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Beitrag: Aha-Effekte mit der Dampfmaschine: Fazit der Ausstellung „Energiewenden – Wendezeiten“

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13. Dezember 2018

Aha-Effekte mit der Dampfmaschine: Fazit der Ausstellung „Energiewenden – Wendezeiten“

Noch bis zum 20.12. können Besucher in der Ausstellung Energiewenden – Wendezeitendie Geschichte der Stromerzeugung hautnah erleben. Kurz bevor die Tore endgültig schließen, feiert das Industriemuseum des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) in der Zinkfabrik Altenberg das Ende der Ausstellung mit einer Finissage am 16.12. Museumsdirektor Dr. Walter Hauser zieht im Interview eine positive Bilanz und spricht über verblüffende Besucherreaktionen und das tonnenschwere Highlight der Ausstellung.

Herr Hauser, welches Exponat zog die meiste Aufmerksamkeit auf sich?

WALTER HAUSER: Am längsten blieben Besucher wohl vor der 150 Jahre alten Pleuelstange stehen, die Mitte des 19. Jahrhunderts auf der Zeche Oberhausen die für damalige Verhältnisse ungeheure Kraft der Dampfmaschine in den Schacht übertrug. Das liegt sicher an ihrer beeindruckenden Größe und Masse, aber auch daran, dass sie aufgrund ihrer besonderen Geschichte einen Aha-Effekt hervorruft. An ihr wird greifbar, wie die fossile Energie und die Erfindung der Dampfmaschine vor 200 Jahren die Welt für immer veränderten.

„Der Prozess einer Energiewende ist eigentlich gar nichts neues.“

Besucher konnten sich auf eine Zeitreise durch 150 Jahre Energiegeschichte begeben: von der Dampfmaschine über die Schaufel eines Tagebaubaggers bis hin zum Leitstand eines Atomkraftwerks. Was blieb hängen?

Die Erkenntnis, dass der Prozess einer Energiewende eigentlich gar nichts neues ist. In unserer Geschichte gab es davon schon viele, speziell im Energieland Nordrhein-Westfalen. Hier haben sich verschiedene Energie-Dramen der letzten 200 Jahre abgespielt. Heute stehen wir zwar vor einer völlig anderen Herausforderung, die sich aber durch Beispiele aus früheren Zeiten einordnen lässt. Das zu erfahren, war für viele erstaunlich.

Konnten Sie im Rahmen der Ausstellung ein besonderes Interesse an erneuerbaren Energien feststellen?

Grundsätzlich brachten die meisten Besucher natürlich schon ein gesteigertes Interesse am Thema Energiewende und erneuerbaren Energien mit. Entsprechend war auch einiges an Vorwissen da. Die besondere Entdeckung bestand für sie eher darin, sich mit der Geschichte der Energiegewinnung zu beschäftigen und durch den historischen Kontext einen ganz neuen Blick auf die aktuellen Entwicklungen zu bekommen.

Welches Feedback zur Ausstellung ist bei Ihnen besonders hängen geblieben?

Das waren weniger einzelne Feedbacks als schlicht die Tatsache, dass die Reaktionen so positiv waren – völlig unabhängig von der jeweiligen energiepolitischen Agenda. Die positive Wahrnehmung der Ausstellung wurde also nicht durch die eigene Position zu klassischen und erneuerbaren Energien beeinflusst – egal ob der Besucher die Energiewende aktiv vorantreibt oder ihr eher skeptisch gegenüber steht.

Wie steht es um den Bildungsstand der Deutschen zum Thema Energiewende?

Mein Eindruck war, dass die Energiewende in den Köpfen der Menschen schon sehr präsent ist. Sofern man unsere Museumsbesucher als Stichprobe betrachten kann, ist Vorwissen vorhanden und einige haben sogar sehr spezifisches Wissen zu einzelnen Aspekten. Außerdem konnte ich bei vielen besonderes Interesse feststellen, mehr zu den aktuellen Vorgängen, Techniken und Entwicklungen zu erfahren.

„Eher kritisch wird das Thema Smart-Grid gesehen, da gab es ein klares Besucher-Feedback.“

Gab es auch kritische Stimmen?

Eher kritisch wird das Thema „Intelligente Stromsysteme“ (Smart-Grid) gesehen, da gab es ein klares Besucher-Feedback. Einige befürchten hier mangelnde Transparenz und eine potentielle Netz-Überwachung durch neue digitale Technologien. Hier ist noch deutliche Skepsis spürbar, gerade was den Schutz der Privatsphäre und die Datensicherheit angeht. Aus meiner Sicht haben die Besucher da einen wunden Punkt der Energiewende angesprochen, für den wir in Zukunft gute Antworten brauchen. Schließlich lassen sich mithilfe von Smart-Net-Systemen theoretisch ganze Tagesabläufe rekonstruieren.

Mit der Finissage am 16.12. beendet das LVR offiziell seine Ausstellung zur Energiewende, die seit Oktober 2017 läuft. Welches Fazit ziehen Sie rückblickend für den gesamten Zeitraum?

Die Ausstellung war aus verschiedenen Gründen ein Experiment und mein Fazit ist absolut positiv. Sich als Museum an einem so brandaktuellen und politisch heißen Thema zu versuchen, ist ja nicht wirklich üblich. Hier haben wir das aber ganz offensiv gemacht und dafür sehr gute Reaktionen von unseren Besuchern erhalten. Für uns war es also eine spannende Erfahrung, an die wir in Zukunft gerne anknüpfen würden.

Info: Die Ausstellung Energiewenden – Wendezeitenist noch bis einschließlich 20. Dezember 2018 im LVR-Industriemuseum in Oberhausen zu sehen. Am 16.12. lädt das Museum zu einer Finissage für alle Altersgruppen.

 

Fotos: Jürgen Hoffmann, © LVR-Industriemuseum

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Kategorien: Allgemein
Schlagwörter: Ausstellung, Energiewende, Industriemuseum, LVR Museum, Walter Hauser und Wendezeiten


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