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9. August 2018

Power Shifts: Wie junge Menschen Politik machen können

Im Rahmen des Europäisches Jugendparlament (EJP) diskutieren junge Menschen über europäische Politik. Das Projekt Power Shifts sorgt dafür, dass dabei auch über Energiethemen gesprochen wird. Im Interview erklärt die neue Projektleiterin Helena Karnitskaya, wie Europa dadurch zum Vorreiter bei der Energiewende werden kann.

Frau Karnitskaya, welches Ziel verfolgen Sie bei Power Shifts?
Themen rund um die Energie sind immer hochkomplex und polarisierend. Wir wollen mit Power Shifts jungen Europäern helfen, das Thema zu verstehen und ihnen eine Plattform für Diskussion und Austausch geben. Und wir möchten ihnen zeigen: Euer Engagement macht einen Unterschied! Dafür nutzen wir das EJP. Wir verankern energiebezogene Themen auf verschiedenen Ebenen: Es gibt pro Jahr drei internationale Treffen mit jeweils rund 300 Teilnehmern. Zusätzlich finden in ganz Europa kleinere Treffen mit insgesamt rund 1.000 Beteiligten statt. Es kommen also während der dreijährigen Projektphase etwa 6.000 junge Menschen zusammen und diskutieren über energiepolitische Themen.

Was passiert außerdem bei diesen Treffen?
Die Teilnehmer des EJP erfahren ganz praktisch, was es heißt, in interkulturellen Teams zusammenzuarbeiten. Gemeinsam halten sie fest, was in den jeweiligen Themenbereichen gut läuft und wo es hakt. Hier treffen verschiedenste Meinungen aufeinander, aber am Ende geht es darum, sich zu einigen und Kompromisse zu finden. Die Teilnehmer setzen eine Resolution auf, über die in einem parlamentarischen Prozess abgestimmt wird.

Power Shifts prägt eine neue Generation an Europäern

Aber wie erreicht die Resolution die Politiker? Denn die entscheiden ja schließlich.
Bei vielen unsere Veranstaltungen haben wir prominente Politiker und Entscheidungsträger aus verschiedenen Bereichen zu Gast, mit denen unsere Teilnehmer den Dialog aufnehmen. Einerseits geben die Experten ihre Ratschläge weiter, aber sie hören auch die Meinungen der Jugendlichen an und sind häufig beeindruckt. Außerdem haben nach 30 Jahren EJP tausende junge Europäer unser Programm durchlaufen – viele davon sitzen heute an Schaltstellen in Politik, Wirtschaft oder Forschung. Auch mit diesen Alumni bringen wir unsere Teilnehmer und ihre Resolution ins Gespräch.

Reicht so eine Resolution junger Menschen aus, um etwas zu verändern?
So ein Prozess ist langwierig. Selbst Politiker haben Probleme, in einer einzigen Wahlperiode ihre Vorhaben umzusetzen. Ob unsere Resolutionen etwas verändern, ist daher nach den ersten drei Jahren noch nicht absehbar. Aber ich bin mir sicher, dass wir nach der nächsten Power Shifts-Runde, also nach dann insgesamt sechs Jahren, schon erkennen können, welche Ideen aufgenommen werden. Viel wichtiger als die Resolutionen ist der übergreifende Verständigungsprozess, den wir anstoßen. Wenn junge Menschen lernen, sich einzumischen und auf Augenhöhe mit Entscheidungsträgern diskutieren können, dann ist das ein echter Game Changer.

Woran liegt es, dass die Energiewende in Europa immer wieder stockt?
Vor allem daran, dass man sich auf politischer Ebene nicht einig ist, welcher Weg richtig ist. Es braucht Wissen und Mut, den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzutreiben. Wenn man sich aber nicht auskennt, kann man schlecht entscheiden. Deswegen möchten wir mit Power Shifts eine neue Generation an Europäern prägen. Eine Generation, die weiß, worum es geht. Eine Generation, die ein besseres Verständnis für die Zusammenhänge hat und die unser Europa formen kann. Denn wenn die Energiewende in Europa funktioniert, dann ist das ein starkes Signal auch für die Weltgemeinschaft: gemeinschaftlich können wir diese riesige Herausforderung meistern.

Mehr als diskutieren und Resolutionen verabschieden

Sie sagten, es brauche Wissen, um die Energiewende voranzutreiben. Gibt es das bisher nicht?
Nicht überall. Es fehlt oft an Bildungsarbeit. Viele Menschen wissen immer noch nicht, wie gut alternative Energien im Vergleich zu den herkömmlichen Ressourcen wie Öl und Kohle sind. Mit Power Shifts können wir bei der jungen Bevölkerung eben diese Bildungsarbeit leisten. Im Rahmen des EJP tauschen sich die jungen Menschen aus und lernen andere Perspektiven kennen und verstehen. Gleichzeitig geben wir ihnen einen Einblick in die politische Realität. Den braucht man, um zu begreifen, warum manche Prozesse in der Europäischen Union so langwierig sind. Und warum manche Vorhaben auch scheitern.

Power Shifts geht dieses Jahr in die zweite Runde. Welche Schlüsse ziehen Sie nach den ersten drei Jahren?
Wir wollen, dass junge Menschen sich eine Basis für eigene Entscheidungen schaffen können und nicht populistischen Tönen verfallen. Wenn uns das gelingt, dann haben wir schon ziemlich viel erreicht. Bereits jetzt gibt es einige tausend junge Menschen in Europa, die dank des Projekts schon wesentlich besser verstehen, was in der Energiepolitik abläuft – und die mit dem Thema Energie richtig positive Erlebnisse verknüpfen.

Warum haben Sie die Projektleitung bei Power Shifts übernommen?
In meiner Heimat Weißrussland habe ich schon 2006 begonnen, mich für das Europäisches Jugendparlament (EJP) zu engagieren. Hier konnte ich das erste Mal in meinem Leben mit anderen jungen Menschen frei und offen über Politik diskutieren. Das hat mich so geprägt, dass ich mein Studium danach ausrichtete und immer wieder für das EJP tätig war.

Sie können in dieser Position nunmehr neue Ideen einbringen. Was haben Sie vor?
Ich freue mich darauf, dieses spannende Projekt gemeinsam mit ehrenamtlichen Jugendlichen aus ganz Europa umzusetzen. Wir sind in fast 40 Ländern aktiv – alle Mitgliedsorganisationen werden die Möglichkeit bekommen, sich mit eigenen Projektideen zu Energiethemen zu bewerben. Die besten Ideen werden wir dann gemeinsam umsetzen.

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Kategorien: Bildung
Schlagwörter: Interview und Power Shifts


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