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Beitrag: Die Energiewende voranbringen – Teil 3: Individuelle Förderungen statt Gießkannenprinzip

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1. Oktober 2018

Die Energiewende voranbringen – Teil 3: Individuelle Förderungen statt Gießkannenprinzip

Die von uns geförderte Initiative mit der Stiftung der Deutschen Wirtschaft „Think Lab: Energie – Gesellschaft – Wandel“ geht in eine neue Runde. Acht Teams arbeiten in gemeinnützigen Projekten daran, die Energiewende umzusetzen. Das tun sie vor Ort, denn hier fängt der Wandel an. In unserer Interviewserie stellen wir Ihnen die spannenden Projekte vor, die das Think Lab dieses Jahr unterstützt.

Im dritten Teil präsentieren wir Ihnen das Projekt „Energieeffizienz in deinem Zuhause – Der persönliche Transparenzcheck mit Einspargarantie“. Dennik Baltuttis und Christian Wiethe sind Masterstudenten für Finanz- und Informationsmanagement. Sie wollen die Energiewende da anpacken, wo sie noch viel Potenzial sehen: Bei den Menschen zuhause. Unterstützt werden die beiden dabei von den wissenschaftlichen Mitarbeitern Jannick Töppel und Timm Tränkler. Der deutsche Gebäudebestand birgt ein erhebliches Energieeffizienzpotential, das maßgeblich dazu beitragen kann, die deutschen Klimaschutzziele zu erreichen. Im Interview erklären Dennik Baltuttis und Jannick Töppel, wie das funktionieren soll.

Worum geht es in Ihrem Projekt?
Dennik Baltuttis: Unsere Projektidee befasst sich mit der energetischen Sanierung in privaten Wohngebäuden, da in diesem Bereich diverse Investitionshemmnisse dazu führen, dass Eigentümer die notwendigen Maßnahmen und Verhaltensanpassungen nur zögerlich umsetzen. Wir befragen Hauseigentümer, wie sie Energie nutzen, beispielsweise beim Heizen. Diese Daten werten wir aus, um jedem Teilnehmer ein individuelles Feedback zu geben. Mit Vorschlägen zur Optimierung und Evaluierung einer Einspargarantie im Vergleich zu seinem aktuellen Verbrauch. Mit so einem persönlichen Kontakt kann das Thema Energieeffizienz wesentlich greifbarer werden, als wenn nur auf politischer oder wissenschaftlicher Ebene darüber diskutiert wird.

Wie offen sind die Menschen für so eine persönliche Beratung?
Jannick Töppel: Wir beraten ja nicht im klassischen Sinne. Wir wollen nichts verkaufen, sondern aufklären und Transparenz schaffen. Als wir unsere Fragebögen getestet haben, bekamen wir von vielen Teilnehmern ganz konkrete Nachfragen. Daran erkennen wir nicht nur, dass ein Interesse vorhanden ist, sondern auch, dass es viele Spezialfälle gibt, z.B. was die unterschiedlichen Wohnsituationen angeht.

Sie wollen den Teilnehmern eine Art Einspargarantie geben. Wie sieht die aus?
Töppel: Eine direkte Garantie können wir den Teilnehmern im Rahmen des Projektes leider nicht geben. Eine konkrete Maßnahme dafür wäre aber beispielsweise die Schaffung einer Versicherung, die einen Eigentümer entschädigt, wenn die erwarteten Einsparungen nach einer Sanierung nicht eingetreten sind. Wir schätzen ab, ob so ein Energieeinspar-Projekt rentabel ist.

Baltuttis: So können sich die Teilnehmer beispielsweise ausrechnen, wie hoch das Sparpotential einer energetischen Sanierung ist und ob es sich für sie lohnt. Etwa, von einer klassischen Öl-Heizung auf ein Pellet-Heizsystem umzustellen. Wenn sie diese Informationen dann einer Bank vorlegen, können sie aufzeigen, dass sich ihre Investition lohnt. Das erleichtert die Bewilligung eines Kredits.

Viele brauchen also einen Kredit, um die Kosten zu decken. Gibt es dafür keine Förderungen?
Baltuttis: Doch, es gibt Unterstützung von der Politik. Aber die beschränkt sich momentan noch auf günstiges Geld oder Zuschüsse zu Krediten. Das ist wichtig, reicht uns aber nicht. Wir wollen gezielter auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen. Ein Beispiel: Eine Familie hat in ihrem Haus ein Problem mit der Heizung und bekommt Geld für eine Sanierung. Doch das allein wird sie nicht unbedingt davon überzeugen, ihren kompletten Energieverbrauch zu überdenken. Hier setzen wir an. Wir gehen auf die individuelle Situation der Familie ein und informieren sie, anstatt Geld nach dem Gießkannenprinzip zu verteilen.

Was müsste der Staat neben finanzieller Unterstützung noch leisten?
Töppel: Die Energiewende kann nur gelingen, wenn alle zusammenarbeiten, die Innovationen schaffen. Es muss ein besserer politischer Rahmen bestimmt und energetische Investitionen zielgerichteter gefördert werden. Besonders wichtig ist die Aufklärungsarbeit, um ein Bewusstsein in der Gesellschaft zu schaffen. Davon müssen wir viel mehr leisten. Wenn all diese Maßnahmen zusammenspielen, dann können wir die Energiewende in Deutschland möglich machen.

Wie kamen Sie auf die Idee zu Ihrem Projekt?
Baltuttis: Bei Unternehmen gibt es bereits ähnliche Ansätze, um Energieeffizienz-Projekte voranzubringen. Beim „Energy Performance Contracting“ kümmern sich Energie-Dienstleister um große Anlagen. Sie planen, bauen und warten diese, und garantieren den Investoren zusätzlich eine gewisse Rentabilität bzw. Energieeinsparung. An der Uni arbeiten wir wissenschaftlich in diesem Themenbereich und sind im Rahmen eines Forschungsprojekts zu Energieeffizienzgarantien nach China gereist. Dort haben wir unsere Ergebnisse vorgestellt und bekamen viel positives Feedback. Beim Think Lab möchten wir das Verfahren nun auf den privaten Bereich übertragen und um eine persönliche Komponente erweitern.

Weshalb haben Sie sich für eine Förderung durch das Think Lab entschieden?
Töppel: Das Think Lab ist ein sehr interessanter Rahmen für Projekte wie unseres. Die Förderung ist super, aber ebenso wichtig ist, dass wir uns mit anderen Leuten aus dem Energiebereich austauschen können. Hinzu kommt, dass das Think Lab eine außergewöhnliche Plattform ist, auf der man seine Ideen sehr vielen Menschen präsentieren und sie gemeinsam diskutieren kann.


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Lesen Sie auch:

Teil 1: Die Energiewende voranbringen – „Eine internationale Energiewende ohne China wird nicht funktionieren“

Teil 2: Die Energiewende voranbringen – „Energie am eigenen Leib erfahren”

Teil 4: Die Energiewende voranbringen – Aus einer Idee wird eine Institution

Teil 5: Die Energiewende voranbringen – „Der gesamtgesellschaftliche Dialog fehlt“

Teil 6: Die Energiewende voranbringen – Spielend ein Gefühl für Stromverbrauch entwickeln

Teil 7: Die Energiewende voranbringen – Nachhaltig leben statt denken

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Kategorien: Bildung
Schlagwörter: Stiftung der Deutschen Wirtschaft und Think Lab


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