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Beitrag: Das Energiesystem der Zukunft – Teil 1: „Eine Chance die Energiearmut in Afrika zu bekämpfen“

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8. Januar 2018

Das Energiesystem der Zukunft – Teil 1: „Eine Chance die Energiearmut in Afrika zu bekämpfen“

Unsere gemeinsame Initiative mit der Stiftung der Deutschen Wirtschaft „Think Lab: Energie – Gesellschaft – Wandel“, unterstützt in diesem Jahr sechs spannende Projekte. In unserer Interview-Serie stellen wir Ihnen diese vor.

Heute: Das Projekt Brücken bauen mit der Sonne! will junge Menschen mit Migrationshintergrund begeistern für technische Berufe rund um die Solarenergie. Neben der Vermittlung von Praktikums- und Ausbildungsplätzen geht es Projektleiter Jörn Schaube um Hilfe zur Selbsthilfe beim Kampf gegen Energiearmut in Afrika. Was das genau bedeutet, hat er uns im Interview erzählt.

Sie wollen „Brückenbauer“ und „Solarbotschafter“ ausbilden. Wie kam es zu dieser Projektidee?

Im Rahmen der Flüchtlingsbewegung und der anhaltenden Diskussion darüber haben wir uns überlegt, wie man es schafft Menschen mit Migrationshintergrund optimal dabei zu unterstützen, Fuß auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu fassen. Dabei handelt es sich sowohl um Flüchtlinge als auch um Menschen, die in Deutschland mit einem Migrationshintergrund geboren wurden. Da viele dieser Menschen einen afrikanischen Hintergrund besitzen, haben wir überlegt, welche Kompetenzen für sie am nützlichsten wären.

Zu welchem Schluss sind Sie gekommen?

Wir sind vor allem auf den Bereich Solarenergie gestoßen. Hier gibt es eine Menge unterschiedlicher Berufsbilder, bei denen man eine Chance hat diese Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Allerdings ging es uns auch um einen anderen Aspekt: Wenn man sich Afrika ansieht, wird das Thema Energiearmut beziehungsweise der Mangel an verfügbarer Energie enorm wichtig. Das ist auch eine der Ursachen, warum beispielsweise die wirtschaftlichen Entwicklungen dort nicht gerade optimal verlaufen.

„Es gibt eine Chance vernünftig zu helfen“

Projektleiter Jörn Schaube. (Foto: sdw/innogy Stiftung)

Wie wollen Sie hier helfen?

Natürlich geht das nur in einem bescheidenem Rahmen, aber es gibt eine Chance vernünftig zu helfen, die Energiearmut in Afrika ein Stück weit zu lindern. Wir wollen gemeinsam mit  den Menschen zukunftsfähige Energieverbrauchs-Konzepte erarbeiten. Die müssen aber auch zum wirtschaftlichen, kulturellen und geografischen Kontext passen. Wir denken,  das ist mit Solarenergie am besten zu bewältigen. Daher wollen wir die Leute mit Know-How ausstatten, sowohl technisch als auch im Hinblick auf ein funktionierendes Geschäftsmodell.

Sie haben dafür bereits ein Schulungsprogramm ausgearbeitet. Wie sieht das aus?

Wir organisieren voraussichtlich vier oder fünf Blockseminare, die ein bis zwei Tage dauern. Dort vermitteln wir die technischen und wirtschaftlichen Grundlagen der Solarenergienutzung. Während der Schulung bauen die Teilnehmer auch selbst eine konkrete technische Lösung. So lernen sie die verschiedenen Technologien nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch kennen. Aber wir wollen, wie gesagt, mehr als die Technik vermitteln. Auch welche Geschäftsmodelle besonders im afrikanischen Kontext funktionieren wollen wir den Teilnehmern vermitteln.

Muss man dafür ein gewisses Vorwissen mitbringen?

Das hilft natürlich immer, aber unser ausdrücklicher Anspruch ist es, Grundlagen zu schaffen. Wir wollen die jungen Leute zu Brückenbauern, zu Solarbotschaftern machen. Das heißt, sie sollen wissen und verstehen worüber sie reden und das Know-How und die Infos selbst verbreiten können.

„Wir erreichen die verschiedensten afrikanischen Communities“

Wie kommen Sie mit den jungen Menschen in Kontakt?

Unser Fokus liegt derzeit auf dem Großraum Hamburg. Wir arbeiten hier mit unserem Kooperationspartner Lessan e.V. zusammen. Das ist eine etablierte Hamburger Institution, die sich um die Integration von Menschen mit afrikanischem Migrationshintergrund kümmert. Wir erreichen dadurch die verschiedensten afrikanischen Communities. Mithilfe des Vereins bauen die Menschen viel schneller ein Vertrauensverhältnis zu uns auf.

Ist das der einzige Kooperationspartner?

Wir haben verschiedene Partner. Sie unterstützen uns zum Beispiel in Sachen Bildung. Derzeit sind wir auch dabei ein Netzwerk aus Unternehmen und Betrieben in der Region Hamburg aufzubauen. Damit wollen wir unseren Solarbotschaftern Praktikumsplätze und später vielleicht sogar Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen. Außerdem arbeiten wir mit Unternehmen zusammen, die selbst im afrikanischen Markt tätig sind und uns helfen zu verstehen, welche Geschäftsmodelle für Solarenergie in Afrika funktionieren können. Nach dem Workshop erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat, das sie künftigen Bewerbungen beilegen können.  

 

Dann geht die Kooperation weit über den Workshop hinaus?

