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9. August 2018

LVR-Museumsdirektor Walter Hauser: „In der Energiebildung ist noch viel Luft nach oben“

Noch bis zum 20. Dezember läuft die Ausstellung „Energiewenden – Wendezeiten“ im Industriemuseum des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) in Oberhausen. Die Ausstellung bereitet das Thema Energiewende nicht nur auf der technischen, sondern vor allem auf der gesellschaftlichen Ebene auf. Damit übernehme das Museum einen wichtigen Part in der Energiebildung vor Ort, erklärt Museumsdirektor Dr. Walter Hauser im Interview. Für Schulen sei es oftmals trotzdem schwierig, die Energiewende ausreichend zu thematisieren. Lesen Sie hier das ganze Interview.

Herr Hauser, die Ausstellung läuft seit Oktober 2017. Welches Fazit ziehen Sie bisher?
Wir erwarten, dass wir bis Dezember noch die 20.000-Besucher-Marke knacken. Für unseren Standort ist das eine ordentliche Zahl. Besonders, wenn man bedenkt, dass das Thema Energie immer schwierig ist. Die Menschen können sich nicht vorstellen, wie eine Ausstellung dazu aussehen könnte. Daher lassen es viele gleich sein. Ein tolles Lob habe ich letztens während einer Führung bekommen. Die Gruppe bestand aus einigen Grünen-Politikern, die sagten, dass sie sich selbst sehr viel mit dem Thema auseinandersetzen würden. Aber sie hätten nie gedacht, dass man daraus eine spannende Ausstellung erarbeiten könne. Vor allem, dass wir so abstrakte Zusammenhänge verständlich darstellen, ohne die typischen Windräder oder Photovoltaikzellen zu zeigen, sei toll.

„Jeder versteht sofort, welche Wucht die Kohle damals in die Region gebracht hat“

Was zeigen Sie stattdessen in der Ausstellung?
Wir haben auf eine frische, moderne Gestaltung geachtet. Zum Beispiel ziehen sich Leuchtbilder, ähnlich zu Comicstreifen, durch die gesamte Ausstellung. Zum anderen haben wir ein paar großartige Exponate, die einfach spannend sind und faszinieren. Das beginnt mit einer 150 Jahre alten Kolbenstange von einer der ersten großen Dampfmaschinen, die im Ruhrgebiet eingesetzt wurden. Man kann dazu tolle Geschichten erzählen und jeder versteht sofort, welche Wucht die Kohle damals in diese Region gebracht hat.

Wenn es um Energiewissen geht, besteht bei vielen Menschen Nachholbedarf. An wen richtet sich die Ausstellung besonders?
Einerseits liegt der Fokus auf interessierten Besuchern, wie etwa Menschen aus der Region, die beruflich oder persönlich mit Energie zu tun haben. Andererseits richten wir uns aber auch gezielt an Schulklassen. Wir haben eine ganze Reihe von Projekten mit unseren Partnerschulen– das läuft sehr gut. Manche haben auch permanente Kurse zum Thema Energie oder basteln etwas, das sie dann in unserer Zukunftswerkstatt zeigen dürfen.

Dr. Walter Hauser LVR Industriemuseum

Dr. Walter Hauser ist Direktor des LVR-Industriemuseums in Oberhausen.

„Das Bewusstsein für grundlegende Frage fehlt“

Denken Sie, dass das Thema Energiebildung in deutschen Schulen ausreichend vertreten ist?
Wenn es engagierte Lehrer gibt, die für das Thema brennen, dann funktioniert das unglaublich gut. Dann entstehen tolle Programme. Wir haben leider die Erfahrung gemacht, dass in der Masse nicht so viele Schulen auf die Thematik der Energiewende anspringen. Ich denke, dass in der Energiebildung tatsächlich noch einen Menge Luft nach oben ist. Ich merke das selbst bei den Führungen – das Wissen ist nicht wirklich da. Auch das Bewusstsein für grundlegende Fragen fehlt.

Wer ist Ihrer Meinung nach – neben den Museen – für eine stärkere Energiebildung zuständig?
Letztlich natürlich die Schulen. Wir machen ihnen ein unterstützendes Angebot, damit sie das Thema weiterführen können. Unser Anspruch war es, das Thema mal ein bisschen anders anzugehen. Im Gegensatz zu anderen Museen, die sich auf die technischen Punkte fokussieren, decken wir zusätzlich wirtschaftliche, gesellschaftliche und umweltspezifische Zusammenhänge ab. Das ist auch das Schwierige in der Energiebildung: Man kann sie nicht nur von einer einzelnen Warte aus betreiben, sondern muss fächerübergreifend unterschiedliche Disziplinen mit einbeziehen.

Mehr Freiräume und Flexibilität für Lehrkräfte

Müsste die Energie also stärker im Lehrplan verankert werden?
Wir haben eine Analyse gemacht, wo das Thema in Lehrplänen vorkommt und wo die Ausstellung andocken kann. Prinzipiell taucht das Thema Energie sehr oft auf, auch in mehreren Klassenstufen und verschiedenen Schularten. Für die Lehrer ist es aber schwierig, das Thema tatsächlich im Unterricht zu integrieren, selbst mit unserer Unterstützung. Für einen Museumsbesuch mit Vor- und Nachbereitung beispielsweise, muss man relativ viele Stunden aufwenden. Hier bräuchten die Lehrkräfte mehr Freiräume und Flexibilität in der Unterrichtsplanung.

Ein Fokus Ihrer Ausstellung sind die gesellschaftlichen Folgen der Energiewende. Wie zeichnen sich diese Folgen ab?
In dreierlei Hinsicht: Zum einen haben wir festgestellt, dass die Energiewende mit Verhaltensänderungen der Menschen zu tun hat. Das kann man gut an Konsumobjekten erkennen, etwa, als sich die Menschen Anfang des 20. Jahrhunderts ganz stolz ihre ersten elektronischen Haushaltsgeräte gekauft haben, und natürlich ganz offensichtlich an der Konsum- und Energieexplosion der Nachkriegszeit. Hier bedeutete Energie einen gewissen Lebensstil. Zum anderen hat Energie mit gesellschaftlicher Macht zu tun. Vor der Kohle waren es Landbesitzer, die die Macht hatten. Im fossilen Energiezeitalter hat Macht, wer die fossilen Bodenschätze besitzt. Die dritte Ebene ist die Veränderung unserer Landschaft. Kulturlandschaft war schon immer Energielandschaft und umgekehrt. Das kommt aktuell auch in der Diskussion über Windräder wieder auf. Wir zeigen, dass diese Diskussionen bereits eine lange Geschichte haben. Wer hat die Macht in der Gesellschaft? Wie kann eine Energiewende überhaupt ausgelöst werden? Und was hat all das mit dem Alltag der Menschen zu tun? Diese Fragen ziehen sich durch die ganze Ausstellung und setzen den speziellen Fokus.

Die Ausstellung „Energiewenden – Wendezeiten“ ist noch bis einschließlich 20. Dezember 2018 im LVR-Industriemuseum in Oberhausen zu sehen.

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Kategorien: Bildung
Schlagwörter: Energiebildung und LVR Museum


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