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Beitrag: Die Energiewende voranbringen – Teil 8: „Wir müssen uns als Weltgemeinschaft einer nachhaltigen Zukunft verschreiben“

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11. Juni 2019

Die Energiewende voranbringen – Teil 8: „Wir müssen uns als Weltgemeinschaft einer nachhaltigen Zukunft verschreiben“

Die Initiative „Think Lab: Energie – Gesellschaft – Wandel“, die wir gemeinsam mit der Stiftung der Deutschen Wirtschaft fördern, neigt sich dem Ende zu. Acht Teams arbeiten seit Sommer 2018 in gemeinnützigen Projekten daran, die Energiewende umzusetzen. Das tun sie vor Ort, denn hier fängt der Wandel an. In unserer Interviewserie stellen wir Ihnen nun das letzte Projekt vor, das das Think Lab in seiner dritten Runde unterstützt.

Niklas Mey hat mit seiner Stipendiatengruppe im Rahmen eines Think Lab-Projekts 2016 das Planspiel „Final Insulation“ ersonnen. Die Teilnehmer werden dabei auf vier fiktive Inseln aufgeteilt, die sie mit einer neuen Energiewende-Strategie vor dem Untergang bewahren sollen. Die Studenten schlüpfen dabei in die Rolle unterschiedlicher Interessensgruppen, wie Unternehmer, Politiker, Verbraucher und Aufrührer.

Das Projekt ging nun in eine neue Runde – mit deutlich mehr Tiefgang und einer neuen Zielgruppe. Im Interview erklärt Niklas Mey, warum er heute nicht mehr so idealistisch denkt wie früher und trotzdem an eine weltweite Vision für die Energiewende glaubt.

Herr Mey, Sie waren mit dem Projekt schon einmal beim Think Lab. Warum haben Sie sich mit Ihrer Gruppe noch einmal beworben?

Niklas Mey: Wir wollten den nächsten Schritt gehen. Nämlich noch mehr Menschen ansprechen, das Spiel inhaltlich vertiefen sowie strukturell abrunden und die Spielleitung erleichtern. Das dient dem Zweck, das Planspiel häufiger durchzuführen und auch langfristig am Leben zu erhalten. So denken wir auch über neue Zielgruppen nach, wie etwa Schüler.

Wo könnte man es an Schulen einbinden?

Da das Thema fachübergreifend ist, eignen sich dafür vor allem Projektwochen. Die Schüler könnten sich eine Woche lang intensiv damit auseinandersetzen, die Durchführung vor- und nachbereiten und am Ende fundierte Schlüsse daraus ziehen. Eine andere Möglichkeit wäre, das Planspiel über ein halbes Schuljahr zu strecken und mit den Schülern immer wieder daran zu arbeiten. Wir haben da viele Ideen.

Haben Sie das Planspiel schon an Schulen einbinden können?

Obwohl wir die Schüler enger ins Visier nehmen wollten, hat es uns dieses Jahr doch nochmal in eine andere Richtung verschlagen. Gemeinsam mit der Autostadt Wolfsburg, mit der wir bereits 2016 zusammengearbeitet haben, haben wir uns zwar über innovative Lernformen mit Schülern und Lehrern ausgetauscht, aber das Highlight war die Durchführung des Planspiels mit einigen Mitarbeitern der Autostadt. Für sie war es eine interne Weiterbildung und für uns eine tolle Möglichkeit zum Netzwerken. Das hat uns Erfahrungen mit einer ganz neuen Zielgruppe ermöglicht. Mitte Mai haben wir zudem wieder ein Planspiel mit Studenten durchgeführt, diesmal in Braunschweig. Mit ihnen haben wir unsere überarbeiteten Inhalte und Designs getestet.

Dann lassen Sie uns doch einen Blick auf die Zielgruppen Studenten und Berufstätige werfen: Wie sind die Rückmeldungen der Teilnehmer?

Sehr positiv. Vor allem von den Möglichkeiten, wie man wirklich nachhaltiger leben kann, sind viele begeistert. Und sie stellen fest, dass es nicht ausreicht, sich nur auf das Thema Energie zu konzentrieren. Wir müssen die Energiewende ganzheitlich betrachten und uns fragen: Wie bewegen wir uns fort? Wie konsumieren, bauen, wohnen und leben wir? Folglich sprechen wir auch immer von einer Nachhaltigkeitswende und nicht von einer Energiewende. Dieser Unterschied ist uns sehr wichtig.

