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15. Januar 2019

Aus Unwissenheit zum Bestseller

Wie „Kleine Gase – große Wirkung“ das Klimabuch der Stunde werden konnte und was der Pizzapreis mit dem Erfolg zu tun hat.

Was tun, wenn man sich zu einem Thema unzureichend informiert fühlt, die Suche nach einem leicht verständlichen Grundlagenwerk aber erfolglos bleibt? Fragt man David Nelles (22) und Christian Serrer (22), Wirtschaftswissenschaft-Studenten und Autoren des Bestsellers „Kleine Gase – Große Wirkung“, ist die Antwort ganz klar: selber machen! Weil zum Zeitpunkt der Idee kein Weg an dicken, wissenschaftlichen Fachbüchern zu den Ursachen und Folgen des Klimawandels vorbeiführte, starteten die beiden Freunde kurzerhand einen Recherche-Marathon. Das Ziel: ein aufwändig bebildertes Fachbuch, das auf knapp 130 Seiten prägnant und anschaulich zusammenfasst, was jeder Laie zum Thema Erderwärmung wissen sollte. Anderthalb Jahre später steht nun das Ergebnis als liebevoll gestaltetes Hardcover nicht nur in zahlreichen Buchläden, sondern gehört dort auch zu den meistverkauften Titeln. Wie aus einer Mensa-Idee ein Leidenschaftsprojekt wurde, warum sie bewusst einen eigenen Verlag gründeten und was das wichtigste Aha-Erlebnis bei der Recherche war, verrät Co-Autor Christian Serrer, Stipendiat unserer Think Lab- Partnerstiftung sdw (Stiftung der Deutschen Wirtschaft), im Interview.

Christian, wie kommen zwei Studenten dazu, ein Aufklärungsbuch über den Klimawandel zu schreiben?

CHRISTIAN SERRER: Die Idee entstand vor knapp zwei Jahren in der Mensa unserer Uni. Bei einem Gespräch über den Klimawandel fiel uns beiden auf, dass unser Wissen darüber nur rudimentär und wenig fundiert war. Darum suchten wir ein Buch, das die Thematik knapp auf den Punkt bringt – fanden aber keines. Also sagten wir uns aus einer Laune heraus: Hey, wieso schreiben wir nicht einfach selbst eines?

Ihr musstet dann ja sehr viel recherchieren und habt mit mehr als 100 Expertinnen und Experten gesprochen. Welche Erkenntnis hat euch besonders beeindruckt?

Vor allem die Tatsache, wie weit die öffentliche Debatte in der globalen Medienlandschaft von der wissenschaftlichen Realität entfernt ist. Zum einen besteht in wissenschaftlichen Kreisen längst kein Zweifel mehr, dass der Einfluss des Menschen hauptverantwortlich für den Klimawandel ist. Und zum anderen wird aus meiner Sicht viel zu wenig betont, wie konkret er jeden einzelnen von uns betrifft – völlig unabhängig vom Standort. Ob man nun in Küstennähe oder im Alpenvorland auf 800 Metern Höhe zuhause ist: Die Konsequenzen der Erderwärmung werden früher oder später spürbar, denn sie beschränken sich eben nicht nur auf schmelzende Gletscher und den Anstieg des Meeresspiegels. Vielmehr werden sie in Fachkreisen als die größte globale Gesundheitsgefahr des 21. Jahrhunderts diskutiert. Als uns das klar wurde, waren wir beide ziemlich baff.

„Die Konsequenzen der Erderwärmung werden früher oder später für jeden spürbar.“

An wen richtet sich euer Buch?

Das Buch soll die Allgemeinheit ansprechen. Oder um genauer zu sein: Menschen wie uns, die ohne viel Vorwissen einen fundierten und zugleich leichten Einstieg in das Thema Klimawandel finden möchten. Daher war uns wichtig, die Lektüre so einfach, verständlich und anschaulich wie möglich zu gestalten und sie für eine Vielzahl von Anwendungsbereichen zu optimieren – ob für zu Hause, die Uni, Bahnfahrten oder den Urlaub auf der Strandliege. Darum sind die Texte kurz und enthalten viele Beispiele. Außerdem gibt es jede Menge anschauliche Grafiken. So kann ich auf jeder Seite mit dem Lesen anfangen, ohne den roten Faden zu verlieren. Für alle, die hier nach wissenschaftlichen Quellen und einem vertieften Einstieg ins Thema suchen, haben wir zudem ein umfassendes Literaturverzeichnis auf unserer Website veröffentlicht.

Um euer Werk möglichst günstig anzubieten, habt ihr kurzerhand einen eigenen Verlag gegründet. Jetzt kostet es gerade mal fünf Euro. Warum war euch ein niedriger Preis so wichtig?

