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Beitrag: Die Energiewende voranbringen – Teil 4: Aus einer Idee wird eine Institution

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23. November 2018

Die Energiewende voranbringen – Teil 4: Aus einer Idee wird eine Institution

Die Initiative „Think Lab: Energie – Gesellschaft – Wandel“, die wir gemeinsam mit der Stiftung der Deutschen Wirtschaft fördern, geht in eine neue Runde. Acht Teams arbeiten in gemeinnützigen Projekten daran, die Energiewende umzusetzen. Das tun sie vor Ort, denn hier fängt der Wandel an. In unserer Interviewserie stellen wir Ihnen die Projekte vor, die das Think Lab dieses Jahr unterstützt.

Projekte in Europa und Asien haben wir Ihnen schon vorgestellt, nun geht es nach Afrika. „Brücken bauen mit der Sonne – Time to Transfer“ wurde bereits in der letzten Think Lab-Runde gefördert. Projektleiter Jörn Schaube bildet gemeinsam mit dem Lessan e.V. Migranten in Deutschland zu Solarbotschaftern aus. Diese wenden ihr neu erworbenes Wissen dann in ihrer Heimat an. Im Interview schildert er uns, wie sein Team auf den Erfolgen aufbauen möchte.

Was ist seit dem letzten Think Lab passiert?

Jörn Schaube: Letztes Jahr haben wir viel vorgearbeitet, haben insgesamt elf Männer und Frauen darin ausgebildet, wie man Solaranlagen baut und betreibt. Sie sind nun Solarbotschafter. Und wir haben Kontakte zu Partnerprojekten in Afrika geknüpft, in Kenia, Tansania und Benin. Jetzt wollen wir mit den Botschaftern vor Ort arbeiten.

Wie sieht diese Arbeit aus?

Der Schwerpunkt soll weiterhin auf einem „Training of the trainers“ liegen. Wir bringen also den Ausbildern bei, wie man eine Photovoltaikanlage plant und wirtschaftlich betreibt. Das ergänzt die Schulungen in Deutschland. Am Berufsschulzentrum Kiini Institut in der Stadt Chuka, im Tharaka-Niti County, in Kenia erwerben die Auszubildenden außerdem einen staatlichen Abschluss. Wir möchten zudem darauf hinarbeiten, dass sie anschließend einen Arbeitsplatz im Bereich Solarenergie finden.

 

 

Mit kleinen Solarsystemen kann man Lebensmittel und Medikamente kühlen

Sie arbeiten von Hamburg aus. Wie können Sie dennoch vor Ort helfen?

Trotz der Distanz beraten wir die Menschen, wie sie eigene Geschäftsmodelle entwickeln können. Ich habe einige Kontakte in der Solarbranche und vermittle zwischen Unternehmen, die bereits im kenianischen Solarmarkt aktiv sind und den Auszubildenden im Institut. Weil wir nicht kontinuierlich vor Ort sein können, arbeiten wir hauptsächlich zu.

In Kenia arbeiten Sie mit einem etablierten Ausbildungszentrum zusammen. Wie sieht es in Benin aus?

Dort gibt es eine Nichtregierungsorganisation und wir haben gute Kontakte zum Bildungsministerium. Wir helfen von Hamburg aus konzeptionell, um ein Berufsschulzentrum wie das in Kenia aufzubauen. Dort werden die von uns ausgebildeten Botschafter unterrichten.

Kenia ist also das Vorbild?

Genau. Es soll als Blaupause für weitere Projekte dienen. In Kenia sehen wir, was bereits gut funktioniert und wo wir noch nachbessern müssen. Diese Erkenntnisse wollen wir auf neue Standorte übertragen. Wir tauschen uns viel mit den kenianischen Kollegen aus, und profitieren von ihrer Erfahrung und ihrem Know-How.

Auch in Tansania sind Sie aktiv. Woran arbeiten Sie dort?

Im Nordosten des Landes liegt die Insel Juani Island. Die Menschen leben dort sehr bescheiden und es fehlt ihnen auch an Energie. Wir entwickeln nun ein solares Versorgungskonzept, das lokale Wirtschaftskreisläufe anstoßen soll. Beispielsweise werden mit der gewonnenen Energie Kühlschränke betrieben, so dass verderbliche Lebensmittel länger halten oder wichtige Medikamente gelagert werden können.