Think Lab Projekt
In Gruppen erarbeiten Studenten ihre jeweiligen Standpunkte. (Foto: Manuel Schwonberg)


Können Sie durch das Spiel ein radikales Umdenken erreichen?

Ja, denn die Teilnehmer machen sich eben bewusst, welche konkreten Möglichkeiten es gibt. Sie stellen gemeinsam fest, wo Probleme und Engpässe liegen und warum wir etwas gegen den Klimawandel und die Ressourcenverschwendung unternehmen müssen. Sie diskutieren zentrale Fragen: Welche technischen, gesellschaftlichen oder kulturellen Möglichkeiten stehen uns dafür zur Verfügung? Welche Rollen spielen die verschiedenen gesellschaftlichen Akteure und Interessengruppen? Und: In welchen Abhängigkeiten stehen diese Möglichkeiten zueinander? Die Antworten auf diese Fragen, die die Teilnehmer während des Planspiels selbst herausfinden, verändert ihre Einstellung zur Nachhaltigkeitswende.

Was braucht es, damit die Nachhaltigkeitswende gelingt?

Wir bräuchten als Weltgemeinschaft die Vision einer nachhaltigen, resilienten Zukunft. Ich glaube, dass infolge dessen alle an einem Strang ziehen und etwaige Opfer in Kauf nehmen würden, da wir schlicht keine Alternative zu einem radikalen Wandel haben. Nehmen wir das Beispiel Plastik: Erste Akteure weisen auf das Problem hin, aber weite Teile der Gesellschaft schlafen noch. Es ist deprimierend, dass wir hier dieselben Fehler zu machen scheinen, wie bei den Treibhausgasen. Es fehlen Transparenz, smarte und ambitionierte Ziele seitens der Unternehmen und Institutionen, das systemische, zirkuläre Denken und insbesondere die öffentliche Aufmerksamkeit für die Bedrohung durch Plastik. Deswegen müssen wir umso mehr etwas gegen den fehlenden politischen und unternehmerischen Willen unternehmen.

Dann liegt es also an Politik und Unternehmen die Vision voranzutreiben?

Das ist eine gemeinsame, gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Politik kann einiges bewegen. Sie muss auf Forderungen der Öffentlichkeit reagieren – Stichwort People for Futures. Aber natürlich können Verbraucher und Unternehmer unabhängig davon viel zum Guten verändern. Nehmen wir das aktuelle Beispiel der Mikromobilität: Aktivisten weisen auf die Notwendigkeit neuer Technologien hin, diese werden in Form der E-Bikes und der E-Tretroller entwickelt, durch die Politik kritisch geprüft und schließlich zugelassen. Dann durch Pioniere im Sharing-System angeboten und von den Verbrauchern genutzt. Wenn sich hier alle Akteure der Klimaneutralität verschreiben, dann können sie gemeinsam die Chance nutzen, die Emission auf ein Zwanzigstel gegenüber dem Auto-basierten Individualverkehr zu reduzieren. Wichtig dafür ist aber, dass alle am gesellschaftlichen Diskurs teilnehmen können und, dass das dahinter stehende System optimiert wird. Und nicht nur die Fahrradwege oder die Reichweite der Fahrzeuge.

Das klingt nicht danach, als würde das schnell vonstatten gehen.

Richtig. Vor fünf Jahren, zum Ende meiner Schulzeit, war ich noch wesentlich idealistischer. Aber durch die Entwicklung unseres Planspiels habe ich viel darüber gelernt, wie das Zusammenwirken verschiedener Interessensgruppen funktioniert. Wer welchen Einfluss hat, welche Rolle Technologie spielt und wie viel Zeit Entscheidungsprozesse in Anspruch nehmen. Das Planspiel hilft dabei, einen realistischen Einblick in den Prozess der Nachhaltigkeits- und der Energiewende zu bekommen. Wenn sich alle mit diesem Wissen am Diskurs und der Umsetzung beteiligen, dann können wir die Klimakrise bewältigen.


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Kategorien: Bildung
Schlagwörter: Energiewende, Nachhaltigkeit, und Think Lab


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