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13. Februar 2019

„Smart Kid – Smart Grid”: Schüler werden spielerisch zu Energie-Vordenkern von morgen

Unser Strom wird intelligent. Im Energiesektor geht der Trend zu „Smart Grids“ –  Stromnetzen mit dauerhafter Web-Verbindung, die künftig Erzeugung, Speicherung und Verbrauch in einem System kombinieren. Eine zentrale Steuerung stimmt sie optimal aufeinander ab und kann so unvorhersehbare Leistungsschwankungen im Netz ausgleichen – wie sie durch erneuerbare Energien (etwa Photovoltaik und Windenergie) entstehen. Auch die Verteilung der Energie sowie das Speichern von Überschüssen wird damit einfacher. Angebot und Nachfrage können effizient gemanagt werden.

Die Möglichkeiten von “Smart Grids” für eine nachhaltige Zukunft sind riesig. Doch kaum jemand außerhalb von Experten versteht jetzt schon die Herausforderungen und Chancen, die mit dem Wandel durch einen intelligenten Netzausbau einher gehen. Die Deutsche Gesellschaft e.V. will dem nun entgegenwirken und vor allem die Macher von morgen an das Thema heranführen – mithilfe des bundesweiten Schulwettbewerbs „Smart Kid? Smart Grid! Das Turnier mit Energie”, der auf dem Planspiel „Netzausbau macht Schule” aufbaut und den wir als Stiftung unterstützen. „EU & Europa”-Referent Jan Roessel spricht im Interview über die Konzeptentwicklung, Energiebildung im frühen Alter und warum Hackerangriffe auch in der Energiewirtschaft zu den Zielkonflikten der Digitalisierung zählen.

Herr Roessel, kann man „Smart Kid – Smart Grid” als Weiterentwicklung von „Netzausbau macht Schule” verstehen?

ROESSEL: Absolut. Wir hatten das Projekt damals als Pilot konzipiert und in der ersten Phase mit bundesweit 15 Schulen umgesetzt. Die Idee dahinter war auch hier, Jugendliche über Smart Grid und die Energieversorgung der Zukunft zu informieren – und die guten Ergebnisse haben uns motiviert, damit weiter zu machen. Gleichzeitig wollten wir das Projekt aber auch modifizieren, anstatt es identisch weiterzuführen. Deshalb haben wir beschlossen, die Schüler mit eigenen Ideen in einem Wettbewerb gegeneinander antreten zu lassen.

Worin bestehen die inhaltlichen und konzeptionellen Unterschiede zwischen den beiden Projekten?

“Netzausbau macht Schule” war ein Planspiel, mit dem wir verschiedene Themen des intelligenten Netzausbaus an Schulen kommuniziert haben. Dabei ging es zum einen um die Frage nach der Kostenübernahme für den Ausbau, aber auch um das Thema Datenschutz. Als dritter Schwerpunkt stand die Sicherheit der Stromversorgung auf der Agenda. Bei „Smart Kid – Smart Grid” soll es nun auch maßgeblich um die Digitalisierung des Netzausbaus und die damit verbundenen wirtschaftlichen Chancen gehen.

Unser Ziel ist es, junge Menschen dazu zu bringen, sich Gedanken über mögliche Geschäftsmodelle zu machen, die auf den neuen Technologien aufbauen. Dazu veranstalten wir zuerst an jährlich 20 bundesweit ausgewählten Schulen Workshops, bei denen grundsätzliche Fragen zum Thema Smart Grid geklärt werden. In der zweiten Runde entwickeln die Schüler dann eigene Ideen und laden sie auf unsere Website hoch. Pro Jahr und Wettbewerb wird es eine Veranstaltung mit Experten und einer Jury geben, die alle Ideen zu bewertet und die besten auszeichnet. Preise für besonders gute Einfälle sollen die Schüler natürlich auch motivieren, sich über die Teilnahme hinaus mit dem Thema auseinanderzusetzen. Gerade weil es dabei um unsere und ihre Zukunft geht, wollen wir verdeutlichen, dass wir das Engagement der Macher von Morgen wertschätzen und sie ernst nehmen.

„Es geht uns darum zu vermitteln, dass der intelligente Netzausbau ein wichtiges Zukunftsthema ist und vor allem junge Menschen betrifft.“

Was ist das Primärziel der Initiative?

