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28. Dezember 2018

Rückblick 2018 – woran wir in diesem Jahr Freude hatten

 

Sechs Episoden aus dem Stiftungsjahr, die uns besonders in Erinnerung geblieben sind:

 

1. Prechts Abrechnung mit der Bildung
Eigentlich hätte 2018 schon Mitte Januar zu Ende sein können. Da hatte man kurz das Gefühl, dichter wird das Jahr nicht mehr. Ursache war der Erfolgsautor und Philosoph Richard David Precht beziehungsweise dessen Auftritt bei der Matinee der innogy Stiftung im Essener Filmstudio Glückauf. Precht sezierte in ungewöhnlich klarer Art das deutsche Schul- und Bildungssystem (und irgendwie ein bisschen auch unsere gesamte Gesellschaft) und forderte ein völlig neues Verständnis vom Lernen. „Wenn ich von Ihnen verlangen würde“, sagte der 54-Jährige in Anspielung an unser Stundenplan-gläubiges Schullernen, „dass Sie sechs Dinge an einem Vormittag erledigen, die nichts miteinander zu tun haben und sie würden darin noch geprüft. Dann sagen Sie doch, so kann ich nicht arbeiten und würden sofort kündigen.”
In Zeiten, in denen Bildungspolitik vor allem von Lippenbekenntnissen und Kompromissen geprägt wird, eine erfreulich klare Position zu einer der wohl größten Herausforderungen der Gegenwart. Gesellschaftliche Mammutaufgaben wie die Energiewende sind der beste Beleg dafür, dass wir in puncto Bildung, Teilhabe und Dialog neue Wege gehen müssen. Mehr von Precht gibt es hier im Blogbeitrag von der Matinee zum Nachlesen oder im Interview mit Stiftungs-Geschäftsführer Stephan Muschick auf YouTube.

2. Hamburger und Steaks aus dem Labor
…weil’s so schön war, trafen wir uns in diesem Jahr gleich nochmals mit Richard David Precht. Im Rahmen des bekannten Düsseldorfer Open Source Festivals förderten wir als Stiftung den erstmals veranstalteten eintägigen „Congress“ am Vortag. Passend zur Diversität des Festivals war es unser Anspruch, ebenfalls ein möglichst breites Themenspektrum zu adressieren – von Lehren der Kreativität über Digitalisierung bis zum bewussten Fleischkonsum. Die Formate auf der Galopprennbahn Düsseldorf waren ähnlich abwechslungsreich – mit Keynotes von Querdenkern wie Precht, Interviews und Gruppendiskussionen. Besonders in Erinnerung geblieben ist uns das Gespräch mit Peter Verstrate, CEO von Mosa Meat – einer niederländischen Firma, die Fleisch im Labor züchten möchte. Es müsste somit kein Schwein mehr sterben, wenn wir Burger essen gehen. Nicht zu vergessen, wie viel Energie und Wasser man sparen könnte. Aber was macht Laborfleisch mit uns, was ist mit der Genmanipulation und nimmt man damit den Landwirten nicht die Arbeit weg? Komplexe Fragen, komplexe Antworten – umso erfreulicher, dass im Juli 2019 die zweite Auflage des Congresses folgt.

3. Rekordverdächtige Bayern (es geht nicht um Sport!)
In München ist man Rekorde ja gewöhnt: die angeblich beste Fußballmannschaft (wobei sich das gerade relativiert), das weltgrößte Volksfest, die teuersten Mieten. Bayern eben…
In diesem Jahr ist ein neuer Superlativ dazu gekommen, und sogar einer, der uns ausgesprochen freut: die erfolgreichste Sonderausstellung zum Thema Energie, die je in einem deutschen Museum zu sehen war. „energie.wenden“ lockte rund 700.000 Besucher ins Deutsche Museum an der Isar, und am meisten Anklang fand das von unserer Stiftung geförderte Lernspiel im Zentrum der Ausstellung. An interaktiven, multimedialen Modulen konnten die Besucher dort in die Rolle gesellschaftlicher Entscheider schlüpfen und – aus der Position eines Politikers oder Lobbyisten – ihre persönliche Einstellung zur Energiewelt der Zukunft testen. „Dieser Perspektivwechsel war für die Besucher offenbar sehr spannend”, resümierte Wolfgang Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums, am Ende der 18-monatigen Ausstellung bei uns im Interview. „Und ganz nebenbei lernt man ungeheuer viel. Auch, dass es nicht die eine Antwort auf die Frage nach der Energiewende gibt.“

