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Beitrag: „Europa kann von Albanien viel lernen“ – Erkenntnisse vom European Youth Parliament in Tirana

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23. Mai 2019

„Europa kann von Albanien viel lernen“ – Erkenntnisse vom European Youth Parliament in Tirana

Europa mitdenken und mitgestalten – diesen Anspruch hat sich das European Youth Parliament (EYP) auf die Fahne geschrieben. Als politisch unabhängige, transnationale und gemeinnützige Organisation vereint das Jugendparlament seit seiner Gründung im Jahr 1987 etwa 5.000 Nachwuchs-Macher aus allen Teilen des Kontinents hinter einem gemeinsamen Bestreben: aktive Staatsbürgerschaft und kulturellen Austausch zwischen den Mitgliedstaaten zu fördern. Um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten und Jugendliche verschiedenster Nationen zu vernetzen, finden regelmäßig Auswahlkonferenzen statt, die das nationale Youth Parliament des jeweiligen Gastgeberlands konzipiert, organisiert und veranstaltet.

Jetzt im Mai war die albanische Hauptstadt Tirana erstmals Austragungsort einer nationalen Konferenz. Jugendliche aus ganz Europa widmeten sich sechs Tage lang dem Thema „Young Energy“. EYP Albania-Präsident Realdo Silaj spricht im Interview über den inhaltlichen Fokus, Möglichkeiten der Einflussnahme in der Klimadebatte und darüber, was Albanien und Europa voneinander lernen können.

 

Herr Silaj, was genau ist vom 15. bis zum 21. Mai in Tirana passiert?

REALDO SILAJ: Wir waren 120 Teilnehmer – 80 von ihnen Albaner im Alter von 15 bis 25, der Rest bestand aus Organisatoren und Managern der Veranstaltung, die ebenfalls Mitglieder des EYP-Netzwerks sind und aus 10 verschiedenen europäischen Ländern kommen. Im Rahmen der Konferenz wollten wir jungen Albanern im ganzen Land das EYP und unsere Ideen vorstellen.

Welche Ziele verbinden Sie sich mit dem Thema „Young Energy“?

Mit „Young Energy“ verbinden wir zwei getrennte Ansätze, die wir gemeinsam mit unserem Partner, der innogy Stiftung, auf der Konferenz fokussieren wollten: Erstens impliziert „Young Energy“, dass wir neue und innovative Wege der erneuerbaren Energieerzeugung in Europa – insbesondere in der Europäischen Union – diskutieren. Als Gegenstück dazu lag unser zweiter Schwerpunkt auf jungen Initiativen in Albanien und dem restlichen Europa. Ziel dieser Aufteilung war es, die Komplexität des Themas zu reduzieren und es damit für unsere Teilnehmer gleichzeitig zugänglicher und nachvollziehbarer zu machen. Außerdem haben wir über die Notwendigkeit neuer Ziele und Energien gesprochen. Dazu gehören auch Themen wie Jugendarbeitslosigkeit, politische Partizipation und Unternehmertum in unserem Land.

Wie können Institutionen wie das EYP Einfluss auf die Klima-Debatte nehmen?

Das ist genau die Art von Frage, mit der wir uns konfrontiert sehen, wenn wir die Themen für unsere Debatten festlegen. Und meine ehrliche Antwort darauf wäre: Jeder Innovations- oder langfristige Veränderungsimpuls muss damit beginnen, dass sich die nächste Generation von Entscheidungsträgern einbringt. Und zwar, indem sie sich aktiv mit einem Thema beschäftigt. Letztendlich ist das immer die Hauptaufgabe des EYP. In Bezug auf Ihre Frage und unseren Hauptbeitrag bedeutet das, dass wir unsere jungen Generation dabei unterstützen, zu aktiven Bürgern heranzureifen und sich zu engagieren. Wenn uns das gelingt, haben wir unser wichtigstes Ziel erreicht.