Auf jeden Fall. Wir haben in Afrika bisher zwei Anknüpfungspunkte. Das eine ist ein Projekt in Kenia. Dort wird gemeinsam mit einem deutschen Partner ein Zentrum für berufliche Bildung gebaut. Ein wesentlicher Aspekt des Zentrums soll das Thema Solarenergie sein und da kommen wir ins Spiel. Wir möchten das Zentrum mit unseren Brückenbauern unterstützen. Gleichzeitig profitieren wir davon, einen Blick in die Realität zu werfen. Wir wollen dieses Projekt mit einigen Workshop-Teilnehmern für zehn Tage besuchen und vor Ort mitarbeiten. Ein ähnliches Projekt gibt es im Benin. Dort entsteht ein regionales Bildungszentrum für Mädchen und junge Frauen.

„Wer sich dafür entscheidet vorerst hier zu leben, muss auch unsere Sprache beherrschen“

Wenn Sie so davon reden, klingt das nach etwas Langfristigem. Wird es die Workshops regelmäßig geben oder nur für die bisher geplanten Termine?

Wir möchten zunächst sicherstellen, dass wir in diesem einen Jahr, das von der Stiftung der Deutschen Wirtschaft und der innogy Stiftung gefördert wird, etwas Handfestes aufbauen. Grundsätzlich sind das Setup und die nötigen Strukturen aber da, um daraus etwas Langfristiges zu machen.

Sie richten sich vorrangig an Flüchtlinge und Menschen mit afrikanischem Migrationshintergrund. Wie sieht das in der sprachlichen Umsetzung Ihres Projekts aus? Müssen die Teilnehmer bereits Deutsch können?

Die Workshops finden natürlich vorrangig auf Deutsch statt. Wer sich dafür entscheidet vorerst hier zu leben, muss auch unsere Sprache beherrschen. Wir wollen aber sicherstellen, dass niemand auf der Strecke bleibt, der vielleicht noch nicht hundertprozentig alles versteht. Daher wird hin und wieder ein bestimmter Aspekt auch auf Englisch oder Französisch wiederholt. So verliert niemand den Anschluss. Aber unser Ziel ist es definitiv, alles auf Deutsch zu machen.

Welche Voraussetzungen müssen die Teilnehmer sonst noch mitbringen?

Prinzipiell ist jeder willkommen, der Interesse an der technischen und betriebswirtschaftlichen Fragestellung hat. Durch unsere Kooperation mit dem Lessan e.V. liegt der Fokus derzeit auf Afrika. Grundsätzlich kann aber jeder mitmachen, der besonders hohe Motivation und Eigeninitiative mitbringt. Letztlich können wir unseren Teilnehmern nur das Wissen an die Hand geben, umsetzen müssen sie es selbst.

Das Projekt ist Teil der gemeinsamen Initiative Think Lab: Energie – Gesellschaft – Wandel“ der Stiftung der Deutschen Wirtschaft und der innogy Stiftung. In unserem Blog halten wir Sie natürlich auf dem Laufenden.

Lesen Sie auch die Interviews der anderen von uns geförderten Projekte des Think Labs:

Teil 2: „Es tut gut, mal in die Praxis auszubrechen“
Wie bringt man Kindern die Bedeutung des Klimawandels näher? Diese Frage hat sich Andrzej Ceglarz in seinem Projekt „Entdecke und wirke mit!“ gestellt. Gemeinsam mit dem kein Abseits e.V. hat er mit Kindern in Workshops Solarkocher, Wind- und Wasserräder gebaut.

Teil 3: „Die Energiewende kann nur gelingen, wenn sich die Zivilgesellschaft beteiligt“
Der „Tag der Energiewende Oldenburg 2018“ bringt Unternehmen, Vereine und Bürger in der Oldenburger Fußgängerzone zusammen. So können sich Interessierte und Kritiker gleichermaßen über den Stand der Energiewende in Norddeutschland informieren und diese aktiv mitgestalten. Warum die Einbeziehung der Bürger für Projektleiter Wilko Heitkötter besonders wichtig ist, hat er uns im Interview erzählt.

Teil 4: Die soziale Dimension der Energiewende wird oft vergessen
Der Ausbau erneuerbarer Energien ist wichtig, doch die soziale Komponente bleibt häufig auf der Strecke. Hier setzen die Projekttage von Jan Stede und seinem Team an: Schüler der neunten Klasse aus Berlin-Wedding sollen sich fürs Energiesparen begeistern und so ihren Familien helfen, nicht nur Energie, sondern auch Geld zu sparen.

Teil 5: „Wir machen deutlich, wo versteckte Probleme lauern”
Wie entscheiden Gremienmitglieder, Politiker und Geldgeber über die Zukunft von Energiewende-Projekten? Sie benötigen Wissen und Erfahrung. Doch nicht jeder kennt sich mit Windparks aus. Benno Baumann und sein Team wollen diesen Entscheidern daher eine Hilfestellung geben – mit neutralen, statt politisch gefärbten, Informationen.

Teil 6: „Wir müssen unser Verhaltensmuster grundlegend umstellen!”
Carsharing, Elektromobilität, Fahrradinfrastruktur – die Verkehrswende kommt. Nur wann? Viele sind immer noch skeptisch, wenn es um alternative Mobilitätskonzepte geht. Doch es braucht die gesamte Gesellschaft, um einen Wandel zu vollziehen – dies zeigt Anne Scholz in ihrem Filmprojekt.

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Kategorien: Archiv und Bildung
Schlagwörter: Hamburg, Solarenergie, Stiftung der Deutschen Wirtschaft, und Think Lab


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