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Beitrag: Die Energiewende voranbringen – Teil 7: Nachhaltig leben statt denken

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16. Mai 2019

Die Energiewende voranbringen – Teil 7: Nachhaltig leben statt denken

Die Initiative „Think Lab: Energie – Gesellschaft – Wandel“, die wir gemeinsam mit der Stiftung der Deutschen Wirtschaft fördern, neigt sich dem Ende zu. Acht Teams arbeiten seit Sommer 2018 in gemeinnützigen Projekten daran, die Energiewende umzusetzen. Das tun sie vor Ort, denn hier fängt der Wandel an. In unserer Interviewserie stellen wir Ihnen die Projekte vor, die das Think Lab in seiner dritten Runde unterstützt.

Ein Team, bestehend aus zwei Psychologiestudenten, ruft mit dem „Sustainability Day“ einen Tagesworkshop zum Thema Nachhaltigkeit ins Leben. Die Initiatoren Vincent Beermann und Florian Engel aus Bochum vermitteln in ihren Workshops den Teilnehmern Techniken für einen nachhaltigen Lebensstil – der wiederum zur der jeweiligen Person passt. So stoßen sie eine generelle Diskussion zu dem Thema an. Im Interview erklärt Florian Engel, warum es für viele Menschen so schwierig ist, nachhaltig zu agieren. Und wie er und sein Team das ändern wollen. 

Herr Engel, wie definieren Sie Nachhaltigkeit?

Florian Engel: Unter Nachhaltigkeit verstehe ich eine langfristig anhaltende Wirkung in verschiedenen Dimensionen. Wir arbeiten zum Beispiel am Thema ökologische Nachhaltigkeit. Das bedeutet, die langfristigen Folgen für sein Handeln zu berücksichtigen, sodass die Umwelt nicht darunter leidet.

Wie setzen Sie das um?

Wir planen Nachhaltigkeitstage, sogenannte „Sustainability Days“, bei denen wir Kurse mit dem Schwerpunkt auf Verhaltensänderung anbieten. Wir wollen Wissen und ein Bewusstsein vermitteln, sowie die Voraussetzungen zur Anwendung im Alltag schaffen. Deshalb zeigen wir den Teilnehmenden auch Techniken, wie sie das schaffen können. Das soll dazu führen, dass die Menschen ihr Verhalten langfristig ändern.

Warum ist es so schwer, das Thema Nachhaltigkeit voranzutreiben?

Menschen setzen ihre Haltungen oft nicht in Verhalten um. Weil sie verschiedene Ziele haben, die sich widersprechen. Sie wollen beispielsweise nachhaltig leben. Aber auch sparen. Das schließt sich allerdings oft aus. Denn wir kaufen dann das billige Gemüse, obwohl es in Plastik eingepackt ist. Diesen Widerspruch müssen wir betrachten und dann herausfinden, was den Menschen, also den Teilnehmenden, wirklich wichtig ist.

„Wir wollen unseren Beitrag zur Nachhaltigkeitswende leisten“

Und Sie? Nehmen Sie immer die nachhaltige Paprika?

Mal so, mal so. Überwiegend kaufe ich Bio-Gemüse ohne Verpackung, hin und wieder auch in Plastik verpacktes Gemüse. Auch ich handle nicht immer perfekt, nur weil ich mich mit dem Thema beschäftige. Ich weiß, was für eine Herausforderung das ist. Ich gebe aber mein Bestes.

Ist das nicht ein Widerspruch?

Gar nicht. Es zeigt, dass wir auch nur Menschen sind, die zu kämpfen haben. Natürlich ändert man sein Verhalten nicht von heute auf morgen. Da muss man an sich arbeiten und bereit sein, sich zu ändern.

Wenn die Veränderung nicht von heute auf morgen klappt, bewirkt ein einziger Kurstag dann überhaupt etwas?

Wir können lediglich Impulse setzen und den Leuten professionelle Techniken vermitteln. Die Teilnehmenden müssen motiviert sein, etwas zu ändern. Motivation ist wichtig für Veränderungen. Mit dem Sustainability Day bieten wir die Möglichkeit den persönlichen Veränderungsprozess voranzutreiben und sich mit anderen Teilnehmenden auszutauschen und sich gegenseitig zu inspirieren.

Wie kamen Sie auf die Idee für den „Sustainability Day“?

Vincent Beermann und ich studieren Psychologie. Wir wollen unser Wissen sinnvoll einbringen,  unseren Beitrag zur Nachhaltigkeitswende leisten. Außerdem haben wir einen tollen Kooperationspartner gewonnen: Das Bioku in Bochum, ein Bio- und Kulturladen, der eine perfekte Plattform bietet. Dort finden unsere Kurse statt.

Zum Team gehört auch noch Leonie Ross …

… mit der uns das Think Lab zusammengebracht hat. Sie studiert Wirtschaftspsychologie und unterstützt uns bei der Konzeption der Kurse. Da sie an einer anderen Hochschule als wir studiert, kann sie andere, interessante Perspektiven beisteuern. Wir sind schon sehr gespannt.

Sind die Kurse im Rahmen des Think Lab eine einmalige Sache?

Nein, die Nachhaltigkeitstage sind der Start für ein langfristiges Projekt, das Menschen dazu bringen soll, sich nachhaltiger zu verhalten. Konkret starteten ab Januar 2019 Kurseinheiten mit diesem Ziel. Bei der Abschlussveranstaltung des Think Lab im Sommer werden wir dann unsere Ergebnisse präsentieren.  

Auszeichnung für das Think Lab-Team „Sustainability Day“

Das Projekt von Florian Engel und Vincent Beermann hat übrigens beim 12. „Senkrechtstarter“-Wettbewerb der Bochum Wirtschaftsentwicklung den vierten Platz belegt und zusätzlich den Nachhaltigkeitspreis gewonnen. Herzlichen Glückwunsch! Ein tolles Video dazu finden Sie hier.



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Lesen Sie auch:

Teil 1: Die Energiewende voranbringen – „Eine internationale Energiewende ohne China wird nicht funktionieren“

Teil 2: Die Energiewende voranbringen – „Energie am eigenen Leib erfahren”

Teil 3: Die Energiewende voranbringen – „Individuelle Förderungen statt Gießkannenprinzip“

Teil 4: Die Energiewende voranbringen – Aus einer Idee wird eine Institution

Teil 5: Die Energiewende voranbringen – „Der gesamtgesellschaftliche Dialog fehlt“

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Kategorien: Bildung
Schlagwörter: Energiewende, Nachhaltigkeit, und Think Lab


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