Blog

Beitrag: Idan Hayosh bittet zur VOGELBEOBACHTUNG auf „Hidden RUNWAY (Lamps #25)“

Sie sind hier: Startseite » Idan Hayosh bittet zur VOGELBEOBACHTUNG auf „Hidden RUNWAY (Lamps #25)“

8. Februar 2018

Idan Hayosh bittet zur VOGELBEOBACHTUNG auf „Hidden RUNWAY (Lamps #25)“

Die Entdeckung großer Kunst in kleinen Galerien hat im Ruhrgebiet viel von einer Schatzsuche. Entweder man weiß, wo gegraben werden muss, oder man bekommt einen Tipp. Der Tipp ist für uns Förderer an dieser Stelle kein Problem: Am morgigen Freitag, 9. Februar, eröffnet Idan Hayosh seine Ausstellung „VOGELBEOBACHTUNG“ in den „Rottstr5-Kunsthallen“ in Bochum. Wir haben ihm beim Aufbau seiner raumgreifenden Installation zugeschaut.

Idan Hayosh „verlegt“ einige Hundert Feuerlöscher für seine Installation VOGELBEOBACHTUNG in den „Rottstr5-Kunsthallen“ in Bochum. Foto: Frank Vinken | dwb

Er mag auch knapp vier Jahre nach einem lesenswerten Interview mit dem ArtMag-Magazin der Deutschen Bank keine Interviews, möchte nicht wie ein Idiot klingen. „Meine Kommunikation ist visuell“, betont der Künstler aus der Gegend von Tel Aviv: „Manchmal fürchte ich mich in meiner  Paranoia davor, dass das, was ich sage, wichtiger sein könnte als das, was ich tue.“

Der studierte Fotograf ist von Ràanana, einem kleinen Ort bei Tel Aviv, über Amsterdam und Berlin nach Essen gekommen, wo er im August 2008 zunächst mit dem Display eines royalen britischen Tafelsilbers debütierte und von März bis September 2015 als erster Künstler das (ebenfalls von der innogy Stiftung geförderte) „Residenz-Programm“ des Essener Kunsthauses eröffnet hat.

Konnte er etwas über Essen und das Ruhrgebiet lernen, möchte der Chronist wissen. „Genug“, meint Idan Hayosh, „um zurückzukommen und für immer hier zu bleiben.“ Seit anderthalb Jahren ist er „Resident“ in Essen. Mit einem „geliebten VW Bully“, den er – sehr zeitgemäß – als Tiny House nutzt und mit seinem festen Atelier im Essener Kunsthaus verknüpft. Das Ruhrgebiet schätzt er wegen der echten Menschen hier, die „ganz ohne oberflächlichen Glanz“ eigentlich stets die Wahrheit sagen.

 

Idan Hayosh: „Hier im Ruhrgebiet kann ich ein ganz normaler Mensch und Künstler sein.“

Viele seiner Künstlerkollegen, die wie er ins Ruhrgebiet gezogen sind, sehen das ähnlich, sagt Idan Hayosh: „Sie haben hier einen echten Ort gefunden, ohne den sozialen Druck wie beispielsweise in Berlin, wo man, wenn man nicht topmodisch daherkommt, auf der Straße schräg angeschaut wird.“ Überhaupt Berlin. Dort konkurriere er mit hunderttausend anderen Künstlern, die ihre Arbeiten aber nicht dort zeigten: „Hier im Ruhrgebiet kann ich ein ganz normaler Mensch und Künstler sein.“

Aber zurück in die Bochumer „Rottstr5-Kunsthallen“. Am 1. Februar 2018 – neun Tage vor der Eröffnung – ist der erste Teil von Idan Hayoshs „VOGELBEOBACHTUNG“ fast fertig. Einige Hundert „Pulver-Aufladefeuerlöscher PU 6G“ der Minimax Mobile Services sind zu einem dieser Displays arrangiert, mit denen er seit Jahren sein Publikum weltweit verstört und fasziniert. „Feuerlöscher bringen die Menschen ‚in attention‘. Feuerlöscher steigern die Aufmerksamkeit des Publikums“, weiß der Künstler und gibt mit seinem in künstlerischer Würde gealterten Zippo der Selbstgedrehten eine dritte Chance.

In der Tat erzeugen die zu einer Art Brandschutz-Lagune ausgelegten Löscher das Gegenteil von einem sicheren Gefühl. Dabei sind die rund 500 Feuerlöscher lediglich das dramatische Vorspiel für die Hauptsache der „VOGELBEOBACHTUNG“ im zweiten Kunsthallen-Gewölbe unter der ehemaligen Nokia-Bahn, die heute Glückauf-Bahn heißt. Dort konfrontiert Idan Hayosh sein Publikum mit der Simulation einer perspektivisch verkürzten Landebahnbefeuerung, die gleißend-hell und ohrenbetäubend aus der Perspektive des Jetpiloten den bangen Augenblick vor dem Fahrwerk-Quietschen einer geglückten nächtlichen Landung simuliert.

Wer in den Genuss von Idan Hayoshs brachialer Arbeit „hidden RUNWAY (Lamps #25)“ kommen möchte – und das sei in dieser Vorschau ausdrücklich empfohlen – hat dazu am kommenden Wochenende, und nur (!) am kommenden Samstag und Sonntag, jeweils von 16.30 bis 19.30 Uhr, in den „Rottstr5-Kunsthallen“ die Gelegenheit. Der Eintritt ist frei. Eröffnet wird die „VOGELBEOBACHTUNG“ am Freitag, 9. 2., um 19 Uhr.

Nachzutragen bleibt noch der Hinweis auf Idan Hayoshs Antwort auf die Frage, ob er diese Landelichter vor seiner Planespotter-Plattform schon einmal selber aus Cockpitsicht erlebt hat. Das „Nein“ ist deutlich, denn größer als der künstlerischer Schaffensdrang ist nur seine Angst vom Fliegen: „Die Landung ist immer das Schrecklichste.“ Gleichwohl, ein kleines Augenzwinkern hält der Künstler immer für sein Publikum bereit. Dieses kleine Augenzwinkern, das sagt: „Ist doch alles nicht so schlimm.“

Oder doch?

weiterempfehlen

Kategorien: Kultur
Schlagwörter: Ausstellung, Bochum, Idan Hayosh, Kunst und Lichtkunst


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Hiermit akzeptiere ich die Datenschutzbedingungen


Verfassen Sie den ersten Kommentar