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18. September 2018

Fake Star: „Wir wissen nicht mehr, was wirklich wahr ist“

Die Ausstellung „Im Zweifel für den Zweifel: Die große Weltverschwörung“ vom 21. September bis 18. November im NRW-Forum Düsseldorf steht unter einem besonderen Stern. Hoch über dem Gebäude wird dort der „Fake Star“ schweben, eine Licht-Installation des Künstlertrios Julius von Bismarck, Richard Wilhelmer und Benjamin Maus. Im Interview erklärt uns Richard Wilhelmer, was es damit auf sich hat.

Wie ist der „Fake Star“ konstruiert?
Es ist ein Winddrache, der seine Energie aus der Naturgewalt bekommt. In unserem Fall ist es der Wind. Propeller-Generatoren, die auf dem Drachen angebracht sind, versorgen eine LED-Lampe. Uns hat das Thema interessiert, weil Sonnen- und Windenergie die Menschen abhängig von der Natur machen. Wo kein Wind weht, schwebt auch kein „Fake Star“. Sich damit zu beschäftigen, ist eine spannende technische Herausforderung.

Wofür steht Ihr Kunstwerk?
Die Idee war, einen Stern nachzumachen, zu fälschen. Passend zum postfaktischen Zeitalter. Es geht um das Thema Fake, es geht um Wahrheit. Und es geht darum, zu hinterfragen, was wir überhaupt noch glauben können. Sterne sind ja ein Symbol für Wahrheit. Sie geben uns Orientierung, weisen in die Zukunft und waren seit jeher ein Navigationssystem. Sie sind sozusagen eine feststehende Wahrheit. Unser Kunstwerk hinterfragt dieses Symbol und stellt zugleich die Wahrhaftigkeit aller Sterne am Himmel in Frage. Genauso geht es uns in der heutigen Zeit mit Nachrichten, Tatsachen und Fakten. Wir wissen nicht mehr, was wirklich wahr ist. Dafür steht der Stern und er macht damit den ganzen Himmel zur Ausstellung.

Warum stellt der „Fake Star“ die Wahrhaftigkeit der echten Sterne in Frage?
Das macht das Projekt so stark. Es reicht ja die Behauptung, dass es einen falschen Stern gibt. Selbst wenn es gar keine Kunstinstallation gäbe. Denn um das zu kontrollieren, muss man bewusst in den Himmel schauen. Und die Menschen würden sich bereits mit dem Thema auseinandersetzen. Egal, ob der „Fake Star“ nun da ist oder nicht. In der Ausstellung geht es ja um das große Thema Verschwörung und Verschwörungstheorien. Vor einigen Jahren glaubten nur Leute daran, die irgendwelchen Mythen und Behauptungen nachhingen. Heute haben aber ganz viele Menschen Meinungen angenommen, die vorher als Behauptungen galten. So wurden Verschwörungstheorien fast schon salonfähig.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Sie entstand aus der Auseinandersetzung mit dem Thema Energie. Wir wollten, dass sich das Kunstwerk aktiv in Form und Konstruktion mit Umwelt und Energie beschäftigt. Die Energieavantgarde Anhalt, die von der innogy Stiftung gefördert wird, hat das Projekt dann ins Leben gerufen. Es gab eine Ausschreibung für ein Kunstwerk zur Datenvisualisierung. Der „Fake Star“ ist zwar eher eine Themenvisualisierung, aber da er ein Energiethema ist, hat er die Jury überzeugt.

Wo liegen die Schwierigkeiten bei diesem Kunstwerk?
Es ist eine ständige Herausforderung und ein ständiger Rückschlag. Wir haben viel experimentiert, der Drache wird vielleicht auch mal nicht steigen oder abstürzen. Das weiß man vorher nicht. Man kann ihn auf geringe Windlasten konzipieren, dann hält er aber starkem Wind nicht stand. Oder man legt ihn für starke Windlasten aus, dafür steigt er dann aber seltener. Das Kunstwerk setzt sich diesen Naturgewalten aus, genau das macht es so aufregend.

Beim „Fake Star“ kommt viel Technik zum Einsatz. Wie wichtig ist diese in der Kunst?
Beide Bereiche sind eng verbandelt, weil wir in einer technologisierten Gesellschaft leben. Dass sich auch die Kunst mit Technologie und Technik auseinandersetzt, halte ich für ganz natürlich und spannend.

Was passiert nach der Ausstellung mit dem „Fake Star“?
Ich würde mich freuen, wenn er seinen Weg weitergeht, wenn er weiterreist. Für Julius von Bismarck, Benjamin Maus und mich ist es das zweite gemeinsames Kunstwerk. Das erste hat uns über zehn Jahre verbunden, weil es immer noch gefragt ist.

Verschwörungstheorien, Fake News und alternative Fakten haben Konjunktur in Zeiten des Umbruchs, denn Krisenzeiten sind Verschwörungszeiten. „Im Zweifel für den Zweifel: Die große Weltverschwörung“ ist eine internationale Gruppenausstellung, die die Macht konspirativer Erzählungen sichtbar macht und zu kritischem Zweifeln anregt. Die Ausstellung findet vom 21. September bis zum 18. November 2018 im NRW-Forum Düsseldorf statt.

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Kategorien: Kultur
Schlagwörter: Fake Star, Kunst und NRW-Forum


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