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Beitrag: Pablo Wendel und seine ganz persönliche Transformation: Goodbye Kohle, Hallo Kunststrom!

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28. März 2019

Pablo Wendel und seine ganz persönliche Transformation: Goodbye Kohle, Hallo Kunststrom!

Auszug aus der Vorhabenbeschreibung: „Kann eine Region sich neu erfinden ohne die Vergangenheit zu vergessen? Kann ein Ort an seiner Historie anknüpfen, ohne eine dekorative Fassade zu werden? Kann Kunst in einer ländlichen Region Energie erzeugen? Ja, sie kann!”

Die Geschichte hinter Pablo Wendels Kunststromkraftwerk im Brandenburgischen Luckenwalde ist eigentlich die Geschichte einer Verschmelzung aus Zeitgeist, Wille und Möglichkeit. Im Zentrum steht ein für seinen progressiven Ansatz bekannter Künstler aus Stuttgart und Luckenwalde, inspiriert durch den derzeitigen energiepolitischen Umbruch und auf der Suche nach seinem nächsten großen Projekt. Dazu kommt ein denkbar ungewöhnliches Immobilieninserat und schließlich die zündende Idee, aus der nun ein wahrhaft einzigartiges Projekt wachsen soll: Aus einem ehemaligen Kohlekraftwerk wird Deutschlands erstes Kunststromkraftwerk für regenerative und (vor allem) kreative Energie.

Pablo Wendel, Künstler und Geschäftsführer des Kunststrom Anbieters „Performance Electrics”, ist schon seit dem Studium für seine außergewöhnlichen, Guerilla-artigen und oft polarisierenden Aktionen und Installationen bekannt. Mit gerade einmal 26 Jahren sorgte er international für Schlagzeilen, als er sich vollkommen authentisch kostümiert in die Reihen der weltberühmten Terrakotta Armee in China einreihte – und damit sogar das Wachpersonal täuschte (mehr dazu hier).

Als selbst erklärter Bewunderer des historischen Kunstwerks erfüllte er sich mit dieser durchaus nicht ungefährlichen Aktion im Jahr 2006 einen Lebenstraum. Heute – mehr als 10 Jahre später – liegt sein Fokus auf anderen Dingen und Themen. Vor allem die Energiewende hat es ihm angetan – ebenso wie die Möglichkeit, Kunst und Energie zusammenzubringen. Und so gründete er 2012 die Performance Electrics gGmbH als Stromanbieter zur Produktion und Distribution von Kunststrom – Strom, der auf vielfältige Art durch und mit Kunst produziert wird.

Die Struktur von Performance Electrics lässt sich über die Metapher des Netzes veranschaulichen: Designer, Architekten, Künstler und Kunsthistoriker beteiligen sich teils projektbezogen, teils dauerhaft an verschiedenen Standorten wie Berlin, Stuttgart, Brüssel oder São Paulo an der Produktion von Kunststrom.

Dabei ist die performative Verknüpfung von Kunstprojekt und Stromanbieter das strukturelle Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens. Gängige ökonomische Modelle werden durch die Gemeinnützigkeit der Stromproduktion hinterfragt, da die Energie des Verbrauchers zu 100% in den Kunststromkreislauf zurückfließt und Performance Electrics die Gewinne vollständig in den Ausbau neuer kreativer Energien reinvestiert. Somit fördern alle Kunden, darunter sowohl Museen als auch Privathaushalte, Performance Electrics dauerhaft über ihre Nebenkosten – indem sie Kunststrom beziehen.

„Es ist vermutlich genau dieser Gegensatz, den das Team von Performance Electrics um Gründer Pablo Wendel reizvoll findet. Oder vielmehr: Die Möglichkeit, die sich daraus ergibt.“


So weit, so gut. Aber warum kauft nun ein derart progressives Unternehmen ein stillgelegtes Kohlekraftwerk unter Denkmalschutz? Als Sinnbild für Umweltverschmutzung und in Zeiten von Offshore-Windenergie, Photovoltaik und Solarpanels fast schon ein Schimpfwort, ist schließlich fast nichts weiter von Nachhaltigkeit entfernt, als die Energiegewinnung durch Braunkohle. In Wahrheit ist es aber vermutlich genau dieser Gegensatz, den das Team von Performance Electrics um Gründer Pablo Wendel reizvoll findet. Oder vielmehr: Die Möglichkeit, die sich daraus ergibt.

„Das Kohlekraftwerk steht sinnbildlich für die Fossile Epoche, aus der wir entfliehen müssen und wollen. Indem wir es in ein Kunststrom Kraftwerk umwandeln, entsteht etwas Neues, während gleichzeitig etwas Altes erhalten bleibt. Auf diese Weise können wir bestehende Strukturen völlig neu nutzen, dem Thema Energiewende eine Bühne geben und gleichzeitig saubere Energie und Raum für kreative Entfaltung schaffen. Wir nennen dies ein lebendiges Denkmal.”  

„Das Kohlekraftwerk steht sinnbildlich für die Fossile Epoche, aus der wir entfliehen müssen und wollen. Indem wir es in ein Kunststrom Kraftwerk umwandeln, entsteht etwas Neues, während gleichzeitig etwas Altes erhalten bleibt.“

Das E-Werk Luckenwalde wurde im Jahr 1913 errichtet. Als ehemaliges Kohlekraftwerk war es über 60 Jahre in Betrieb und produzierte Strom für die Stadt Luckenwalde und umliegende Ortschaften. Nach dem Fall der Berliner Mauer und den damit verbundenen politischen Veränderungen, wurde der Betrieb im Kohlekraftwerk eingestellt. Seit 2017 ist Performance Electrics der neue Eigentümer und bringt nun die Energie zurück in das alte E-Werk.

In Zusammenarbeit mit der Firma Spanner Re2 und gefördert von der innogy Stiftung ersteht hier derzeit ein voll funktionsfähiges Kunststromkraftwerk und ein Zentrum für zeitgenössische Kunst und Kultur, das E-Werk Luckenwalde. Das Ziel: Bis zum Sommer 2019 soll hier saubere Energie umgesetzt werden. Zusammen mit Architekten, Ingenieuren, Zeitzeugen und Künstlern wird die alte Infrastruktur des Kraftwerks mit einer hoch modernen Pyrolyse-Anlage kombiniert. Dabei stehen sowohl technische, als auch künstlerische und baukulturelle, wie auch geschichtliche Aspekte im Vordergrund.

Durch diesen künstlerischen Prozess und die Technologie der Kraft-Wärme-Koppelung mit Holzvergasung wird eine CO2 neutrale Gewinnung von Wärme und Kunststrom ermöglicht. Als Projektpartner konnte hierfür das Unternehmen ​Spanner Re2, welches zu den Pionieren der Holzvergasertechnik gehört, gewonnen werden.

 

Neugierig geworden? Noch mehr Informationen zum Projekt, dem E-Werk Luckenwalde und zum Thema Kunststrom gibts auf www.kunststrom.com sowie bei Facebook und Instagram.

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Kategorien: Allgemein und Kultur
Schlagwörter: Braunkohle, Energiekunst, Guerilla Kunst, Kraftwerk, Kunst, Kunstkraftwerk, Kunststrom, Lichtkunst, Luckenwalde, Pablo Wendel, Performance Electrics, und Pyrolyse


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