Blog

Beitrag: „Wir brauchen ein gesellschaftliches Bekenntnis zur Bedeutung von Kunst und Kultur“

Sie sind hier: Startseite » „Wir brauchen ein gesellschaftliches Bekenntnis zur Bedeutung von Kunst und Kultur“

5. Juli 2018

„Wir brauchen ein gesellschaftliches Bekenntnis zur Bedeutung von Kunst und Kultur“

Kunst im öffentlichen Raum ist zu einer festen Größe im kulturellen Diskurs geworden. Auch dank der Unterstützung öffentlicher Institutionen wie Urbane Künste Ruhr. Die jüngste Säule der Kultur Ruhr GmbH initiiert seit 2012 Projekte im öffentlichen Raum, Ausstellungen und Veranstaltungen, oft in Zusammenarbeit mit lokalen und internationalen Partnern. Britta Peters ist seit Januar 2018 die neue Künstlerische Leiterin von Urbane Künste Ruhr. Sie fordert das Recht auf Zugang zu Kunst und Kultur im Grundgesetz zu verankern.

Frau Peters, welche Rolle spielt Kunst im öffentlichem Raum heutzutage?
Sie begegnet einem häufig zufällig. Viele machen sich nicht bewusst auf den Weg zur Kunst, wie beim Besuch einer Ausstellung oder eines Museums. So treffen auch Menschen auf Kunst, die vielleicht noch gar nicht wissen, dass sie sich dafür interessieren. Es ist spannend zu sehen, wie Künstlerinnen und Künstler sich mit ihren Arbeiten in den urbanen Kontext einschreiben, ihn temporär verändern und andere Erfahrungen ermöglichen. So bei der Ausstellung „Von fremden Ländern in eigenen Städten“ in Düsseldorf. Hier wird Kunst in Geschäften, Wasch- oder Friseursalons ausgestellt. Es gibt Kunstwerke, die das Museum als Schutzraum benötigen. Viele Projekte und Installationen brauchen ihn aber auch nicht, sondern im Gegenteil: Sie profitieren enorm von den Zusammenhängen, die den Alltag prägen. Aber auch unabhängig davon, ob sie im Museum oder im öffentlichen Raum stattfindet, sollte Kunst öffentlich zugänglich sein. Die Möglichkeit zur Teilhabe ist ein Grundrecht.

Was bedeutet das?
So wie es ein Recht auf Bildung und freie Meinungsäußerung gibt, brauchen wir ein gesellschaftliches Bekenntnis zur Bedeutung von Kunst und Kultur. Darauf zu verzichten, wäre ein wahnsinniger Verlust. Das sollte im Grundgesetz verankert werden.

Nicht jeder teilt diese Meinung. Oft hört man einen Satz wie: „Das Geld für den Kunstkram hätte man auch sinnvoller verwenden können.“ Wie geht man mit dieser Kritik um?
Kunst im öffentlichen Raum ist eine Art Wahrnehmungsschule für die Gesellschaft, um auf die Kultur ringsherum aufmerksam zu werden. Alles, das uns umgibt, ist von Menschen gemacht, das heißt, es beruht auf Entscheidungen – leider viel zu oft ökonomischer Natur – und ist prinzipiell veränderbar. Kunst ist ein Angebot und eine Form das Leben auf eine bestimmte Art zu reflektieren, es ästhetisch wahrzunehmen und zu kommentieren. Was der Einzelne daraus macht, bleibt ihm selbst überlassen. Die einen nehmen das Angebot an, die anderen lassen es sein.

Für die Kunst im öffentlichen Raum braucht es tatkräftige Projektarbeit. Warum?
Der große Vorteil von Kunst im öffentlichen Raum ist, dass darüber häufig Menschen zusammenkommen, die normalerweise nichts miteinander zu tun haben. Ich bezeichne das als „Querfeldein-Netzwerke“, als Schnittmengen von Teil-Öffentlichkeiten. Nehmen wir beispielsweise die Zwischennutzung eines leeren Gebäudes: Hier treffen Besitzer, Nachbarn, Passanten, Künstler und Fachpublikum aufeinander und tauschen sich aus. Ohne die Kunst hätten sie sich vielleicht nie getroffen. Wir entfernen uns damit einen Schritt von der gesellschaftlichen Entfremdung, das ist sehr wichtig.

Wo hakt es aktuell noch?
Wir arbeiten im öffentlichen Raum. Das heißt auch, dass wir uns an die Gesetze halten müssen, die im öffentlichen Raum gelten. Und die sind in Deutschland äußerst eng gefasst. Es ist genau geregelt, wie viele Zentimeter vom Bordstein übrig bleiben müssen, wenn man einen Tisch aufstellt. Wir bräuchten viel mehr Unterstützung durch Ämter und Behörden. Das Bewusstsein für die Bedeutung von Kunst im öffentlichen Raum muss dort noch viel stärker verankert werden.

Welche Aufgabe fällt Institutionen wie der Urbane Künste Ruhr zu?
Wir arbeiten derzeit an der Vorbereitung von einem Ruhrgebiets-übergreifenden Ausstellungsprojekt. Das Ruhr Ding, so ist der Titel, ermöglicht den Künstlerinnen und Künstlern die Realisierung größerer, kompakter Projekte. Als Ausstellungszusammenhang mit einer gemeinsamen thematischen und zeitlichen Klammer stellt es eine Verbindung zwischen sehr unterschiedlichen Positionen her. Wenn wir ein Projekt starten, laden wir Künstler ein, begehen Örtlichkeiten mit ihnen, diskutieren und planen gemeinsam. Wir sorgen für die Finanzierung, die Kommunikation nach Außen, aber auch dafür, dass Brandschutz, Verkehrs- und Bauvorschriften eingehalten werden. Das ist immer wieder eine Herausforderung, denn kein Projekt ist wie das andere. Und ohne die Unterstützung öffentlicher Institutionen wäre es vielen Künstlern gar nicht möglich so etwas umzusetzen.

Diskutieren Sie mit!

Die Rolle öffentlicher Institutionen diskutiert Britta Peters am Sonntag, den 8. Juli im Düsseldorfer Schauspielhaus unter anderem mit Stephan Muschick, Geschäftsführer der innogy Stiftung, und Markus Ambach, Künstler, Kurator und Initiator zahlreicher Projekte im öffentlichen Raum.

Bleiben Sie stets auf dem Laufenden über unsere aktuellen Projekte und abonnieren Sie unseren Newsletter hier!

Foto: © Henning Rogge / Urbane Künste Ruhr 2018

weiterempfehlen

Kategorien: Kultur
Schlagwörter: Kunst


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Hiermit akzeptiere ich die Datenschutzbedingungen


Verfassen Sie den ersten Kommentar