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Beitrag: „Think Lab”: Leitfaden für Lehrende zur Energiewende

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25. Februar 2019

„Think Lab”: Leitfaden für Lehrende zur Energiewende

Die Energiewende muss kommen, so viel ist klar. Doch wer setzt sie um, wenn die Vordenker von heute ihre Zepter und Konzepte übergeben? Und wie bereitet man die Macher von morgen auf ihre wichtige Aufgabe vor? Irina Rogge ist Lehramts-Studentin, Studienkolleg-Stipendiatin und Think Lab-Teilnehmerin. Sie findet, dass die Wissensvermittlung in Sachen Energie bereits in der Schule beginnen muss. Um Lehrkräfte dabei zu unterstützen, gründete sie mit zwei weiteren Teilnehmerinnen im Rahmen des Think Lab Dialogs eine Projektgruppe, entwickelte Unterrichtsmaterialien und bündelte diese mit ihren Co-Autor*innen zu einem 160-seitigen Leitfaden zur Energiewende, den wir als Stiftung fördern. Im Interview spricht sie über die Entwicklung des Konzepts, die Bedeutung von fächerübergreifender Kompetenzvermittlung und wie man mit kleinen Experimenten aus Glas, Draht und Licht so manchen zum Staunen bringt.   

Frau Rogge, der Leitfaden zur Energiebildung ist ein Projekt der „Think Lab”- Initiative. Wie kam es zu der Idee?

IRINA ROGGE: Nachhaltigkeit hat mich schon immer interessiert und da ich durch mein Studium mit Bildung zu tun hatte, faszinierte mich die Idee, diese beiden Bereiche zusammen zu bringen. Auf dem Think Lab Dialog 2016 lernte ich dann Eva Frisch kennen, die zusammen mit Tatiana Gonzales Grandón die gleiche Idee hatte. Also starteten wir ein Projekt. Zu dem kam 2017 noch Jan Stede hinzu. Anfangs wollten wir nur eine Projektwoche veranstalten. Weil wir die Arbeit damit aber nicht einfach abschließen wollten, reifte schnell die Idee, die Ergebnisse in einem Handbuch festzuhalten. Und so wurde aus der Idee ein Leitfaden für Lehrende.

Was ist die grundlegende Überlegung dahinter?

Wir wollten direkten Nutzen für Lehrerinnen und Lehrer schaffen und ihnen Arbeitsblätter und Unterrichtsmaterialien liefern, die sie einfach in ihren Unterricht einbauen können. Natürlich funktioniert so etwas bei ersten Testläufen nie völlig reibungsfrei. Die Stolpersteine haben uns aber geholfen, denn so konnten wir noch Tipps, Anregungen, Nachschlagewerke und vieles mehr in Form kleiner Infokästen integrieren.  

 

„Beim Thema Energiewende spielen gesellschaftliche und politische Prozesse eine wichtige Rolle. Das macht die Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger unabdingbar.“

 

Mit dem Leitfaden sollen sich Schüler dem Thema Energiewende nicht nur aus der technischen, sondern auch aus der sozialwissenschaftlichen Perspektive nähern. Warum ist das wichtig?

Die Antwort hängt für mich eng mit der Frage zusammen, was für Menschen wir mit unseren Lehrmaterialien begleiten und ausbilden möchten. Für uns war es enorm wichtig, nicht nur Inhalte zu vermitteln, sondern auch die Fähigkeit zu fördern, diese fächerübergreifend miteinander zu verknüpfen und damit speziell kritisches Denken und auch Kreativität zu fördern. Es wird immer wichtiger, beim Lernen auch Zusammenhänge zu erkennen, verschiedene Blickwinkel zu vernetzen und logisch abzuwägen, welcher im Einzelfall wichtig ist. Also sollte man auch beim Thema Energiewende verstehen, dass dabei gesellschaftliche und politische Prozesse eine wichtige Rolle spielen und die Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger unabdingbar ist. Das gehört für mich zu den Kernkompetenzen einer guten Bildung.

