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Beitrag: „The Future of Light Art“ – Wie sieht die Zukunft der Lichtkunst aus?

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25. Mai 2018

„The Future of Light Art“ – Wie sieht die Zukunft der Lichtkunst aus?

Bereits zum dritten Mal vergibt das Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna den International Light Art Award (ILAA). Projektmanager Marcus Boxler ist neu im Team – aber das ist nicht die einzige Veränderung. Im Interview erzählt er, welche Veränderungen uns beim ILAA 2018/19 erwarten.

Der ILAA wird nun schon zum dritten Mal vergeben. Was ist dieses Mal anders?
So einiges. Der allererste Light Art Award war ein geschlossener Wettbewerb. Museumsdirektoren, Galeristen und Kuratoren schlugen Künstler vor, von denen schließlich einer zum Gewinner gekürt wurde. Uns haben damals viele Nachrichten mit der Bitte erreicht, daraus einen offenen Wettbewerb zu machen. Dem sind wir gerne nachgekommen. Der Erfolg gab uns Recht. Wir bekamen rund 300 Bewerbungen aus 41 Ländern. Daher startete dieses Jahr am 6. April wieder unsere Bewerbungsphase, der Open Call.

Wohin geht die Lichtkunst?

So richtig neu ist das aber nicht.
Richtig, dabei ist es aber nicht geblieben. Die ILAA-Ausstellung steht unter dem Titel „The Future of Light Art“. Wir wollen den Award tiefer einbetten und präsentieren daher erstmals eine von Studierenden zusammengestellte Parallelaustellung dazu. Die Studenten thematisieren darin die Fragen: Wohin geht die Lichtkunst? Wie entwickelt sie sich sowohl ästhetisch als auch technologisch? Die Ausstellung betrachtet die Lichtkunst eher von der wissenschaftlichen Seite. Wir haben den Studenten vorgegeben, dass es sich bei den Werken um Nachhaltigkeit, Energiewende und innovative Technologien der Lichtkunst drehen muss. Außerdem geht es um die gesellschaftliche Rolle des Lichts. Das Licht ist nicht nur ein Mittel, mit dem wir unsere Wohnzimmer beleuchten, inzwischen wird es beispielsweise auch in der Medizin genutzt, sei es nun Laser-Technologie oder Licht-Therapie. Gleichzeitig vereinnahmt die Werbeindustrie Licht in enormem Maße. Aber was macht das mit der Gesellschaft? Und welche Auswirkungen hat es letztlich auf die Kunst, wenn Licht in der Gesellschaft eine zunehmende Rolle spielt?

ILAA-Projektmanager Marcus Boxler
ILAA-Projektmanager Marcus Boxler ©Alexander Schneider

Das klingt nach einer spannenden Änderung beim ILAA. Worauf dürfen wir uns noch freuen?
Während der vergangenen ILAA-Ausstellung haben viele Besucher in der Führungen eigene kleine Rankings aufgestellt. Und weil wir die Rückmeldung unseres Publikums ernst nehmen, gibt es mit der nächsten Edition ein kleines Besucher-Schmankerl: einen Publikumspreis. Mit der Eröffnung werden Besucher die Möglichkeit haben, selbst abzustimmen, sodass eine Installation zum Ausstellungsende mit ebendiesem Preis ausgezeichnet wird. Und auch ein glücklicher Besucher bzw. eine glückliche Besucherin hat den Ausblick auf einen kleinen Gewinn – wie der genau aussieht, wollen wir allerdings noch nicht verraten.

Warum wurde der Light Art Award vom Zentrum fürInternationale Lichtkunst ins Leben gerufen?
Zunächst einmal geht es uns um die Künstlerförderung. Wir bieten mit dem Preis vor allem bisher eher unbekannten Lichtkünstlern die Möglichkeit, ihre Werke in einem Museum zu präsentieren. Außerdem möchten wir mit dem Award eine Debatte anstoßen. Hier kommt auch die innogy Stiftung als Mit-Initiator des ILAA ins Spiel.