Klimapolitik ist ja derzeit ein heikles Thema in Europa – wir denken nur an die vielen Debatten um Kernkraft. Mit welchen Erwartungen hatten Sie die diesjährige Konferenz vorbereitet?

Im EYP definieren wir vorab immer eine Vision für das, was wir auf einer nationalen Konferenz erreichen wollen. Und unsere Vision 2019 war gleichzeitig der Wunsch, etwas Neues und Innovatives für Albanien zu tun. Ehrlich gesagt ist die albanische Jugend, auch in der Hauptstadt Tirana, im Allgemeinen nicht so sehr in Diskussionen über Energie und Ähnliches eingebunden. Unser Hauptziel für dieses Jahr bestand folgerichtig darin, dieses wichtige Thema allen teilnehmenden Mitgliedern des EYP vorzustellen – insbesondere den neuen.

„Unsere Vision 2019 war gleichzeitig der Wunsch, etwas Neues und Innovatives für Albanien zu tun.“

Natürlich wollten wir auch versuchen, die während der Konferenz entwickelten Ideen an lokale Interessengruppen heranzutragen. Im Idealfall hören sie uns zu und arbeiten auch mit uns zusammen, um einige der Ansätze zu realisieren oder zu finanzieren. Leider ist aber nicht jeder in Albanien daran interessiert, mit Jugendlichen über Energiethemen zu diskutieren. Bislang liegt der albanische Energiesektor außer Reichweite für NGOs und Jugendorganisationen wie die unsere. Trotzdem hoffen wir, dass sich unsere Jugendlichen mit Themen wie Energieerzeugung und Ökostrom beschäftigen, um in Zukunft echte Beiträge leisten zu können.

Welche Themen haben Sie konkret behandelt?

Unsere Arbeit hatten wir in insgesamt acht Ausschüsse gegliedert. Vier von ihnen konzentrierten sich auf Energiefragen wie Smart Grids, klimaneutrale Energieerzeugung und Umweltveränderungen durch fossile Energieträger. In den übrigen vier Ausschüssen ging es um  die Themen Jugendarbeitslosigkeit, Unternehmertum, politische Partizipation und Bildung in neuen Wirtschaftssektoren – natürlich mit Fokus auf Berufe in der Energiewirtschaft.

Was kann Albanien von der Europäischen Klimapolitik lernen – und umgekehrt?

Ich denke, Europa kann von Albanien viel lernen, wenn es um erneuerbare Energien geht – insbesondere bei der Nutzung von Wasserkraft. In Albanien stammen 95 Prozent der erzeugten Energie aus Wasserkraftwerken. Und in den letzten Jahren ist es uns auch gelungen, unsere Umweltbelastung durch die effiziente Nutzung und Verteilung unserer Energieressourcen stetig zu reduzieren.

Andererseits sollte sich auch Albanien ein Beispiel an der Europäischen Union nehmen. Wenn es um die Verteilung von Energie nicht nur auf nationaler, sondern auch lokaler Ebene geht, müssen wir noch viel verbessern, wenn wir unseren CO2-Ausstoß weiter reduzieren wollen.

„In Albanien stammen 95 Prozent der erzeugten Energie aus Wasserkraftwerken.“

Ich denke auch, dass die Energiebildung in anderen Teilen Europas viel besser ist. Ich selbst habe viel über Erneuerbare von meinen ausländischen Kollegen gelernt, die ein deutlich fundierteres Wissen an Schulen oder Universitäten erwerben konnten. Und vor allem sollte sich Albanien an europäischen Standards orientieren, wenn es darum geht, Wasserkraftwerke ressourcenschonend und ohne Beeinträchtigung der Landschaft zu bauen. Denn das ist hier noch immer ein Problem.

 

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Kategorien: Bildung
Schlagwörter: Albanien, Energie, Energiebildung, Energiewende, Europa, European Youth Parliament, EYP, Realdo Silaj, Tirana, und Young Energy


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