Blog

Beitrag: Die Energiewende voranbringen – Teil 6: Spielend ein Gefühl für Stromverbrauch entwickeln

Sie sind hier: Startseite » Die Energiewende voranbringen – Teil 6: Spielend ein Gefühl für Stromverbrauch entwickeln

17. April 2019

Die Energiewende voranbringen – Teil 6: Spielend ein Gefühl für Stromverbrauch entwickeln

Die Initiative „Think Lab: Energie – Gesellschaft – Wandel“, die wir gemeinsam mit der Stiftung der Deutschen Wirtschaft fördern, neigt sich dem Ende zu. Acht Teams arbeiten seit Sommer 2018 in gemeinnützigen Projekten daran, die Energiewende umzusetzen. Das tun sie vor Ort, denn hier fängt der Wandel an. In unserer Interviewserie stellen wir Ihnen die Projekte vor, die das Think Lab in seiner dritten Runde unterstützt.

Mit dem Projekt „Energy-Jack: Entwicklung eines Simulationsspiels zur effizienten Verwendung erneuerbarer Energien im Rahmen der Energiewende“ präsentieren wir den Wirtschaftsinformatiker Ludwig Englbrecht. In seinem Simulationsspiel koordiniert der Spieler die Stromversorgung einer virtuellen Stadt. Im Interview erklärt Englbrecht, weshalb sein Spiel helfen kann, dass Menschen bewusster mit der Ressource Energie umgehen.

Herr Englbrecht, worum geht es in Ihrem Projekt?

Ludwig Englbrecht: In meiner browserbasierten Simulation schlüpft der Spieler in die Rolle des Energie-Managers einer Kleinstadt. Er muss deren Stromversorgung sichern. Dafür muss er entscheiden, ob er Strom aus dem Nachbarland kauft oder die eigene Energieerzeugung nutzt. Er muss nicht nur strategisch, sondern auch wirtschaftlich handeln. Sinn des Spiels ist es, dass der Nutzer mehr über Energiegewinnung und -verbrauch sowie deren Folgen lernt.

An wen richtet sich das Spiel?

An Jugendliche und junge Erwachsene. Denn sie müssen sich früher oder später mit der Energiewende und dem Ressourcenmangel auseinandersetzen. Das Spiel erleichtert ihnen den Einstieg in das Thema und gibt ihnen einen Denkanstoß, um den eigenen Energieverbrauch in bestimmten Situationen zu überdenken.

Wie gestalten Sie das Spiel möglichst realitätsnah?

Der Spieler soll mit realen Daten für Stromverbrauch und -erzeugung versorgt werden. Dafür greife ich auf die Zahlen verschiedener deutscher Kleinstädte aus dem vergangenen Jahr zurück. Später soll der Nutzer mit möglichst aktuellen Daten versorgt werden und entsprechend handeln können.

Muss der Spieler Vorwissen mitbringen?

Nein, denn er wird durch ein Tutorial geführt. Darin wird erklärt, wie erneuerbare Energien funktionieren, wo es Schwierigkeiten gibt und wie der Strommarkt funktioniert. Dies wird für die Simulation zwar vereinfacht dargestellt, jedoch liefert es eine Grundlage, um die relativ komplexen Aufgaben der Marktakteure zu verstehen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Ich habe während eines Auslandspraktikums in Neuseeland im Energiemanagement der University of Otago gearbeitet. Da die Universität nicht nur Strom verbraucht, sondern auch selbst erzeugt, mussten Stromangebot und -Nachfrage für einen großen Campus koordiniert werden. Das ähnelte der Stromversorgung einer Kleinstadt. Neuseeland setzt vor allem auf erneuerbare Energien, deswegen war die Versorgung sehr wetterabhängig. Ich hätte zum Beispiel nie gedacht, dass bei bestimmten Wetterverhältnissen so viel Strom produziert wird, dass das Netz wegen Überlastung zusammenbrechen könnte. Meine Arbeit an der Universität war jedoch alles andere als ein Spiel. Wenn man beispielsweise bei ausgeprägten Nachfragespitzen nicht innerhalb kürzester Zeit den Verbrauch senken konnte, musste die Universität Strafgebühren zahlen. Die Herausforderung, eine sichere und kosteneffiziente Stromversorgung aus wetterabhängigen Energiequellen wie Wind und Sonne zu erreichen, verlangt großes Koordinationsgeschick.

Sie investieren viel Zeit in dieses Projekt. Was erhoffen Sie sich davon?

Mir liegt das Thema sehr am Herzen, deswegen verfolge ich das Projekt auch in meiner Freizeit. Ich möchte zeigen, dass wir uns im Alltag bewusster und vor allem nachhaltiger entscheiden, wenn wir verstehen, wie Energie erzeugt wird.

Wie können wir die Energiewende in Deutschland schaffen?

Wir müssen das ganzheitliche Verständnis über Strom fördern. Wir schaffen die Energiewende nur, wenn den Menschen klar wird, dass Energie eine begrenzt verfügbare Ressource ist. Die Gesellschaft muss umdenken.


Bleiben Sie auf dem Laufenden und abonnieren Sie unseren Newsletter. Spannende Interviews, ungewöhnliche Gastbeiträge und knifflige Quiz-Fragen warten bereits auf Sie. >>> Zur Anmeldung

Lesen Sie auch:

Teil 1: Die Energiewende voranbringen – „Eine internationale Energiewende ohne China wird nicht funktionieren“

Teil 2: Die Energiewende voranbringen – „Energie am eigenen Leib erfahren”

Teil 3: Die Energiewende voranbringen – „Individuelle Förderungen statt Gießkannenprinzip“

Teil 4: Die Energiewende voranbringen – Aus einer Idee wird eine Institution

Teil 5: Die Energiewende voranbringen – „Der gesamtgesellschaftliche Dialog fehlt“

weiterempfehlen

Kategorien: Bildung
Schlagwörter: Stiftung der Deutschen Wirtschaft und Think Lab


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Hiermit akzeptiere ich die Datenschutzbedingungen


Verfassen Sie den ersten Kommentar