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Beitrag: Das Energiesystem der Zukunft – Teil 2: „Es tut gut, mal in die Praxis auszubrechen“

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30. Januar 2018

Das Energiesystem der Zukunft – Teil 2: „Es tut gut, mal in die Praxis auszubrechen“

Unsere gemeinsame Initiative mit der Stiftung der Deutschen Wirtschaft „Think Lab: Energie – Gesellschaft – Wandel“, unterstützt in diesem Jahr sechs spannende Projekte. In unserer Interview-Serie stellen wir sie Ihnen vor.

Heute: Wie bringt man Kindern die Bedeutung des Klimawandels näher? Diese Frage hat sich Andrzej Ceglarz in seinem Projekt „Entdecke und wirke mit!“ gestellt. Gemeinsam mit dem kein Abseits e.V. hat er mit Kindern in Workshops Solarkocher, Wind- und Wasserräder gebaut. Die Neun- bis Zwölfjährigen sprühten vor Begeisterung und machten sich ernsthafte Gedanken um Nachhaltigkeit, Energiewende und Klimawandel. Im Interview haben uns Andrzej Ceglarz und kein Abseits-Mitglied Clara Fohrbeck mehr darüber erzählt.

Wie sind Sie zu der Projektidee gekommen?

Andrzej Ceglarz: Ich interessiere mich einerseits sehr für die Themen Energie und Klimawandel, andererseits arbeite ich gerne mit Kindern zusammen. Das hat also perfekt zusammengepasst. Ich habe gemeinsam mit dem Verein kein Abseits e.V. das Konzept für die Klima-Workshops erarbeitet. Es galt vor allem zu klären, wie, wann und mit wem machen wir das? Die Kinder mussten dafür alle gleichzeitig an einem Ort und in einem ähnlichen Alter sein. Das wäre schwierig geworden, wenn man die Workshops über ein ganzes Jahr verteilt hätte. Daher bot es sich an, das Projekt während des Sommercamps von kein Abseits umzusetzen.

Clara Fohrbeck: Bei unserem Sommercamp legen wir den Fokus auf einen außerschulischen Lernort. Da wir Mithilfe von umwelt- und erlebnispädagogischen Mitteln arbeiten, haben Andrzejs Workshops thematisch super gepasst und wir konnten die Kurse integrieren. Wir haben ihn vorher in eine der Flüchtlingsunterkünfte mitgenommen, die mit uns kooperiert. Dort haben wir regelmäßig Einsätze mit unserem Spielmobil. Andrzej konnte vor Ort die Spiele leiten und hat dabei die Kinder kennen gelernt. Dadurch hat er einen besseren Einblick in unsere Arbeit und die Zielgruppe bekommen.

Andrzej Ceglarz und Clara Fohrbeck. (Foto: kein Abseits! e.V.)

 

Welche Erkenntnisse haben Sie daraus gewonnen?

Ceglarz: Das hat mir sehr geholfen, denn ich konnte viel besser einschätzen, wie viel Deutsch die Kinder schon sprechen und verstehen und wie sie als Gruppe agieren. So gingen wir wesentlich konkreter in die Planung der Workshops. Außerdem habe ich die Kinder kennengelernt und konnte die Workshops dementsprechend auf sie anpassen.

Welche Kinder haben an dem Camp teilgenommen?

Fohrbeck: Das Sommercamp ist ein integratives Projekt. Insgesamt waren 48 Kinder dabei, von denen zwei Drittel Flüchtlingskinder waren und der Rest aus dem Kiez kam.

Wie haben Sie Ihr Projekt umgesetzt?

Ceglarz: Das Sommercamp dauerte sechs Tage, an vier Tagen davon ging es um mein Projekt. Wir haben zu Beginn für die Kinder eine Klima-Rallye organisiert, bei der sie in Gruppen die Umgebung kennenlernten.

Fohrbeck: Bei diesem Chaosspiel mussten die Kinder an verschiedenen Orten Zettel finden auf denen Klimabegriffe und dazu passende Herausforderungen standen. Das ist bei den Kindern super angekommen. Ein wenig Vorwissen war zu dem Thema sogar bereits da.

Ceglarz: An den folgenden drei Tagen gab es verschiedene Workshops für die Kids. Die waren sehr praktisch angelegt. Wir haben mit den Kindern unterschiedliche Energiequellen gebaut und natürlich auch ausprobiert. Das waren zum Beispiel ein Wasserrad, ein Solarkocher oder ein Windrad. So haben die Kids einen sehr praktischen Bezug zum Thema Klimawandel und Energiewende bekommen.

Fohrbeck: Mit diesem Bezug zur Praxis können die Kinder das Gelernte viel besser verarbeiten. Wie ein Solarkocher funktioniert, bleibt eher hängen, wenn man ihn selbst baut und ausprobiert. Das ist sinnvoller als mit begrenzten Sprachkenntnissen in der Schule zu versuchen ein Arbeitsblatt auszufüllen.

