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24. Januar 2019

„Living Canvas” – Wenn die Leinwand lebt, wächst und sogar Energie erzeugt

Von wegen grün und glitschig: Algen werden zu Unrecht unterschätzt. Mit ihrer Kunstaktion „Living Canvas” zeigt die Künstlerin Fara Peluso in einem leinwandgroßen Algenexperiment, wie nachhaltige Energie in Echtzeit lebt und wächst.

Stellt man gerade in Zeiten immer kritischer Emissionswerte die Frage nach den wichtigsten Sauerstoffproduzenten der Erde, kommen wohl die meisten Menschen ohne Spickzettel auf „Pflanzen”. Dass aber die bedeutendsten Lieferanten unserer primären Lebensgrundlage nicht über, sondern unter der Wasseroberfläche zuhause sind, ist deutlich weniger bekannt. Jedes zweite Sauerstoffmolekül, das wir zum Atmen brauchen, stammt aus der Photosynthese von Algen. Und nicht nur das. Durch ihre Fähigkeit, CO2 effektiv in organische Stoffe umzuwandeln und Innenlicht zu absorbieren, sind sie wesentlich effizienter als andere Gewächse. Dadurch zählen sie zu regenerativen Energiesystemen. In nahezu jedem Ökosystem vertreten, tragen sie zu den grundlegendsten Prozessen unseres Planeten bei und sind dank eines hohen Proteingehalts echte Nährstoffbomben. Algen sind gesund und können sogar einige Beschwerden lindern. Ihr einziges Manko scheint zu sein, dass es immer noch ein paar Menschen gibt, die die glitschigen pflanzenartigen Lebewesen als lästig wahrnehmen.

„Living Canvas ist ein Forschungsprojekt, das spektakuläre Kunst mit echter Do-it-yourself-Biologie kombiniert.“

Für die italienische Künstlerin und Designerin Fara Peluso sind Algen wahre Wunder. Auftritt: „Living Canvas” – ein Forschungsprojekt, das spektakuläre Kunst mit echter Do-it-yourself-Biologie kombiniert. Von der innogy Stiftung gefördert, bekommt es ab dem 25. Januar im State Studio Berlin eine Bühne. Mithilfe modernster Technik sowie einer Wandinstallation, die aus einem Blaualgen-Biofilm besteht und durch Licht und Bewässerung in Echtzeit wächst, will die Künstlerin ein neues soziales Bewusstsein widerspiegeln, das auf Prinzipien der Nachhaltigkeit und des spekulativen Designs basiert. Ihr Ziel? „Mein Projekt soll Kunst und Wissenschaft zusammenführen, Möglichkeiten für eine nachhaltigere Zukunft aufzeigen und Menschen dazu anregen, sich mit den faszinierenden, biologischen Prozessen unserer Umwelt auseinander zu setzen”, meint Peluso.

Um den besonderen Wert der botanischen Alleskönner über den Glasrahmen hinaus ins Licht zu rücken, erweitert Peluso ihre Ausstellung gemeinsam mit dem Berliner Biotech-Startup Solaga um den Workshop „Algature”, der am 29. Januar im State Studio stattfindet. Hier lernen Teilnehmer, wie sie von Betrachtern biotechnologischer Prozesse zu ihren Miterfindern werden und in Eigenregie Spirulina-Algen, die auch bei „Living Canvas” zum Einsatz kommen, züchten können. Jeder Workshopteilnehmer wird mit einer Algenkultur, einer Flasche als künstliches Biotop und einer Sauerstoffpumpe ausgestattet, die er im Anschluss mit nach Hause nehmen kann. So sollen Botanik-Interessierte auch über den Workshop hinaus befähigt werden, das Thema zu vertiefen, eigene Algenkulturen zu pflegen und über bislang ungenutzte regenerative Kräfte unseres Planeten nachzudenken.

 

„Living Canvas” ist nicht das erste Algen-Projekt, das die innogy Stiftung fördert. VISIT-Stipendiat und Künstler Andreas Greiner ist ebenfalls fasziniert von Mikroorganismen und autarken Natursystemen. In einer seiner Installationen wird eine Geschichte auf Tonband erzählt – der Mensch entwickelt sich zurück zur einzelligen Alge. Das Besondere nach der Geschichte: durch Vibration fangen die Algen im ausgestellten Aquarium an zu leuchten. Lesen Sie hier das ganze Interview mit dem Algen-Künstler.

Fotos: Anne Freitag

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Kategorien: Allgemein, Bildung, und Kultur
Schlagwörter: Algature, Algen, Berlin, Energie, Fara Peluso, Kunst, Living Canvas, Nachhaltigkeit, Spirulina, STATE Studio, und Workshop


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