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Beitrag: Energie-Akademie #6: „Wir brauchen Kreativität da, wo die Energiewende umgesetzt wird.“

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23. Februar 2018

Energie-Akademie #6: „Wir brauchen Kreativität da, wo die Energiewende umgesetzt wird.“

Das ist mal sicher: Soviel überzeugendes Rollenspiel wie beim gestrigen Stakeholderdialog der 6. Energie-Akademie der innogy Stiftung und des Wittenberg-Zentrums für Globale Ethik (WZGE) gab es selten. Wie eine Löwin kämpfte die parteilose Grünhausener Bürgermeisterin mit  konventionellen Stromerzeugern, Windparkbetreibern, Umweltaktivisten und Lithium-Ionen-Akku-Produzenten um das kommunalpolitische Baumaterial für den steinigen Weg in eine klimaneutrale Zukunft ihrer Stadt.

 

Strategiedebatte im Gewinnerteam beim Dialog-Wettbewerb der 6. Akademie für Energie & Akzeptanz in der Hörsaalruine der Charité. Fotos: Frank Vinken | dwb

Großartig, wie Akademie-Moderatorin Dr. Ursula Weidenfeld als resolute Stadtoberhäuptin Silvia Kunze „ihre“ Akteure „kurz vor der entscheidenden Hauptausschusssitzung“ mit breitestem rheinischen Pragmatismus in den Griff nimmt. Wie sie Allgemeinplätze und kleingemusterte Angebote der  Stakeholder „Strom4U“, „Renergie“, „Bündnis Natur + Klima“ und „Elektropark Grünhausen“ selbstbewusst in ein sattes Energie-Grün verwandelt. „Die Regulatorik bin ich“, betont Silvia Kunze selbstbewusst zu Beginn der Klimaziel-Verhandlung, denn sie will ihre Stadt vor allem „für junge, gut ausgebildete und besonders umweltbewusste Paare“ attraktiv machen. Und sie will zudem „keine neuen Steuern oder Abgaben“ von ihren Bürgern fordern.

Nach rund 90 Minuten harter Verhandlung und drei Auszeiten erklärte die Jury schließlich das Team der innovativen Akku-Produzenten vom „Elektropark Grünhausen“ zum Sieger im Dialog-Wettbewerb der 6. Energie-Akademie. Jury-Sprecher Prof. Dr. Andreas Suchanek: „Die Akku-Hersteller haben als Spieler ohne historische Verstrickungen ihre Chancen am besten genutzt und sich eine starke wirtschaftsethische Position erarbeitet.“

Für den kommunalen Konsens zwischen Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit – für das große „Ja“ aller Akteure zur neuen Grünhausener „Stiftung Energie“ – hatten die konventionellen Stromerzeuger (Strom4U) zugesagt, Kohlekraftwerke früher stillzulegen und große Teile der Tagebauflächen der Solar- und Windkraft zu widmen. Der Windparkbetreiber (Renergie) würde dort kooperieren und seinen Strom zu günstigen Konditionen in der Nachbarschaft direkt vermarkten. Die Umweltaktivisten (Bündnis Natur + Klima) wollen als konstruktiver Katalysator die Energiewende vor Ort beschleunigen. Der Akku-Hersteller (Elektropark Grünhausen) schließlich erklärt sich bereit, Grünhausen mit seinen Produkten und lokal erzeugter Solar- und Windenergie zur Modellstadt für innovative Stromspeicherlösungen zu machen.

„Die Eröffnungsbeiträge heute waren bemerkenswert. Großes Kompliment dafür …“

Den Expertentag vor dem großen Klimatreffen in der Hörsaalruine der Berliner Charité hatten die 20 Energieakademisten in  Wittenberg zum intensiven Rollenstudium genutzt. Im Konferenzsaal des WZGE erläuterte Philip Nuyken eine aktuelle Studie des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), die belegt, dass die Einhaltung angestrebter Klimaziele der Wirtschaft zumindest nicht schadet. Wie sich der Essener Energieerzeuger RWE auf eine künftige klimaneutrale Stromerzeugung vorbereitet, erläuterte Dr. Peter Engelhard. Kämpferisch forderte Tina Löffelsend vom BUND in ihrem „Impuls“ den schnellen Ausstieg aus der fossilen Stromerzeugung, denn: „Klimaschutz ist alternativlos und langfristig billiger als die Kosten der ungebremsten Klimakrise“.  Windmüller Werner Frohwitter (Energiequelle GmbH), schilderte den stürmischen Kurs der Windkrafterzeugung durch die Klippen EE-Gesetzgebung zur Rentabilität des jungen Wirtschaftszweigs.

Vielleicht lässt sich die hohe akademische Eleganz der studentischen Energiewendetreffen in Wittenberg am besten mit einigen Stimmen zum 6. Finale in Berlin beschreiben. Teilnehmer Martin, der in Mannheim Politik und VWL studiert: „Klasse!“. Ein Energieakademie-Teilnehmer aus dem Jahr 2014: „Es hat viel Spaß gemacht, die Diskussion aus einer anderen Perspektive zu verfolgen. Sehr spannend!“ Dr. Mart Verhoog, Leiter der Forschungsstelle Kommunale Energiewirtschaft: „Die Eröffnungsbeiträge heute waren bemerkenswert. Großes Kompliment dafür …“ Thies Schröder von der „Energieavantgarde Anhalt e.V.“: Ich warne vor schnellen Scheinkompromissen, die nicht tragen, aber  diese Bürgermeisterin würde ich gerne stundenweise mieten. Das war wirklich großartig.“

Holger Lösch, Stv. Hauptgeschäftsführer des BDI und Jurymitglied: „Toll, wie Sie sich in dieses komplexe Thema eingearbeitet haben. Respekt. Mir hat’s Spaß gemacht.“ Frank Peter, Stv. Direktor der Agora Energiewende und ebenfalls Juror: „Sie haben sehr gut herausgearbeitet, was auf kommunaler Ebene überhaupt möglich ist. Wir brauchen Kreativität da, wo die Energiewende umgesetzt wird.“

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Kategorien: Bildung
Schlagwörter: Akademie für Energie und Akzeptanz, Energiebildung und WZGE


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