Wie hat die Umsetzung bei den Kindern funktioniert?

Fohrbeck: Es war toll, dass viele etwas Neues ausprobiert haben. Unsere Kids sind ab und zu chaotischer als eine normale Schulklasse. Das ist zwar manchmal eine Herausforderung, aber dafür ist die Begeisterungsfähigkeit umso größer. Man bekommt von den Kindern unglaublich viel zurück, wenn man solche Workshops mit ihnen macht. In dieser Hinsicht waren sie also die perfekte Zielgruppe: Sie waren dankbar, dass sie mitmachen und Hand anlegen durften.

Auf welche Herausforderungen sind Sie während der Planung des Projekts gestoßen?

Fohrbeck: Uns war es auch wichtig, dass die Kinder außerhalb der Schule etwas zum Thema Nachhaltigkeit lernen und mitnehmen. Und Andrzejs Projekt hat hier super funktioniert. Wir haben lange an dem Konzept gefeilt bis es für die Kids genau richtig zugeschnitten war. Das war ein spannender Prozess. Der Klimawandel war natürlich auch eine Herausforderung, da wir das komplexe Thema für die Kinder so runterbrechen mussten, dass auch geringe Sprachkenntnisse ausreichen, um es zu verstehen.

Was nehmen Sie selbst von dem Projekt mit?

Ceglarz: Es war eine tolle Erfahrung. Wenn man promoviert, sitzt man hauptsächlich in der Bibliothek und ist in der wissenschaftlichen Welt versunken. Es tut gut, mal auszubrechen und in die Praxis zu gehen. Der sozialwissenschaftliche Aspekt hat mich sehr gereizt.

Das Projekt ist Teil der gemeinsamen Initiative „Think Lab: Energie – Gesellschaft – Wandel der Stiftung für Deutsche Wirtschaft und der innogy Stiftung. Andrzej Ceglarz promoviert derzeit an der Technischen Universität München und schreibt seine Dissertation über „Polnische und Deutsche Interessensgruppen im Gestaltungsprozess der Klima- und Energiepolitik der Europäischen Union“. In unserem Blog halten wir Sie natürlich auf dem Laufenden.

Lesen Sie auch die Interviews der anderen von uns geförderten Projekte des Think Labs:

Teil 1: „Eine Chance die Energiearmut in Afrika zu bekämpfen“
Das Projekt „Brücken bauen mit der Sonne!“ will junge Menschen mit Migrationshintergrund  für technische Berufe rund um die Solarenergie begeistern. Neben der Vermittlung von Praktikums- und Ausbildungsplätzen geht es Projektleiter Jörn Schaube um Hilfe zur Selbsthilfe beim Kampf gegen Energiearmut in Afrika.

Teil 3: „Die Energiewende kann nur gelingen, wenn sich die Zivilgesellschaft beteiligt“
Der „Tag der Energiewende Oldenburg 2018“ bringt Unternehmen, Vereine und Bürger in der Oldenburger Fußgängerzone zusammen. So können sich Interessierte und Kritiker gleichermaßen über den Stand der Energiewende in Norddeutschland informieren und diese aktiv mitgestalten. Warum die Einbeziehung der Bürger für Projektleiter Wilko Heitkötter besonders wichtig ist, hat er uns im Interview erzählt.

Teil 4: Die soziale Dimension der Energiewende wird oft vergessen
Der Ausbau erneuerbarer Energien ist wichtig, doch die soziale Komponente bleibt häufig auf der Strecke. Hier setzen die Projekttage von Jan Stede und seinem Team an: Schüler der neunten Klasse aus Berlin-Wedding sollen sich fürs Energiesparen begeistern und so ihren Familien helfen, nicht nur Energie, sondern auch Geld zu sparen.

Teil 5: „Wir machen deutlich, wo versteckte Probleme lauern”
Wie entscheiden Gremienmitglieder, Politiker und Geldgeber über die Zukunft von Energiewende-Projekten? Sie benötigen Wissen und Erfahrung. Doch nicht jeder kennt sich mit Windparks aus. Benno Baumann und sein Team wollen diesen Entscheidern daher eine Hilfestellung geben – mit neutralen, statt politisch gefärbten, Informationen.

Teil 6: „Wir müssen unser Verhaltensmuster grundlegend umstellen!”
Carsharing, Elektromobilität, Fahrradinfrastruktur – die Verkehrswende kommt. Nur wann? Viele sind immer noch skeptisch, wenn es um alternative Mobilitätskonzepte geht. Doch es braucht die gesamte Gesellschaft, um einen Wandel zu vollziehen – dies zeigt Anne Scholz in ihrem Filmprojekt.

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Kategorien: Allgemein, Archiv und Bildung
Schlagwörter: Bildung, Energiebildung, Energiewende, Gesellschaft, Nachhaltigkeit und Think Lab


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