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7. Dezember 2018

Micro Energy Harvesting – Martin Hesselmeier

… über kleinste Energiemengen, Darstellungsformen und darüber, wie lange man Radfahren muss, um einen Toast zu machen.

Dass Kunst und elektrische Energie spektakuläre Symbiosen eingehen können, zeigt Martin Hesselmeier nicht erst seit seinem Gewinn des „International Light Art Awards‟ in Zusammenarbeit mit Andreas Muxel und anderer Preise. Seine Werke und Installationen beschäftigen sich mit den Grenzen menschlicher Wahrnehmung und begeistern weltweit. Ausstellungen in São Paulo, Moskau, Berlin, Istanbul, Mexico City und London gehören heute ebenso zu seiner Vita, wie der Wunsch, nie stehen zu bleiben und ständig Neues zu versuchen. So auch bei seinem aktuellen Projekt, das die innogy Stiftung unterstützt. Welche Rolle Energie in der Kunst spielt, wie seine Arbeit die Brücke zwischen Kunst und Wissenschaft schlägt und was das alles mit einem Solartaschenrechner zu tun hat, verrät er im Interview.

Herr Hesselmeier, womit beschäftigen Sie sich im Moment?

MARTIN HESSELMEIER: Mit „Energy Harvesting‟, also wörtlich übersetzt: mit dem Ernten von Energie. Es geht darum, die Gewinnung kleinster Mengen elektrischer Energie zum Beispiel aus Umgebungstemperatur, Vibration und Luftströmung zu erfassen und anschließend für ein Publikum erlebbar zu machen.

Im Kontext Ihres Projekts, das die innogy Stiftung unterstützt, spielt das Prinzip der allgegenwärtigen Existenz potenzieller Energie eine zentrale Rolle. Was ist das?

Nach diesem Prinzip arbeitet beispielsweise die Atmos-Uhr, die im Jahr 1928 entwickelt wurde und das wohl erste Beispiel eines Energy-Harvesting-Systems darstellt. Dafür nutzte man damals schon Energie, die bei Temperaturschwankungen entsteht. Ganz ohne externe Energiequellen – ähnlich wie ein Taschenrechner, der Solarenergie nutzt und sich selbst versorgt. Und da wir ständig von Energie umgeben sind, können wir sie mit den richtigen Methoden auch überall sensorisch abgreifen. Die Mengen an Energie, die dabei messbar werden, sind in der Regel natürlich sehr gering. Indem wir sie über einen längeren Zeitraum sammeln, lassen sich aber auch solche vergleichsweise ineffizienten Energiequellen nutzen.

Wie weit sind Sie mit Ihrer Arbeit?

Ich befinde mich noch in der Konzeptionsphase und prüfe, welche Versuche sich auch praktisch umsetzen lassen. Letzte Woche habe ich mich beispielsweise in Köln mit einem Elektrotechniker getroffen und erste Tests durchgeführt. Es ging darum, sogenannte Piezoelemente zu nutzen, um mit Hilfe von Druck Energie zu erzeugen und damit eine LED zum Leuchten zu bringen.

„Lichtkunst kann eine Faszination für das Kraftpotenzial von Energie schaffen.“

Welche Rolle spielt Energie heute in der Kunst?

Das kommt ganz darauf an. Natürlich kann Lichtkunst eine Faszination für das Kraftpotenzial von Energie schaffen, wenn Installationen besonders groß und hell sind oder Dinge sehr präzise darstellen. Andererseits können so Probleme wie die Lichtverschmutzung durch immer heller strahlende Städte kritisch hinterfragt werden. Energie kann aber auch eine andere Rolle einnehmen und ein Bewusstsein dafür schaffen, wie viel davon eigentlich benötigt wird, um Prozesse am Laufen zu halten. Lässt man beispielsweise Menschen beim Fahrradfahren Energie erzeugen und zeigt ihnen dann, dass das gerade einmal für einen halben Toast reichen würde, werden Themen wie der Energieverbrauch viel greifbarer.

Sie verwenden den Begriff „Micro Energy Harvesting‟. Was bedeutet das?

Der Begriff umschreibt die Gewinnung kleiner Mengen an elektrischer Energie aus Quellen wie Umgebungstemperatur, Vibration oder Luftströmung mit Nanogeneratoren. Das sind kleinste Energiekonverter, die aus ihrer direkten Umgebung Energie ernten, sammeln und umsetzen können.

„Für mich ist die wissenschaftliche Arbeit ein Prozess, mit dem Ziel, die Ergebnisse in künstlerischer Form erlebbar zu machen.“

Sie wollen auch eine wissenschaftliche Arbeit erstellen. Worum geht es darin und wie wollen Sie damit die Brücke zur Kunst schlagen?

Für mich ist die wissenschaftliche Arbeit ein Prozess, dessen Ziel es sein muss, die Ergebnisse meiner Forschung am Objekt in künstlerischer Form erlebbar zu machen. Natürlich auch um zu sehen, ob sich die Theorie für meine praktischen Ideen und den Bereich Kunst überhaupt eignet. Dass sie in anderen Bereichen funktioniert, sieht man heute sogar am Markt. Es gibt Lichtschalter, die durch den Druck beim Ein- und Ausschalten genug Energie umsetzen, um ihre Funktion zu erfüllen. Das Licht geht dann also an, ohne dass im Prozess vom Schalter zur Lampe Batterien oder Kabel eine Rolle spielen.

Wissen Sie schon, wie Sie die Ergebnisse darstellen wollen?

Im Moment ist das noch offen, da ich noch nicht weiß, wie viel Energie ich mit den Nanogeneratoren gewinnen kann. Ein interessantes Feld, bei dem ich verschiedene Experimente durchführen werde. Wenn es zum Beispiel fünf Jahre dauern würde, um so eine LED zum Leuchten zu bringen, wird denke ich jedem klar, wie wichtig der Umgang mit Energie ist.

 

Foto: Thomas Wiuf Schwartz

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Kategorien: Kultur
Schlagwörter: ILAA, Lichtkunst, Martin Hesselmeier und Micro Energy Harvesting


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