Worum soll es in dieser Debatte gehen?
Es geht auch hier um unser Leitmotiv: „The Future of Light Art“. Das ist natürlich sehr weit gegriffen, aber wir wollen den Künstlern möglichst viel Freiraum bieten. Prinzipiell beschäftigen uns die gleichen Fragen, die die Studenten in der Parallelausstellung behandeln – um Lichtkunst aus der technologischen und gesellschaftlichen Perspektive. Es geht zum Beispiel um die Frage, ob mit den LEDs das Optimum der Lichttechnologie erreicht ist. Oder ob es eine Form gibt, die noch effektiver und effizienter ist. Oder geht es darum, eine Lichttechnologie wie Leuchtstoffröhren oder Glühbirnen, zu bewahren, die mit dem Einzug der LEDs wegfällt? Wenn niemand mehr Leuchtstoffröhren herstellt, wäre das für uns als Kunstbetrieb verheerend, da eine besondere ästhetische Wirkungsweise der Lichtkunst einfach wegfallen würde.

Das Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna ist weltweit das einzige Museum, das sich auf Lichtkunst spezialisiert hat. Woran liegt es, dass diese Kunstform so selten in Museen vertreten ist?
An dieser Stelle muss man differenzieren. Lichtkunst ist nicht selten vertreten, die größten Museen und Galerien auf der ganzen Welt stellen Licht-Installationen oder -Skulpturen aus. Es hat sich nur noch kein Museum darauf spezialisiert – außer uns. Ich kann mir das nur so erklären, dass es eine verhältnismäßig junge Kunstform ist. Sehen Sie sich die Malerei an, die hat bereits vor 35.000 Jahren begonnen. Die frühesten Lichtinstallationen reichen höchstens bis in die 1920er Jahre zurück. Es gibt also noch keinen so riesigen Fundus an Installationen und Lichtkünstlern, wie es bei der Malerei der Fall ist. Das schränkt Museen bei der Ausstellung natürlich ein. Dennoch erkenne ich einen Trend. Gerade hat in Berlin eine Lichtkunstgalerie eröffnet und auch bei der documenta und der Ruhrtriennale wurden letztes Jahr Lichtkunst-Installationen ausgestellt. Die Menschen werden vom Licht angezogen.

„Wir müssen eine klare Linie zwischen Lichtkunst und Lichtdesign ziehen“

Der japanische Künstler Satoru Tamura hat mit seiner großartigen Installation – im Hintergrund – den International Light Art Award (ILAA) 2017 gewonnen.

Welche Herausforderungen stellen sich bei der Lichtkunst?
Ich glaube, eine Hürde, die man überwinden muss, ist es, nicht kitschig zu werden. Das Licht spielt im Design eine große Rolle. Aber Design ist leicht vervielfältigbar, Kunst hingegen nicht. Nur weil jeder die Star-Wars-Lampe von Ikea im Wohnzimmer hängen hat, ist das noch kein künstlerischer Durchbruch. Hier geht es schlicht um Design. Wir müssen eine klare Linie zwischen Lichtkunst und Lichtdesign ziehen. Diese Arbeit muss der Künstler leisten. Licht muss so verpackt werden, dass der Betrachter nicht denkt: „Okay, das habe ich jetzt einmal gesehen und damit ist die Sache für mich abgehakt.“ Lichtkunst operiert oft unter einem intellektuellen Überbau Ob sich dieser in Schrift oder in etwas Raum- oder Ortsspezifischen spiegelt, ist dem Künstler überlassen.

Wer wird beim dritten International Light Art Award in der Jury sitzen?
Ich kann Ihnen noch nichts Spezifisches verraten, aber die Jury-Mitglieder werden Anfang oder Mitte Mai bekanntgegeben.

Die Künstler können noch bis zum 16. September ihre Konzepte beim Open Call abgeben. Gibt es irgendwelche Ausschlusskriterien, die die Anwärter beachten sollten?
Nein, allerdings liegt uns sehr viel daran, dass die Arbeiten die Gewölbekeller der ehemaligen Brauerei in der das Lichtkunst-Zentrum untergebracht ist, raum- und ortsspezifisch einbinden und inszenieren. Das Besondere an unserem Ausstellungsort in Unna ist, dass sich die Kellerräume und das Licht gegenseitig in Szene setzen. Ich für meinen Teil freue mich auf jeden Fall schon sehr auf die Vorschläge und Konzepte der Bewerber!

Sie haben eine Idee? Dann reichen Sie beim Open Call des International Light Art Awards Ihr Konzept ein. Den letzten ILAA gewann der japanische Lichtkünstler Satoru Tamura. In unserem Blog halten wir Sie über alle aktuellen Entwicklungen beim ILAA auf dem Laufenden. Haben Sie übrigens schon von unserem Newsletter gehört? Mehr dazu. 

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Kategorien: Kultur
Schlagwörter: Lichtkunst und Zentrum für internationale Lichtkunst


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