„Pole pole!“

Stoßen Sie bei Ihrer Arbeit in diesen Ländern auf viele bürokratische Schwierigkeiten?

Das erste, was ich in Afrika gelernt habe, war „pole pole!“. Das ist Swahili und heißt: „Langsam, langsam!“. Alles dauert einfach sehr viel länger als in Deutschland. Ein Beispiel: Als Besucher im Nationalpark zahlt man pro Tag 25 Dollar. Wir wollen nun unsere Mitarbeiter in Juani von dieser Gebühr befreien lassen – doch der Vorgang dauert mitunter viele Wochen. Das war gewöhnungsbedürftig, aber inzwischen haben wir uns mit dem Tempo arrangiert.

Man braucht also viel Verständnis?

Verständnis und Geduld. Die kulturellen Unterschiede muss man dringend berücksichtigen. Deshalb haben wir auch Menschen für die Ausbildung der Botschafter gesucht, die kulturell vermitteln können. In Kenia hatten wir beispielsweise mal die Situation, dass die deutschen Teammitglieder bei einem Projekt auf all die fehlenden Dinge aufmerksam gemacht haben. Die kenianischen Kollegen stattdessen auf all das, was sie bereits geschafft haben. Man spürte einen deutlichen Unterschied in der Betrachtungsweise.

Wie waren die Rückmeldungen der ersten Auszubildenden?

Sehr positiv. Die Teilnehmer fanden den Stoff verständlich und konnten viel mitnehmen. Sie fühlen sich auf die Aufgaben gut vorbereitet. Kürzlich habe ich eine WhatsApp-Nachricht zweier unserer Botschafter bekommen. Sie haben in ihrem Heimatland Kamerun eine Solarstation installiert, die sie aus Europa mitgebracht hatten. Auf den Fotos war zu sehen, wie sie die Station an einen Farmer übergeben. Das ist natürlich toll: wir geben hier in Hamburg eine Schulung und in Kamerun entsteht daraus eine kleine Solaranlage.

Aus einer Idee wird eine Institution

Wird die Ausbildung der Solarbotschafter in Deutschland fortgesetzt?

Auf jeden Fall. Wir haben ja bereits viel erarbeitet, wodurch der Aufwand für jeden weiteren Auszubildenden sinkt. Allerdings wird das Projekt auch immer größer, weshalb wir uns eine neue Struktur überlegen müssen. Wir wollen es jetzt in einen Verein umwandeln. Aus der ursprünglichen Idee wird etwas wirklich Großes.

Das wünscht man sich sicher, wenn man so ein Projekt startet.

Absolut. Nachdem ich im Juni auf dem Think Lab Dialog den Zwischenstand vorgestellt habe, sind Teilnehmer anderer Think Lab-Projekte zu mir gekommen, weil sie bei uns mitarbeiten möchten. Ich freue mich sehr über die Unterstützung und, dass unsere Idee dadurch immer weiter wachsen kann.

Das Projekt steht unter der Schirmherrschaft von Jens Kerstan, Senator für Umwelt und Energie der Freien und Hansestadt Hamburg, sowie Prof. Dr. Miranda Schreurs, Professorin für Environmental and Climate Policy an der Hochschule für Politik an der TU München. Am 13. November 2018 wurden in Hamburg die ersten ausgebildeten Solarbotschafter feierlich ausgezeichnet. Besonderes Highlight war dabei die Rede von Dr. Youba Sokona vom Weltklimarat der Vereinten Nationen zum Thema „Climate mitigation in Africa and the role of renewable energies“.

 

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Lesen Sie auch:

Teil 1: Die Energiewende voranbringen – „Eine internationale Energiewende ohne China wird nicht funktionieren“

Teil 2: Die Energiewende voranbringen – „Energie am eigenen Leib erfahren”

Teil 3: Die Energiewende voranbringen – „Individuelle Förderungen statt Gießkannenprinzip“

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Kategorien: Bildung
Schlagwörter: Stiftung der Deutschen Wirtschaft und Think Lab


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