie fast ausschließlich isoliert genutzt. Soll heißen, der Mensch bewegt sich allein durch die virtuelle Welt. Dabei wäre es doch spannend zu sehen, wie man damit auch Communities vernetzen kann. Ich glaube, gerade in den Bereichen Energie, Digitalität und Wohnen gibt es dafür großartige Möglichkeiten, die sowohl junge als auch ältere Menschen einbeziehen. 

Sollte die Digitalisierung demnach nicht nur als Technologie-, sondern auch als Kulturwandel verstanden werden? 

Absolut. Aber eben auch als Instrument, um die verschiedenen Teile der Gesellschaft zusammenzuführen. Zum Beispiel beim Thema Energiewende und Smart Home: Hier wird es erst richtig spannend, wenn wir nicht mehr nur an den einzelnen Haushalt denken, sondern Straßenzüge, Neubaugebiete oder ganze Städte vernetzen. Dabei geht es dann auch nicht mehr nur um die Optimierung des Energieverbrauchs, sondern auch darum, wie wir Daten zum Wohl der Community bewirtschaften und teilen können. Natürlich muss sich für ein solches Szenario noch viel beim Thema Datenschutz tun. Und es muss viel Vertrauen aufgebaut werden, denn nur so verliert der Einzelne die Furcht davor zum gläsernen Bürger zu werden.  

„Es wird erst richtig spannend, wenn wir nicht mehr nur an einzelne Haushalte denken, sondern ganze Städte vernetzen“

Welchen Beitrag können und sollen hier Stiftungen leisten?  

Ich glaube, Stiftungen können ganz einfach Vertrauen schaffen und neue Konzepte in Reallaboren erproben. Deswegen besteht unsere Verantwortung auch darin, Transparenz zu schaffen und glaubhaft zu vermitteln, dass unser Handeln in erster Linie dem Gemeinwohl dienen soll. Dazu gehört natürlich auch, dass die Ergebnisse solcher Experimente nicht nur dem Unternehmen, sondern auch der Gesellschaft zur Verfügung stehen. Ein solches Vorgehen praktizieren wir inzwischen schon bei einigen Projekten, wie dem Mobilitätsprojekt auf Zeche Zollverein, bei denen wir zum Teil auch mit anderen Stiftungen kooperieren. 

Sie waren vergangenes Jahr bereits Speaker auf dem Open Source Festival Congress. Welche Erfahrungen haben Sie mitgenommen?

Neben dem wirklich fantastischen Setting am Grafenberger Wald und der integrierten Pferderennbahn, fasziniert mich diese ungewöhnliche Verbindung aus Popkultur und dem Diskurs über gesellschaftlich relevante Themen. Ähnliche Konzepte gibt es bereits in Amerika, dort besetzt beispielsweise das SXSW Festival diese Nische. Ich bin froh, dass das Open Source diese Idee nach Deutschland geholt hat. Allein schon, weil sich mithilfe solcher Panels völlig neue Zielgruppen miteinander ins Gespräch bringen lassen. 

„Beim OSF Congress fasziniert mich diese ungewöhnliche Verbindung aus Popkultur und dem Diskurs über gesellschaftlich relevante Themen“

Was erwarten Sie sich von den Panels beim diesjährigen Festival Kongress?

Ich bin vor allem auf Lösungen von Leuten gespannt, die überwiegend im Designbereich tätig sind. Dabei interessiert mich auch, mit welcher Haltung sie an unser Kernthema herangehen. Denn davon kann man sicher einiges lernen. Ich bin auf jeden Fall sehr neugierig. 

 

Anmerkung der Redaktion: Das Panel-Foto im Titel zeigt die Speaker bei der Open Source festival Kongress- Premiere im Jahr 2018. Neugierig geworden? Hier gehts zum Recap-Beitrag!

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Kategorien: Allgemein
Schlagwörter: congress, Energie, festival, Innovation, kongress, open source, panel, partizipation, speaker, Stephan Muschick, und transformation


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