Einerseits war uns wichtig, dass der Preis keine Hürde darstellt. Darum sollte er nicht höher sein, als für eine kleine Pizza. Auf der anderen Seite wollten wir keine Kompromisse bei der Herstellung: Unser Buch sollte hochwertig und zugleich umweltschonend gedruckt werden. All das geht nur, wenn ich keine Kosten für einen großen Verlagsapparat habe.

Sind in Zukunft noch mehr Veröffentlichungen geplant?

Wir haben schon überlegt, einen zweiten Teil zu schreiben, der darauf aufbauend entsprechende Lösungsansätze thematisiert. Allerdings haben wir gerade auch den Drang, selbst aktiv zu werden statt nur Probleme und Ideen aufzuzeigen. Wir wollen uns also unbedingt weiter mit dem Klimawandel beschäftigen und an Lösungen mitarbeiten.

Eure Erstauflage beträgt 100.000 Stück; für ein eher komplexes Sachthema ist das ist eine ganz schöne Menge. Woher kommt der wirtschaftliche Optimismus?

Aus unserer Überzeugung, dass man besser informieren muss, was der Klimawandel für jeden einzelnen bedeutet – und zwar indem man das Thema aktiv und ansprechend an die Menschen heranträgt. Unser Motto war: entweder ganz oder gar nicht. Mit ein paar hundert Exemplaren wären wir da nicht weit gekommen.

Lässt sich schon abschätzen, ob eure Rechnung aufgeht?

Bisher sieht es sehr gut aus. Das Feedback ist überwältigend und auch mit unserer Kalkulation liegen wir besser im Zeitplan als gedacht. Ziel war es, die 100.000 innerhalb eines Jahres an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Kaum mehr als einen Monat nach der Veröffentlichung sind wir bereits mehr als die Hälfte der Erstauflage losgeworden.

Passend zum Konzept findet man euch im Web unter www.klimawandel-buch.de. Hier stehen auch die Beiträge einiger Prominenter, die euer Werk loben, etwa vom Journalisten Claus Kleber, dem Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber oder Marie Nasemann, einer der wichtigsten Influencerinnen für nachhaltigen Lifestyle. Wie habt ihr so viel Aufmerksamkeit für euer Werk generiert?

Zunächst einmal hatten wir schon während der Entstehungsphase tolle Unterstützung durch Unternehmen sowie zahlreiche Wissenschaftler und Experten, die wir per Mail angeschrieben hatten und von unserem Projekt überzeugen konnten. Durch sie kam unter anderem auch der Kontakt mit Herrn Schellnhuber zustande. Bei Herrn Kleber und Marie Nasemann war sicher ein wenig Glück dabei – denn auch sie bekamen zunächst nur eine E-Mail von uns. Herrn Klebers Antwort mit dem Angebot, unser Buch gegenzulesen, hatten wir schon eine halbe Stunde nach unserer Anfrage, gleich nach seinem „heute-journal“, im Postfach. Da hat sicher geholfen, dass das genau sein Thema ist und ihm der Kampf gegen den Klimawandel viel bedeutet.

„Ein einfacher und effektiver Beitrag, den man im Sinne des Klimaschutzes leisten kann, ist der Wechsel zu einem Ökostrom-Anbieter.“

Was kann jeder einzelne tun, um einen Beitrag zu leisten, ohne sein Leben komplett umstellen zu müssen?

Ein einfacher und effektiver Beitrag, den man im Sinne des Klimaschutzes leisten kann, ist der Wechsel zu einem Ökostrom-Anbieter. Der Aufwand für jeden Einzelnen beträgt gerade mal eine halbe Stunde, der Effekt ist dagegen in der Masse enorm. Wer noch mehr tun möchte, kann sich mit seinem Fleischkonsum auseinandersetzen. Denn die Massentierhaltung trägt viel zum Klimawandel bei. Wenn ich also bereit bin, beispielsweise nur noch einmal pro Woche Fleisch zu essen, reduziert das deutlich klimaschädliche Emissionen. Natürlich fordert die Umstellung erst mal Selbstdisziplin, das war bei uns nicht anders. Rasch merkten wir aber: der Verzicht auf tierische Produkte bringt keinerlei Verlust an Lebensqualität. Auch sehr wichtig finde ich, weniger Auto zu fahren und gerade bei Kurzstrecken auf Flugreisen zu verzichten.

Neben einem selbstverantwortlichen Verbrauch und Konsumverhalten ist ja auch eine nachhaltige Energieproduktion wichtig. In welche Art setzt ihr die größten Hoffnungen?

Wahrscheinlich brauchen wir auf lange Sicht eine Mischung aus verschiedenen erneuerbaren Energiequellen, die wir schon heute nutzen können. Im Hinblick auf die Energiegewinnung verursachen Photovoltaik und Onshore-Windenergie deutlich geringere Kosten als fossile Energieträger. Hier sollte man noch viel mehr Potential nutzen, etwa Hausdächer konsequent mit Photovoltaik bestücken.

 

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Kategorien: Bildung
Schlagwörter: buch, christian serrer, david nelles, kleine gase große wirkung, und klimawandel


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