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22. November 2017

Kunst als Sprachrohr für mehr Nachhaltigkeit

Ein interdisziplinärer Diskussionsabend am Rande der COP23

Kann Kunst zu mehr Nachhaltigkeit führen? Diese Frage stellten sich die Teilnehmer des von uns geförderten Panels “ARTPORT_GOOD FOOD COP23” im Rahmen des Weltklimagipfels COP23 in Bonn. In Sichtweite zum Tagungszentrum der Mächtigen ging es im Kunstmuseum Bonn darum, eine Brücke zu schlagen zwischen Politikern, NGOs und den Bürgern der ehemaligen Bundeshauptstadt. Katalysator dafür sollte – passend zum Veranstaltungsort – die Kunst sein: Kunst als Triebfeder für ein stärkeres Nachhaltigkeitsbewusstsein.

An der interdisziplinären Diskussionsrunde nahmen Künstler wie Tino Sehgal und Sam Hopkins teil, die Kuratorin Anne-Marie Melster, ein Mitglied der UNO-Klimarahmenkonvention UNFCCC, NGO-Vertreter und eine 15 Jahre alte Schülerin. Heyman Mahood hatte vor dem Panel noch mit Klassenkameraden in einem Workshop mit Sehgal gesessen. Ein Überblick über die verschiedenen Perspektiven:

Tino Sehgal – durch Kunst das Leben bewusster wahrnehmen

Für Melster ist Sehgal “einer der nachhaltigsten Künstler weltweit”. Er schaffe keine klassischen Werke wie Bilder, Skulpturen oder sonstige Objekte, sondern kreiere Begegnungen zwischen Menschen und lasse Besucher seiner Performances an Erlebnissen teilhaben. Auf dem Podium sprach der Berliner über seine Motivation: Ihm gehe es dabei nicht nur um die direkten Kontakte zwischen Menschen, sondern auch um ihr Bewusstsein dafür, wie sehr die Konsumgesellschaft mit ihren vielen Statussymbolen uns voneinander und von unseren Wurzeln entfremde. Dies war auch Thema seines Workshops vor der Gesprächsrunde gewesen. Dort hatte Sehgal die Schüler rund um Heyman Mahood dazu gebracht, dass sie sich vorübergehend (!) ganz bewusst von einem ihrer Lieblings-Statussymbole trennten – dem Smartphone. Wie das gelang, lesen Sie kommende Woche hier bei uns im Blog.

Sam Hopkins – die Nachhaltigkeit von Gegenständen

Sam Hopkins, Stipendiat in unserem VISIT-Programm, setzt sich in seiner Kunst damit auseinander, was man tun kann, um den eigenen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Hopkins präsentierte als Teil des Programms ARTPORT_GOOD FOOD COP23 vor dem Bonner Kunstmuseum seine Installation Ministry of Plastic (touring exhibition). Die Ausstellung in einem Schiffscontainer zeigt seine Vision der Zukunft, in der das heute im Überfluss vorhandene Plastik den gleichen Stellenwert wie Gold hat: Es ist sehr selten und viele Menschen haben es noch nie in natura gesehen. Die Ausstellung wandert nun übrigens aus Bonn ins Ruhrgebiet und wird demnächst in Dortmund zu sehen sein.

 

Motsomi Maletjane von der UN-Klimarahmenkonvention UNFCCC spricht auf dem Panel aus, was alle denken.

Motsomi Maletjane – Stop talking, start acting!

Worte allein reichen nicht. Das hat auch die Politik erkannt. Motsomi Maletjane von der UN-Klimarahmenkonvention UNFCCC sagte auf dem Panel: “Wir können in der Politik nur den Rahmen für eine nachhaltigere Gesellschaft bieten. Was es wirklich braucht: Menschen, die handeln.” Der Mann aus Lesotho sprach damit eine Haltung an, auf die alle Diskutanten, aber auch das Publikum, immer wieder zurückkamen: Stop talking, start acting!

Bremley Lyngdoh – Kunst als Medium

Bremley Lyngdoh hat gehandelt. Er hat mit seiner Stiftung Worldview Impact in Indien mehrere Millionen Mangroven und Gummibäume gepflanzt. 30 Millionen sind sein Ziel. Lyngdoh nutzt hierbei Kunst, um sein Projekt bekannter zu machen. Wie? Die von ihm engagierte indische Sängerin Karen David singt darüber, wie jeder selbst mit anpacken könne. Man und Women Power allein reiche jedoch nicht mehr: “Wir müssen Technologie nutzen, um unsere Wälder wieder aufzuforsten.” Daher arbeite er bald mit Drohnen, die seine Setzlinge – deutlich schneller als Menschen – pflanzen sollen.

Dr. Lynn Wilson – Durch Bildung zu mehr Nachhaltigkeit

Dr. Lynn Wilson, Direktorin am SeaTrust Institute in den USA, sieht einen großen Bildungsbedarf zum Thema Nachhaltigkeit. Egal ob Wissenschaftler, Politiker oder Mitglieder der NGOs, alle müssten sich in Nachhaltigkeitsfragen weiterbilden.

Anne-Marie Melster – mit Kunst die nächste Generation erreichen

Das Fazit der Kuratorin Melster, die mit ARTPORT_making waves seit 12 Jahren an der Schnittstelle Kunst und Klimawandel weltweit arbeitet: Sie freue sich über so viel Engagement und hoffe, dass Künstler und Aktivisten zukünftig noch mehr Menschen, insbesondere Jugendliche, erreichten. Daher hatte sie auch Sehgal und die Schüler zusammengebracht: “Denn die junge Generation wird unser aller Zukunft gestalten.”

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Kategorien: Allgemein und Kultur


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