Blog

Beitrag: VISIT-Stipendiatin Céline Berger: „Auf leisen Sohlen“

Sie sind hier: Startseite » VISIT-Stipendiatin Céline Berger: „Auf leisen Sohlen“

16. Mai 2018

VISIT-Stipendiatin Céline Berger: „Auf leisen Sohlen“

Was macht eine Künstlerin mehrere Wochen beim innogy Offshore-Windpark auf Helgoland? Und was für einen Blick wirft VISIT-Stipendiatin Céline Berger mit ihrem Projekt „Auf leisen Sohlen“ (Arbeitstitel) auf den Austausch zwischen Kunst und Wirtschaft in der Gesellschaft?

VISIT, das Artist in Residence Programm der innogy Stiftung, unterstützt Künstler, die sich mit dem Thema Energie auseinandersetzen. Seit 2010 fördert das Programm internationale Kunstschaffende und ermöglicht ihnen Zugänge zu Orten, die der Öffentlichkeit sonst verborgen bleiben. So auch für das Projekt der VISIT-Stipendiatin Celine Berger. Sie begleitete das Team des innogy Offshore-Windparks auf Helgoland.

Mit ihrem Projekt „Auf leisen Sohlen“ (Arbeitstitel) geht Céline Berger der Verbindung von Wirtschaft und Kunst auf eine sehr persönliche Art und Weise nach: Es geht ihr erstmal um eine Positionsbestimmung: Wie kann ich als Künstlerin in einem Unternehmen einen Platz finden? Wie reagieren die Mitarbeiter auf meine Anwesenheit?

Dafür taucht sie in die Lebens- und Arbeitswelt der innogy Mitarbeiter auf Helgoland ein, lernt Strukturen und Prozesse aus erster Hand kennen und versucht, Ausschnitte aus dem Berufsleben der Arbeiter künstlerisch zu deuten und zu erfassen. Die Idee zu „Auf leisen Sohlen“ ist aus Céline Bergers persönlicher Überzeugung entstanden, dass es „künstlerische Momente“ gibt, die fernab jedes künstlerischen Kontextes existieren: „kleine Gesten, Details, Momente, die dem Erwarteten widersprechen, die Ordnung der Dinge verschieben, die Wirklichkeit kurz in Schwingungen versetzen“, so die Künstlerin.

„Die Anlage singt“

Für ihr Projekt musste Céline Berger mehrere Vorbereitungskurse, Sicherheitstrainings und Prüfungen absolvieren – erst dann durfte sie die Anlage betreten, denn Sicherheit geht vor. Mit leichter Wehmut erinnert sich Berger daran zurück, wie sie das erste Mal auf eine Windkraftanlage gestiegen ist:

„Es gab es ein wenig Wind. Ich fing an hoch zu steigen und merkte plötzlich, die Anlage singt. Wenn der Wind durch die Fundamente der Struktur weht, entsteht ein Pfeifen, und die Frequenz ändert sich je höher man kommt. Oben auf der Plattform geht dieses Pfeifen langsam in eine Atmung über, so klang für mich das gleichmäßige Rauschen der sich drehenden Blätter. Es war wunderschön.“

„Vielleicht ärgern sie sich, vielleicht sind sie überrascht“

Diese Momente hält sie schriftlich, fotografisch und filmisch fest. In einer zweiten Phase des Projektes präsentiert Céline Berger, die früher selbst als Ingenieurin gearbeitet hat, ihre Werke den Mitarbeitern des Offshore-Windparks auf Helgoland. Dies geschieht ohne Vorankündigung und eingebettet in den Arbeitsalltag der Abteilungs-Mitglieder, die auf Helgoland nicht nur für zwei Wochen arbeiten, sondern dort auch leben. So werden die Mitarbeiter des innogy Offshore-Windparks sowohl zu Produzenten als auch Rezipienten des künstlerischen Prozesses. Von der unkonventionellen und engen Zusammenarbeit der Künstlerin mit den innogy Mitarbeitern, profitieren beide Seiten:

„Ich lerne aus ihrer Reaktion viel über ihre Sicht, ihre Befürchtungen, ihr Selbstbild. Sie lernen schrittweise was mich interessiert, wie ich mich ausdrücke. Vielleicht ärgern sie sich mal tierisch über etwas, sind hier und da überrascht. Ihr hoffe sehr, dass manche Arbeiten ihnen gefallen!“

Hören Sie mehr über Céline Bergers Projekt im Podcast

Nach ihrem ersten zweiwöchigen Aufenthalt im Frühjahr 2018 produziert sie nun ihre Arbeiten. Entstanden ist bereits ein kurzes Hörstück namens „Transfers“, basierend auf Konversationen und Geräuschen, die Céline Berger während ihrer Zeit auf der Offshore-Windfarm in der Ostsee aufgenommen hat. Das Stück wurde am 10. Mai 2018 in London im Rahmen der Sendung „Who Cares?, a radio tale“ vorgestellt. Die Sendung wurde von jungen Kuratoren in Kooperation mit der non-profit Kunstorganisation Gasworks und dem Radiosender Resonance fm produziert. Hören Sie sich den Podcast mit Céline Berger hier an.

Erfahren Sie alles zu den aktuellen Projekten in unserem Blog oder melden Sie sich für unseren Newsletter an. 

weiterempfehlen

Kategorien: Kultur
Schlagwörter: VISIT, Visit-Künstler und VISIT-Stipendium


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Hiermit akzeptiere ich die Datenschutzbedingungen


Verfassen Sie den ersten Kommentar