Es geht uns darum zu vermitteln, dass der intelligente Netzausbau ein wichtiges Zukunftsthema ist und vor allem junge Menschen betrifft, weil sie künftig mit diesen neuen Technologien arbeiten werden. Gemeinsam mit Lehrern und Schülern möchten wir daher Diskussionen anregen und die Energiewende in den Fokus rücken. Dabei ist unser demokratisches Grundverständnis entscheidend: jede Meinung und Idee soll Gehör finden, weil es am Ende darum geht, die Allgemeinheit mit Lösungen nach vorne zu bringen, mit denen möglichst viele leben können. Gleichzeitig wollen wir Kompetenzen vermitteln, die junge Menschen in ihrem weiteren Leben gut gebrauchen können. Unternehmerisch-kreatives Denken, Eigeninitiative und die Fähigkeit, Ideen vom Grundkonzept bis zur Umsetzung zu entwickeln, sind da nur einige Beispiele.

Was wird die größte Herausforderung im Workshop?

Das durchaus komplexe Thema Smart Grid ist vielen bislang nicht bekannt. Wir wollen das ändern. Damit sie wirkliche Kompetenzen und anschließend eigene Ideen entwickeln können, müssen wir den Workshop-Teilnehmern das nötige, kognitive Werkzeug an die Hand geben. Unsere Herausforderung besteht also darin, als Basis zunächst ein umfassendes Grundverständnis zu vermitteln. Damit das möglichst gut und spielerisch gelingt, wollen wir vor allem neue Medien einbinden, mit denen die Schüler vertraut sind.

Welche Ergebnisse erwarten Sie nach Abschluss des Projekts?

Erstmal erwarten wir, dass sich junge Menschen mit einem wichtigen Thema der Zukunft auseinandersetzen. Somit ist jede Beteiligung für uns ein Gewinn. Darüber hinaus erhoffen wir uns natürlich auch eine Reihe an kreativen Ideen, die nicht nur im Rahmen der Schule selbst interessant sind, sondern junge Menschen auf einen Weg bringen, von dem wir selbst nicht wissen wo er uns hinführt. Wir hoffen auf visionäre Ideen, die nicht mal besonders realistisch oder sofort umsetzbar sein müssen. Die größte Auszeichnung für unsere Arbeit wäre es natürlich, wenn sich einige Teilnehmer noch über das Projekt hinaus mit dem Thema befassen.

„Das große Thema Energie ist ein Feld, in dem Entscheidungen langfristig wirken. Daher müssen wir früh damit beginnen, die Kommunikation anzustoßen.“

Warum ist eine umfassende Energiebildung, besonders im Hinblick auf Smart Grid und andere Technologien von Morgen, schon im Schulalter wichtig?

Ich glaube, eine ganzheitliche Energiebildung ist aus verschiedenen Gründen unabdingbar. Man sieht heutzutage immer noch eine klare inhaltliche Trennung in Schulfächern, anstelle eines interdisziplinären Vorgehens, wie z.B in Skandinavien. Dadurch fällt es schwerer, korrelierende aber meist getrennt behandelte Themen wie den Klimawandel und die Digitalisierung logisch miteinander zu verknüpfen. Das Projekt soll hier ansetzen und diese Funktion erfüllen. Darüber hinaus möchten wir bei jungen Menschen das Bewusstsein wecken, dass es hierbei Veränderung und Weiterentwicklung braucht und sie auch bereit sein müssen sich selbst einzusetzen. Das große Thema Energie ist ein Feld, in dem Entscheidungen langfristig wirken. Daher müssen wir früh damit beginnen, die Kommunikation anzustoßen.

Wird die Gefahr von Hackerangriffen zu einem Zielkonflikt bei der Smart Grid Thematik?

Mit Sicherheit! Die Gefahr ist zweifelsohne real und wird im Workshop thematisiert, schließlich ist die Sicherheit der Netz-Infrastruktur ein klarer und essenzieller Bestandteil der Energiewende. Dass damit verbunden auch das Thema Datenschutz immer wichtiger wird, hat schon unser Vorgängerprojekt gezeigt. Bestmöglichen Schutz vor Hackerangriffen zu gewährleisten und gleichzeitig die Digitalisierung voranzutreiben, ist ein komplizierter Spagat, den unsere Regierung zusammen mit der Wirtschaft sowie allen Nutzerinnen und Nutzern heute bewerkstelligen muss.

Wo sehen Sie die größte Chance oder wo die größte Herausforderung in der Etablierung intelligenter Energienetze?

Die größten Chancen sehe ich in der effizienteren Nutzung erneuerbarer Energien und einer höhere Flexibilität, die es den Bürgern ermöglicht, ihren Alltag durch neue Technologien zu vereinfachen. Die größte Herausforderung ist in der Tat der Datenschutz. Nicht jeder, der Zugang zu sensiblen Informationen bekommt, hat edle Ziele im Sinn. Daher muss man die Risiken, die mit Smart Grid einhergehen, thematisieren und aktiv angehen.

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Kategorien: Bildung
Schlagwörter: deutsche gesellschaft e.v., intelligentes stromnetz, netzausbau, Netzausbau macht Schule, Schulwettbewerb, Smart Grid, und wettbewerb


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