Was können Sie Lehrerenden an die Hand geben, damit sie die Energiewende für die Schülerinnen und Schüler greifbar machen können?

Uns war wichtig, dass wir neben fachlichem Input vor allem echte Erfahrungen für Schülerinnen und Schüler schaffen, die hoffentlich in Erstaunen versetzen. Zum Beispiel gibt es das Experiment mit der „Schüttellampe”, das den typischen Kraftwerk-Aufbau bzw. Mechanismus mithilfe von Induktion im Kleinen darstellt: Man braucht nur ein Reagenzglas, ein Stück Draht, eine LED und einen Dauermagneten. Das baut man zusammen und muss es dann nur schütteln. Durch die Induktion, die dabei in der Spule stattfindet, leuchtet die LED und so hat man im Null-Komma-Nichts das kleinste Kraftwerk der Welt in Betrieb genommen.

Der Lehrerleitfaden wurde für die 8. und 9. Jahrgangsstufe konzipiert. Warum ist Energiebildung bereits in einem frühen Alter wichtig?

Grundsätzlich ist ein fundiertes Wissen darüber, wie man Energie gewinnt und nutzt, speziell bei erneuerbaren Energiequellen, heute so wichtig wie nie. Denn für die meisten Emissionen, die zum Klimawandel beitragen, die gesundheitsschädlich sind und unsere Zukunft gefährden, ist die Energiewirtschaft verantwortlich. Außerdem ist das menschliche Gehirn gerade in jungen Jahren besonders aufnahme- und begeisterungsfähig. Darum ist es sinnvoll, sich so früh wie möglich auch mit so einem komplexen Thema zu befassen. Die Schülerinnen und Schüler von heute sind unsere Lenker und Denker von morgen. Und wir brauchen sie, damit die Energiewende gelingt – um erneuerbare Energiekonzepte weiterzuentwickeln und auch ältere Menschen mit ins Boot zu nehmen, die dem Thema vielleicht kritisch gegenüberstehen.

 

„Die Schülerinnen und Schüler von heute sind unsere Lenker und Denker von morgen. Und wir brauchen sie, damit die Energiewende gelingt.“

 

Wann wäre das Projekt für Ihre Kolleginnen und Sie ein Erfolg?

Es wäre großartig, wenn sich viele Lehrerinnen und Lehrer von unserem Leitfaden inspirieren und neue Wege der Energiebildung entdecken. Wenn sich dann auch noch Schüler Interesse für das Thema zeigen, sich vielleicht sogar über den Unterricht hinaus damit befassen und Multiplikatoren der Idee werden, dann haben wir unser Ziel erreicht.

Wird Smart Grid der Schlüssel für eine effiziente Nutzung erneuerbarer Energien?

Das Konzept „Smart Grid” ist sicherlich zukunftsfähig. Schließlich verschwenden wir weniger Energie, wenn intelligente Stromnetze (Smart-Grids) Erzeugung, Speicherung und Verbrauch aufeinander anpassen. Allerdings denke ich, dass für eine effiziente Nutzung hierzulande strukturell noch einiges verändert werden muss. Denn die setzt ja Kraftwerke voraus, bei denen es effizient ist, Leistung hoch und runter zu fahren. Zudem brauchen wir möglichst kurze Leitungen vom Ort der Umwandlung bis zum Verbraucher und eine höhere Zahl an Kraftwerken, die erneuerbare Energien fördern – speziell in nutzungsstarken Gebieten. Dazu gehört auch die Dezentralisierung des Energiesystems, dass wir Energie dort umwandeln und auch ins Netz einspeisen, wo sie entsteht.

 

Neugierig geworden? Die Publikation samt Material steht hier zum kostenlosen Download bereit.

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Kategorien: Bildung
Schlagwörter: Energiebildung, Energiewende, Lehrer, Leitfaden, Schule, und Think Lab


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