 

4. Ein Lächeln für die Energiewende
Unser Mitarbeiter des Jahres hatte immer gute Laune. Naja fast. 😉 Wir reden vom „Public Face II“, das uns im März 2017 in Dessau Tag und Nacht anlächelte (unser Titelbild). Die interaktive Lichtskulptur, ein Neonröhren-Smiley von fünf Metern Durchmesser, war das Gesicht der Energieavantgarde Anhalt beim Innovationswettbewerb „Power to Idea“, das der von uns mit-initiierte Think Tank dynamis förderte. Das Besondere an dem Kunstwerk: seine Mimik drückt aus, wie hoch im Energiemix gegenwärtig der Anteil der Erneuerbaren ist: Je mehr Ökostrom, desto fröhlicher schaut er – je mehr fossile Energien, desto weiter ziehen sich seine Mundwinkel nach unten. Und je größer die Augen, desto höher der aktuelle Energieverbrauch insgesamt. Was uns am „Public Face II“ besonders gefallen hat: der Ansatz, Komplexes plakativ zu visualisieren und so schwer greifbare Zusammenhänge für Jedermann zugänglich zu machen – eine Herausforderung, der sich die Energiewende noch häufiger wird stellen müssen.

5. Eine italienische Reise
Es ist für uns immer wieder spannend zu sehen, wie es mit den Künstlern aus unserem Förderprogramm VISIT weitergeht. In diesem Sommer beispielsweise war Stefano Cagol bei der Manifesta 12 in Palermo zu Gast. Der Italiener zeigte hier eine Weiterentwicklung seines ehemaligen VISIT-Projekts „The Body of Energy” als Performance und großformatige Outdoor-Projektion. Wir haben am Rand der Biennale Cagol zum Interview getroffen.
Überhaupt hat uns diese Manifesta sehr gut gefallen. Mit ihrem Thema “Kunst und Transformation” haben die Kuratoren bei uns quasi offene Türen eingerannt und schließlich haben wir auch die Arbeit von Michael Wang gefördert: Sein Projekt „The Drowned World“ basierte auf der apokalyptischen Zukunftsfantasie von J. G. Ballard aus dem Jahr 1962 und warf einen kritischen Blick auf die Industrialisierung und ihre Folgen. Der Ort für die Installation war perfekt gewählt – an der Grenze zwischen dem Botanischem Garten und einem stillgelegtem Gaskraftwerk entstand für die Besucher neues Leben. PS: Energie und Kunst sind auch Ihr Thema? Die nächste Bewerbungsrunde für VISIT startet Ende Januar.

6. Warnende Worte von Weisband und Welzer
Zwei weitere kritische Geister begleiten uns erfreulicherweise seit diesem Frühjahr im steten Wechsel: Mit der ehemaligen Piratenpartei-Politikerin und Autorin Marina Weisband sowie dem Soziologen Harald Welzer hat unser Newsletter zwei sehr prominente Gastautoren bekommen. Was beide verbindet? Dass sie die Lautstärke und Nachdenklichkeit kombinieren, und das am liebsten bei komplexen Themen. So widmete sich Weisband zum Auftakt dem Bitcoin-Hype (rückblickend übrigens bemerkenswert, wie schnell aus einem Hype ein Desaster wird…), im Sommer folgte Welzer mit einem Plädoyer, die Grenzen des Wirtschaftswachstums neu zu definieren. Der Club of Rome wäre blass geworden vor Neid! Energiebildung, Kulturdialog und Utopien waren weitere Themen. Unsere Lieblingsthese stammt von Welzer. Sie zeigt, dass die Aufgaben in 2019 nicht unbedingt einfacher werden als die in 2018: „Denn es könnte sein“, schrieb er, „dass die Gegenwart für den Westen gerade deshalb so fatal aussieht, weil er seit Jahrzehnten versäumt hat, Zukunft zu denken.“

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Kategorien: Allgemein
Schlagwörter: Deutsches Museum, Düsseldorf, Energieavantgarde Anhalt, Jahresrückblick, Manifesta, Power to Idea, Richard David Precht, Stefano Cagol, Stephan Muschick, VISIT, Visit-Künstler und VISIT-Stipendium


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